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Kochen: Hier geht’s zum eigenen Lokal

Von Von den Sterneküchen hatte Michel Schulte-Wilke die Nase voll. Vom Kochen hingegen nicht. Und so kocht der Betriebsleiter der Cafeteria des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums derzeit nicht nur für die Schüler täglich, sondern auch sein eigenes Süppchen in Obernhain am Tennisclub.
Michel Schulte-Wilke will das „Good Times“ am Tennisclub wieder zu einer Erfolgsgeschichte machen. Michel Schulte-Wilke will das „Good Times“ am Tennisclub wieder zu einer Erfolgsgeschichte machen.
Hochtaunus. 

„Wäre ich nicht Koch geworden, dann sicherlich Elektroinstallateur“, sagt Michel Schulte-Wilke (44) und lacht ein wenig verschmitzt. Aus den blauen Augen blitzt der Schalk und dass er ein Mann der Tat ist, hat er dieser Tage schon unter Beweis gestellt, als er sein handgefertigtes Schild für sein neues Lokal „Good Times“ präsentierte, das er in Obernhain gepachtet hat. Denn Michel Schulte-Wilke ist ein Koch aus Leidenschaft. „Dem Gast ein gutes Gefühl zu bereiten, das ist das schönste, was es gibt“, schildert er. Aus natürlichen Zutaten ein leckeres Essen zu zaubern, das sei mehr als ein Handwerk, sondern eine Passion. „Wer keine Lust hat, für jedes Gericht sein Bestes zu geben, der hat seinen Beruf verfehlt“, ist er überzeugt.

In der Gastronomie ist er im weiteren Sinne groß geworden. Als sich seine Mutter entschied, auf Wangerooge eine Jugendherberge zu übernehmen, zog der gebürtige Osnabrücker selbstverständlich mit. „Die Ausbildung zum Elektroinstallateur habe ich dann aber geschmissen, denn die Ausbildung auf dem trostlosen Festland hat mir gar nicht zugesagt.“

Er mache einen sehr guten Vanillepudding und habe Spaß am Kochen, also könne er doch Koch werden, habe ihm seine Mutter dann vorgeschlagen. Dass er mehr drauf hat als Pudding, beweist der gebürtige Osnabrücker inzwischen täglich. Und das nicht nur im Restaurant „Good Times“ in Obernhain, sondern als Betriebsleiter der Cafeteria am Kaiserin-Friedrich-Gymnasium in Bad Homburg. Dort arbeitet er hauptberuflich und leitet 130 ehrenamtliche Mitarbeiter an, die sich um die Cafeteria für die Schüler kümmern. „Das bedeutet, dass ich mir jeden Tag etwas überlege, was den Schülern schmeckt und auch gesund ist“, schildert er.

Frisch, gesund, lecker

Frisch, gesund und trotzdem lecker ist seine Maxime. Dass das auch bei Schülern gut ankommt, davon ist er überzeugt. Schwieriger sei es da manchmal, die Ehrenamtlichen von den Speisen zu überzeugen. Dafür braucht er Fingerspitzengefühl und eine ordentliche Portion Diplomatie, „und wenn das alles nichts hilft, dann mache ich es auch einfach selbst“, sagt er. Denn wichtig ist ihm, nicht gegen seine Überzeugung zu handeln.

Täglich wechselnde Gerichte sind für viele Menschen eine Herausforderung, denn schnell kommen sie zu der Frage: „Was koche ich heute?“. Für Michel Schulte-Wilke dagegen ist es die Leidenschaft zum Kochen, die ihn dazu bringt, immer wieder für kulinarische Abwechslung in der Schulküche zu sorgen. 800 Portionen müssen täglich zubereitet werden, und das immer wieder frisch. Zum „Snackbereich“, den er betreut, gehört auch, „dass es mal Pizza gibt, aber es soll eben auch Essen sein, das dem Gaumen Freude bereitet.“

Aufgrund seiner Dreiviertelstelle ist Schulte-Wilke nach dem Mittagessen fertig mit der Arbeit. Da war noch Platz und Zeit für Ideen. Also haben ihn ehrenamtliche Helfer in Bad Homburg gebeten, ob er das Catering für eine Feier übernehmen könne. Klar, dass der gelernte Koch das planerisch und auch von der Umsetzung her locker geschafft hat. „So habe ich mir ein Catering aufgebaut“, schildert er. Auf der Suche nach einer geeigneten Küche, fand er schließlich ein Restaurant. „Das war grundsätzlich schon mein Traum“, sagt er. Dass es an eine Tennishalle angeschlossen sei, habe sicherlich nicht zum Traum gehört, aber mit Fleiß und Arbeit könne sich aus dem „Good Times“ in Obernhain eine erfolgreiche Gastronomie zaubern lassen, ist er überzeugt.

In Sterneküchen hat er schon gearbeitet mit französischen und italienischen Schwerpunkten, bis er die Küchenschürze gegen den Lebensmittelvertrieb tauschte und schließlich in Bad Homburg landete. Täglich setzt er sich in seinem Wohnort Gelnhausen ins Auto. „Gelnhausen war vor Bad Homburg, deshalb wohne ich mit meiner Lebensgefährtin dort.“ Gut eine halbe Stunde Fahrtzeit hat er täglich. Und nach der Schul-Cafeteria fährt er täglich, außer montags, nach Obernhain, um dort um 17 Uhr pünktlich zu öffnen. Küche, Service und Planung stehen dann im Vordergrund.

Wöchentlicher Wechsel

Kontinuität ist dabei sein wichtigstes Faustpfand. Das gilt für die Öffnungszeiten, aber auch die Frische der Produkte. 20 Gerichte stehen auf seiner Karte, die wöchentlich wechselt. In das Restaurant muss er viel Aufbauarbeit stecken, damit es rentabel wird. „Unbeständige Öffnungszeiten und zu wenig Abwechslung auf der Speisekarte verliehen dem Restaurant zuletzt ein unbeständiges Image. Hinzu kommt, dass das Restaurant etwas versteckt am Waldrand liegt und so für alle, die nach Obernhain kommen, erst einmal nicht ersichtlich ist“, sagt Schulte-Wilke.

Kommen dürfe jeder, nicht nur Clubmitglieder. Deshalb halt Michel Schulte-Wilke auch erst einmal große Holzschilder gezimmert, die den Weg zum Restaurant weisen. Handwerkliche Fähigkeiten sind also vorhanden.

Rund 8000 Euro hat er bereits in die Ausstattung investiert, unter anderem in einen Lava-Grill, auf dem er Steaks zubereitet. Auch eine Zapfanlage und Dekoration gehören dazu. Sein Steckenpferd ist eine bodenständige, raffinierte Küche, Antipasti und das selbstgemachte Pesto. „Dafür kommen die Kunden auch aus Bad Homburg“, verrät er.

Durchschnittlich 150 Gäste bewirtet er derzeit pro Woche. Binnen einem Jahr soll sich die Anzahl aber mindestens verdoppeln. Wanderer, Besucher, Ausflügler will er speziell auch im Sommer anlocken, schließlich gebe es eine schöne Außenterrasse, die belebt werden soll.

Bis zum Ende des nächsten Sommers soll das Restaurant gut laufen. Um die Kontinuität zu gewährleisten, arbeitet er einen Assistenten ein, der den gesetzten Standard halten kann. Aktuell arbeite er mindestens zwölf Stunden pro Tag. Wenn das Restaurant laufe, dann will er Kräfte auf Teilzeitbasis einstellen.

Ob er zu Hause auch kocht? Schulte-Wilke lacht. „Nur wenn ich dazu noch mal Zeit habe.“ Derzeit habe das Geschäft den Vorrang.

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