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Nach 400 Jahren Gerechtigkeit: Hexenverfolgung in der Homburger Landgrafenschaft: „Niemand hat sich Euer erbarmt“

Von Mit einer Gedenktafel neben dem Rathausturm soll den Opfern der Hexenverfolgung Mitte des 17. Jahrhunderts ihre Würde zurückgegeben werden. Ein düsteres Kapitel Homburger Geschichte, an das ein Mahnmal erinnert.
Sichtlich gerührt, dass den Opfern der Homburger Hexenverfolgung endlich Gerechtigkeit widerfährt, legte Dagmar Scherf an der Seite von Dr. Matthias Setzer, Fachbereichsleiter Kultur, und OB Alexander Hetjes in einer kleinen Feierstunde eine Rose an der Gedenktafel neben dem Rathausturm ab. Foto: Jochen Reichwein Sichtlich gerührt, dass den Opfern der Homburger Hexenverfolgung endlich Gerechtigkeit widerfährt, legte Dagmar Scherf an der Seite von Dr. Matthias Setzer, Fachbereichsleiter Kultur, und OB Alexander Hetjes in einer kleinen Feierstunde eine Rose an der Gedenktafel neben dem Rathausturm ab.

Rund 400 Jahre hat es gebraucht, um die als „Hexen“ und „Hexenmeister“ verfolgten und getöteten Opfer der Landgrafschaft Hessen-Homburg zu rehabilitieren und ihnen ihre Würde zurückzugeben. Mit der Enthüllung einer Gedenktafel neben dem Rathausturm wurde am vergangenen Donnerstag das Schicksal der mindestens 76 Getöteten, 42 Frauen und 14 Männer, ins Blickfeld gerückt.

Bereits im März 2012 hatte die damalige Bad Homburger Stadtverordnetenversammlung in einer Resolution die Verfahren und Verbrennung von Menschen wegen Hexerei verurteilt. „Sie werden rehabilitiert, um ihnen Ansehen und Würde wiederzugeben“, heißt es darin; die Verwaltung wurde aufgefordert, eine Gedenktafel anfertigen zu lassen. Geschlagene fünf Jahre hat das gedauert.

Umso glücklicher und sichtbar gerührt war Dagmar Scherf jetzt, als sie gemeinsam mit Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) die Tafel enthüllte und in einer ergreifenden Geste eine rote Rose dazulegte. Die Journalistin und Buchautorin ist die Initiatorin der „Hexen“-Rehabilitation, ein Thema, dem sie sich seit gut 40 Jahren im wahrsten Sinne des Wortes verschrieben hat. Romane und Hörspiele hat die Seulbergerin zum Thema verfasst, das „Requiem für eine Hexe“, 2013 in der Englischen Kirche uraufgeführt, widmete sie der Seulbergerin Anna Becker stellvertretend für alle Opfer der Hexenverfolgung.

Der falsche und der richtige Hexenturm

So düster das Kapitel Hexenverfolgung ist, so merkwürdig sind die Begrifflichkeiten in der Kurstadt. Auf der Ritter-von-Marx-Brücke steht der sogenannte Hexenturm, der ursprünglich zur Stadtbefestigung aus dem 14.

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Nun also eine Gedenktafel neben dem Rathausturm, jenem Ort, in dem die Bürger aus Homburg, Seulberg, Köppern, Gonzenheim und Oberstedten eingepfercht waren, per Folter zu „Geständnissen“ gezwungen wurden, bevor man sie zum (kurzen) Prozess und zur anschließenden Hinrichtung auf den Platzenberg brachte. „Man gewährte ihnen die Gnade, nicht bei lebendigem Leib verbrannt zu werden, deshalb wurden sie vor der Verbrennung geköpft“, erläuterte die Hexen-Expertin am Rande der kleinen Feierstunde in der Rathausstraße.

Dass es zwischen 1603 und 1656, also nicht mehr im tiefsten Mittelalter, in der Landgrafenschaft noch zur Hexenverfolgung kam, ist auf den übereifrigen Seulberger Pfarrer Zahnius und die unaufgeklärte Landgräfin Margarete Elisabeth zurückzuführen. Der eine nahm Schauergeschichten, die sich Kinder untereinander erzählten, für bare Münze und denunzierte die unbescholtenen Bürger bei der Landgräfin. Die wiederum suchte einen Grund, respektive Schuldige dafür, dass ihrem in Bingenheim lebenden Sohn ein Kind nach dem anderen im Kindbett starb.

„Heute würde man eine Erbkrankheit diagnostizieren, damals waren die Hexen schuld“, brachte Dagmar Scherf ein wenig Licht in dieses dunkle Kapitel der Geschichte.

Bei den wenigen Anwesenden, die der Gedenktafel-Enthüllung beiwohnten, darunter die ehemalige Kulturdezernentin Beate Fleige, zeigte man sich übrigens verwundert, dass von den 15 Mitgliedern des aktuellen Kulturausschusses – die alle extra eingeladen worden waren – kein Einziger zugegen war.

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