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Hier fällt Radiogeschichte

Die drei AFN-Masten auf dem Feld zwischen Weißkirchen und Kalbach sind gesprengt worden. Zurück bleiben jede Menge Stahl und Menschen mit schönen Erinnerungen.
Alles im Blick, alles im Griff. Bilder > Foto: Sven-Sebastian Sajak Alles im Blick, alles im Griff.
Oberursel. 

Innerhalb weniger Sekunden ist es vorbei. Die 86 Meter hohen Sendemasten des American Forces Network (AFN), die eben noch zwischen Weißkirchen und Kalbach in den Himmel ragten, sind zu Boden gegangen. Haben sich zur Seite geneigt, nachdem nach einem lauten Knall die Seile der Masten mit einem Stahlsprengmittel zerstört wurden. Erst fiel der linke Mast nach rechts, eine Sekunde später der mittlere ebenfalls nach rechts, und eine weitere Sekunde später neigte sich der rechte Mast in die geplante Richtung: nach hinten.

„Kurz und schmerzlos“, kommentierte Erwin Hillenbrand, der sich in Kalbach aufs Fahrrad geschwungen hatte, um dieses Ereignis nicht zu verpassen. Der heute 76-Jährige hat 25 Jahre lang in Weißkirchen gewohnt und kann sich gut an den Sender erinnern. „Die haben teilweise so stark gesendet, dass wir das Programm durch die Sprechanlage unseres Hauses hören konnten“, erzählte er lachend. Damals sei es eher störend gewesen. Jetzt tat es ihm fast etwas leid um die Türme, „irgendwie haben sie hier dazugehört“.

Der siebenjährige Vincent zeigte sich enttäuscht, dass die Sprengung so schnell vorbei war. „Die sind wie fast gleichzeitig umgefallen, und dann waren alle weg“, sagte er. Mit seinem Vater Detlef Görs ist er gleich nach der Schule vom Riedberg zum Feld an der Straße Am Weißkirchener Berg gekommen. „Wann hat man schon die Möglichkeit, eine Sprengung so hautnah zu erleben?“, fragte Detlef Görs.

Mit Fernglas auf Poller

Ein Sicherheitsabstand von 150 Metern musste zu den Masten eingehalten werden. So standen die Schaulustigen an der Straße sowie auf diversen Feldwegen. Mit einem Fernglas in der Hand hatte es sich Thomas Eceterski aus Goldstein auf einem Poller am Straßenrand gemütlich gemacht. Der 44 Jahre alte Thomas Falkenstein aus Neu-Anspach gesellte sich zum 69-Jährigen, und die beiden plauderten miteinander – ohne jedoch die drei Türme aus dem Blick zu verlieren. „Irgendwie gehören die Türme schon fast zum Landschaftsbild. Damit verbinde ich Kindheitserinnerungen“, sagte Falkenstein. „Ja, die stehen seit 1951. Das ist eine lange Zeit“, stimmte ihm der 69-Jährige zu.

Areal-Rückgabe im Mai

Bis vor zwei Jahren war auf der europaweit größten Sendestation des AFN über Mittelwelle gesendet worden. Die 6479 Quadratmeter große Fläche ist im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Laut dieser wird das Areal immer noch durch die US-Streitkräfte genutzt. Eine Teilfreigabe und Rückgabe sei für Ende Mai geplant. Wie berichtet, könnte das Grundstück für die Stadt Oberursel interessant sein, ein Ortstermin ist vorgesehen.

Zurück zur Sprengung: Während es sich die Zuschauer gemütlich machten, herrschte um sie herum geschäftiges Treiben. Sprengmeister Martin Hopfe von der Thüringer Sprenggesellschaft rief mit seinem Walkie-Talkie sprechend hin und her und instruierte seine Mitstreiter sowie die Polizei, die mit mehreren Wagen sowie einem Motorrad angerückt war. Sechs Polizisten kamen aus Oberursel, sieben aus Frankfurt. Sie kümmerten sich darum, dass sich keiner der Sprengstelle näherte, und sperrten die Straße Am Weißkirchener Berg gegen 12.50 Uhr ab. „Wir haben auch die Buslinie 251 um 12.30 Uhr gestoppt“, sagte Polizeikommissar Jürgen Proschinger.

Alles bereit zur Sprengung: Ein Signal ertönte. Dann beschloss Sprengmeister Hopfe: „Wir ziehen die Zündung vor.“ Sofort gab er das durch sein Funkgerät bekannt. „Wir waren bereit, warum sollte ich da noch warten? Außerdem habe ich bei der elektronischen Zündung ein Zeitfenster von lediglich zehn Minuten, und dann muss alles passiert sein“, erklärte er.

Für 13 Uhr war das Ende der rot-weißen Masten geplant. Doch um 12.56 tat es einen lauten Knall, und die Türme kippten. Kurz darauf Beifall von den Umstehenden. „Tut mir leid, das war schön unspektakulär“, sagte Martin Hopfe. Doch die Erleichterung war ihm ins Gesicht geschrieben, und er eilte zu seinem Kollegen an der Zündstation, um diesem zu gratulieren. Passanten müssen sich an den neuen Anblick erst gewöhnen. „Irgendwie sieht das Feld ohne die Türme jetzt ganz anders aus“, sagte Erwin Hillenbrand. In etwa 14 Tagen werden die Masten schon zerlegt, abgefahren und entsorgt sein.

(cam,she)
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