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Helfer für die Schüler-Seelen

In Steinbach gab es jetzt den ersten Workshop zum bundesweiten Präventionsprojekt „Verrückt, na und? Seelisch fit in Schule und Ausbildung“. Die Teilnehmer haben viel gelernt.
Steinbach. 

Winfried Kilb wirkt sympathisch und gelassen. Man sieht ihm nicht an, dass er Anfang des Jahres noch mit einer schweren Depression zu kämpfen hatte. „Damals habe ich mich abgekapselt, habe meine Post nicht mehr aufgemacht, manchmal drei bis vier Wochen lang das gleiche angezogen. Mir war alles egal. Dann konnte ich nicht mehr schlafen, was für mich das Schlimmste war“, erinnert sich der 62-Jährige an den Zeitpunkt, an dem er seine Geschwister um Hilfe bat. Heute ist er überm Berg und will selbst helfen. Daher hat er sich zur Teilnahme am Projekt „Verrückt, na und? Seelisch fit in Schule und Ausbildung“ entschieden.

Die Auftaktveranstaltung der Initiative des Vereins „Irrsinnig Menschlich“, das im Hochtaunuskreis mit dem Verein „Perspektiven“ umgesetzt wird, war im Oktober in Oberursel (TZ berichtete). Nun haben sich 24 Teilnehmer der Regionalgruppe Hochtaunus zum Workshop in Steinbach getroffen.

„Es ist total interessant und klingt sehr spannend“, sagt Kilb. Er soll bei den eintägigen Workshops, die in Schulen angeboten werden, als Experte fungieren und Schülern im Alter von 14 bis 25 Jahren von seinen Erfahrungen berichten. „Die Jugendlichen sollen nicht die gleichen Fehler machen wie ich“, sagt der Rentner. Außerdem habe er die Erfahrung als Tischtennistrainer gemacht, dass junge Leute sehr dankbar seien, wenn man sich um sie kümmere.

Darum geht es auch bei „Verrückt, na und?“. „Ein Team aus Experte und Moderator besucht die Klassen und bietet den Schülern die Möglichkeit, über ihre seelischen Probleme zu reden“, sagt Beatrice Meyer, Koordinatorin bei „Perspektiven“.

Das Handwerkzeug, um sich der seelischen Gesundheit anderer anzunehmen, erhalten die Workshop-Teilnehmer von Manuela Richter-Werling, Geschäftsführerin des Vereins „Irrsinnig Menschlich“. Sie berichtet von der Macht der Worte, die beim Besuch der Schulen mit Bedacht gewählt sein müssten. „Wir wollen die Schüler nicht verängstigen. Sie sollen sich öffnen und erfahren, wie wir es geschafft haben.“ Das sei eine der wichtigsten Fragen, die die Jugendlichen an die Experten stellen würden: „Wie kann dieser mit einem bestimmten seelischen Problem leben? Was sagen seine Eltern und Freunde und womit konnte er sich helfen?“ Dabei müsse man sich auf die Jugendlichen einstellen, Humor sei auch ein gutes Mittel, wichtig auch Authentizität.

Koordinatorin Meyer ist zufrieden mit ihrer Gruppe. Allein: Es haben sich noch keine Schulen gemeldet, um an dem Projekt teilzunehmen.

(cam)
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