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Fremdensitzung der Plasterschisser: Heldenhafter Kurstadt-Karneval

Von Sie haken sich ein, sie fassen sich sogar unaufgefordert an den Schultern und ziehen durch den Saal – da sage noch einer, die Königsteiner hätten Berührungsängste, wenn es um die Fastnacht geht. Das haben die Kurstädter am Samstag bei der großen Fremdensitzung der Plasterschisser eindrucksvoll widerlegt. Vielleicht hätten es ein paar Gäste mehr im HdB sein können. Die aber, die da waren, rockten das Haus und hatten Spaß.
<span></span> Bilder > Foto: Stefan Jung
Königstein. 

Dass Rudolf Krönke die Narrenkappe eher unkonventionell, weil quer zum Scheitel trägt, hat seinen Sinn. Der Plaschi-Protokoller präsentiert sich den gut 200 zahlenden Gästen im Haus der Begegnung als Querdenker und trifft mit seinen Pointen doch kerzengerade ins Ziel.

Bilderstrecke Königstein: Fremdensitzung des Narrenclubs "Die Plasterschisser"
Das Duo Gnadenlos machte auf der Fremdensitzung des Königsteiner Narrenclubs "Die Platschisser" seinem Namen alle Ehre - vor allem, wenn es um die Herren der Schöpfung ging.Majestätische Königstänzer: Die neuformierte Garde der Plaschis begeisterte das Publikum.Längst ein Star der Fastnacht in Rhein-Main und dieses Mal in Königstein zu Gast: de Begge Peter

Wer sich schon mal im Reimen versucht hat und dann auch noch witzig sein wollte, der weiß um die Herausforderung, die Krönke am Samstagabend bei der großen Fremdensitzung der Königsteiner Plasterschisser geradezu spielerisch meistert. Getreu dem Motto: „Egal, ob ihr lacht, grinst oder grunzt, immer dran denken, Satire ist Kunst.“

Dass das protokollarische Urgestein der Kurstadt-Fastnacht seinen Vortrag vorsorglich zum Gegenlesen beim türkischen Staatspräsidenten Erdogan vorgelegt hat, mag nach den Ereignissen um Jan Böhmermann vernünftig erscheinen. Nötig war es nicht, beweist Krönke doch einmal mehr, dass die feinhumorige Klinge sehr viel zielsicherer trifft als die grobe Keule – vorausgesetzt, man kann mit dem verbalen Florett umgehen. Und das kann der Königsteiner.

Wie er den Streit zwischen Bürgermeister und Ex-Kurchefin samt nächtlichem Polizeieinsatz aufarbeitet, das sitzt und trifft doch so, dass beide Kombattanten damit sollten leben können. Einfach nur köstlich: Krönkes närrische Überlegungen dazu, wie künftig im edlen Restaurant der Villa Rothschild der Hasenbraten mit dem Lötkolben am Tisch zubereitet wird, nachdem Meister Lampe zunächst von einem Hund drei Mal durch den Saal gejagt und dann geschossen wurde.

Während der Hase damit wohl auf ewig das Zeitliche gesegnet haben dürfte, haben die beiden Plaschi-Hexen Ela van der Heijden und Nicole Hülsmann – kurz das „Duo Gnadenlos“ – ein Problem mit ständigen Wiedergeburten und „anderen Katastrophen“. Das unter Letzteren vor allem die Herren der Schöpfung summiert sein dürften, ist anzunehmen. Zumindest deutet darauf folgendes Frage-AntwortSpiel der beiden Besenreiterinnen hin: „Was sind drei Männer auf ’ner Kiste Prosecco? Im Weg!“

Ach ja – die Männer, mit ihnen ist es schwer, ohne sie wird es aber auch nicht leichter. Davon können die Königsteiner Resi-Dancers ein Lied tanzen – genau gesagt, sind es zwei. Erst lassen sie die Herrenwelt im Stil von Tina Turner wissen, dass sie eigentlich keinen Helden mehr brauchen. Dann aber besinnen sie sich doch wieder eines Besseren und halten gemeinsam mit Bonnie Tyler Ausschau nach einem Heroen. Und von denen gab es am Samstagabend doch einige im Haus der Begegnung – im Publikum und auf der Bühne, aus Pappe und in Fleisch und Blut, in Alt und auch in Jung. Schließlich haben die Plaschis ihre Kampagne ganz bewusst unter das Motto „Helden der Kindheit“ gestellt.

Kindliche Helden wiederum sind die „Minis“ des Vereins. Die jüngsten Fastnachter des Vereins holen Luke Skywalker, James Bond und Barbie Girl auf die Bühne und schlagen sich heldenhaft.

Nachwuchsarbeit lohnt

Dass die Nachwuchsarbeit sich lohnt, dafür ist die neuformierte Plaschi-Garde der beste Beweis. Die „Königstänzer“ wirbeln sich quantitativ und qualitativ in die Herzen des Publikums. Aus dem Stand schaffen dieses Kunststück auch Christa Kroneberg, Coco Fischer und Cornelia Dembicki-Walzok. Als „Drei Tenöre“ werfen sie sich alles andere als klassisch in Pose.

Klar, dass das Publikum da nicht zurückstehen will. Vom Burgfräulein Isabella I. über Stadträte und Parlamentarier – vornehmlich aus den Reihen der „Vierer-Bande“ (O-Ton Krönke) – bis zum Otto-Normal-Narren schieben sie gemeinsam den Stimmungsbob in die Bahn und sausen auf ihm durch den Abend.

Der hat zwar durchaus auch seine schlüpfrigen Stellen – aber so lange man sie so witzig zu meistern versteht, wie es „de Begge Peter“ tut, ist ein verschmitztes Lachen oder auch ein knackiger Schenkelklopfen schon mal erlaubt. Den Kult-Hausmeister mit grauem Kittel und Hornbrille haben die Plaschis als besonderes Knall-Bonbon in die Kurstadt geholt. Und er tut genau das, was man sich von ihm verspricht. Er nimmt kein Blatt vor den weitgehend zahnlosen Mund. Die „Trockentücher“ aus Stierstadt gehen dagegen den umgekehrten Weg. Sie kommunizieren nur schriftlich und liefern den Beweis, dass auch das witzig sein kann – ohne Worte. Zudem schaffen die Nachbarstädter etwas, was gemeinhin alles andere als einfach ist – sie bringen den Elferrat in Bewegung, mit sexy Hüftschwung und allem Drum und Dran.

Während die Kollegen sich in gefühlte Extase tanzen, konzentriert sich Rainer Kowald bereits auf die zentralen Aufgaben eines jeden Sitzungspräsidenten: Orden verteilen und Küsschen abholen. Dabei ist Kowald aber durchaus großzügig, teilt brüderlich mit Plaschi-Chef Udo Weihe – die Küsse und die Orden. Es ist ja auch genug für alle da. Schließlich schauen am Samstagabend gleich zwei befreundete Korporationen aus der Nachbarschaft im Haus der Begegnung vorbei. Den Anfang macht – sehr frei nach Kleist – der „Prinz von Orschel“, Rüdiger I., den Abschluss Bad Sodens närrischer Exportschlager: Prinzessin Franziska Sodenia 69.

Wem das noch nicht genug an Glamour-Faktor ist, der kommt spätestens beim Auftritt der „Zigeuner“ aus Hofheim voll auf seine Kosten. Die Truppe um Sandy und Wolfgang Welz rockt mit ihrem Mix aus Tanz und Gesang das Haus – und das so richtig. Im Verbund mit der Musik- und Showband der Kasteler Jokusgarde rollen sie den perfekten Klangteppich aus, auf dem die Gäste beschwingt in die Sektbar tanzen können.

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