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Denkmal: Hier kommt die Maus

Es gibt viel zu entdecken in den Museen des Taunus, die kostbare Schätze in ihren Sammlungen besitzen. In einer Serie widmet sich diese Zeitung ausgewählten Objekten, die spannende Geschichten erzählen können. Heute hat eine berühmte Maus ihren großen Auftritt, die von der Künstlerin Isolde Schmitt-Menzel geschaffen wurde.
Ausgebreitete Arme, wacher Blick: So kennen und lieben Millionen Kinder die Maus. Isolde Schmitt-Menzel hat diese Bronzeskulptur vor dem Gotischen Haus in Bad Homburg geschaffen. Ausgebreitete Arme, wacher Blick: So kennen und lieben Millionen Kinder die Maus. Isolde Schmitt-Menzel hat diese Bronzeskulptur vor dem Gotischen Haus in Bad Homburg geschaffen.
Bad Homburg. 

Hoch erhebt sie sich auf ihrem Sockel und empfängt den Besucher mit offenen Armen. Am Eingang des Gotischen Hauses in Bad Homburg steht eine Bronzefigur, die den Herankommenden mit einem Lächeln auf den Lippen begrüßt. Es ist die „Maus“ in charakteristischer Gestalt, aufrecht auf beiden Beinen stehend, mit weit geöffneten Augen und hochgestellten Ohren.

Wer kennt sie nicht, die lustige Trickfilmfigur mit den vielen Einfällen und verrückten Ideen? Wer hat nicht einen ihrer Auftritte im Fernsehen gesehen? Es gibt sicherlich kaum jemanden, der die orange-braune Maus mit dem klackenden Augenaufschlag nicht kennt. Wer aber weiß schon, von wem sie eigentlich stammt, wer sie einst vor fast 50 Jahren erschaffen hat? Und dass sie hier im Taunus entstanden ist, dass sie in Bad Homburg gleichsam das Laufen auf zwei Beinen gelernt hat?

Sendung umbenannt

Es war im Jahre 1971, als die Maus zum ersten Mal in der Sendung „Lach- und Sachgeschichten“ auftrat, die ein Jahr später wegen des großen Erfolgs in die „Sendung mit der Maus“ umbenannt wurde. Von Anfang an war die Zeichentrickfigur überaus beliebt, sie wurde schon bald zu einer berühmten Fernsehfigur auch über Deutschland weit hinaus. Und das hat sie vor allem ihrer Schöpferin zu verdanken, die sowohl ihr Aussehen als auch ihren Charakter geprägt hat. Isolde Schmitt-Menzel ist die Maus-Erfinderin. Sie wurde 1930 in Eisenach geboren. Schon als Kind verbrachte sie viel Zeit in der Natur. Sie beobachtete, malte und zeichnete Tiere, Pflanzen und fantasievolle Geschöpfe.

Ihre Ausbildung erhielt sie an der renommierten Kunstschule Burg Giebichenstein in Halle, dort studierte sie freie Keramik bei Erika Greifenstein, belegte Schrift- und Buchgestaltung bei Herbert Post und Farbenlehre, Malerei und Aktzeichnen bei Charles Crodel. Anschließend gelangte sie nach einer Hospitanz in der Keramik-Werkstatt von Walter Popp in Dießen an die Werkkunstschule in Offenbach.

Es folgten Jahre intensiver künstlerischer Arbeit, in denen sich Isolde Schmitt-Menzel verschiedenen Künsten widmete – unter anderem entstanden große Wandbilder, Teppichentwürfe und Holzschnitte. Zunächst lebte die mehrfache Mutter in Köln und Frankfurt, bis sie schließlich 1971 nach Bad Homburg zog.

Hier richtete sie sich ihre eigene Keramik-Werkstatt ein und gestaltete Gefäße, Reliefs und Skulpturen, die sie später in Bronze gießen ließ. Außerdem entwarf sie auch „Kunst am Bau“, schuf Werke für die Kirche Sankt Klara in Wiesbaden oder fertigte ein Kreuzweg-Relief für Sankt Sebastian in Oberursel-Stierstadt.

Außer figürlichen und abstrakten Ölbildern, Aquarellen, Zeichnungen, Grafiken und Keramiken oder Batiken widmete sich die Künstlerin immer wieder auch der Buchkunst. Sie illustrierte unter anderem Texte von Marie Luise Kaschnitz oder Friedrich Hölderlin, gestaltete Bücher und malte Bildergeschichten. Ihre frühesten Aufträge für das Fernsehen erhielt sie vom Hessischen Rundfunk: „Wibbelsterzchen“ oder „Affengeschichten“ hießen ihre ersten Geschichten, die dann mit der Kamera abgefilmt wurden. Und auch Kurzgeschichten für das Sandmännchen sind in dieser Zeit entstanden, wie die „Maus Kathrein“ und „Der dicke Mann“.

Im Jahre 1969 bekam sie schließlich vom WDR den Auftrag, eine Bildergeschichte mit dem Titel „Maus im Laden“ zu illustrieren. Damit beginnt die Geschichte oder vielmehr Vorgeschichte der Maus. Wie sich die Künstlerin erinnert, war diese Bildergeschichte langweilig: „Da waren nur diese Zuckerdinger und Mehltüten zu malen … und die Mäuse auch noch grau. Ich entschied mich, sie alle verschiedenfarbig zu machen. Eine war orange mit braunen Ohren, das war der Held. Die hat dem WDR gefallen“. Daraufhin wurde sie vom Sender beauftragt, sich Bildergeschichten mit dieser Maus auszudenken – als Zwischenspots für die geplante Sendung „Lach- und Sachgeschichten“, wie ihre Biografin Nicole Schmitt-Ludwig im Ausstellungskatalog des Gotischen Hauses 2012 schreibt.

Für die neue Sendung gestaltete die Künstlerin die orangefarbene Maus „aus dem Laden“ erst einmal um. Sie veränderte die Figur, gab ihr alle Möglichkeiten des Ausdrucks und stellte sie von vier auf zwei Beine – und fertig war die Maus. Damals hatte sie ihr typisches Äußeres und ihren einzigartigen Charakter erhalten, so wie wir sie auch heute noch kennen. „Stellen sie sich den Charlie Chaplin vor“, beschrieb sie damals dem Trickfilmzeichner die Maus, „wie der gelaufen ist mit diesem klick, klick. Die Maus ist neugierig und abenteuerlich. Ihr Charakter ist originell und ideenreich“.

Am 7. März 1971 lief die erste Sendung und darin auch der erste Maus-Spot. Insgesamt 130 Storyboards hat sie geschaffen, in denen die Maus verschiedene Lach- und Sachgeschichten erzählt. In einer der ersten Szenen nimmt sie beispielsweise den Schwanz ab und springt mit ihm Seil. In einer anderen bläst sie einen Luftballon auf, dessen Luft wieder zurück in ihren Körper geht.

Dreieinhalb Jahre lang entwickelte sie Geschichten für die Sendung mit der Maus, dann aber endete die Zusammenarbeit mit dem WDR, wie Nicole Schmitt-Ludwig in ihrem Beitrag über „Das spannende Leben der ,Mutter der Maus‘ “ berichtet. Die Maus aber hatte inzwischen ihre Prägung erhalten – und dies nicht nur im Film, in der Sendung mit der Maus, sondern auch in eigenen Büchern, Hörspielen oder Spielen. Das Tier war, wie sie selbst betont, zu ihrem vierten Kind geworden. Mit anderen Worten, sie war und ist die „Mutter“ der Maus ebenso wie vieler anderer Tierfiguren (darunter der kleine Bär oder die Ratte Ida), die sich nach und nach hinzugesellten.

Größte Statue

Im Laufe der Jahre hat die Künstlerin ein reiches vielseitiges Werk geschaffen, in dem die Maus immer wieder eine Rolle spielt. Sie malte und zeichnete die Maus in allen Lebenslagen und fertigte darüber hinaus viele plastische Werke aus Keramik und Bronze an. Anlässlich der Ausstellung ihres Lebenswerkes im Gotischen Haus von 2012 bis 2013 wurde sie gebeten, eine ihrer Maus-Statuen für den Skulpturengarten des Museums zu fertigen. Entstanden ist die größte jemals von ihr geschaffene Bronze-Maus, die nach dem handgefertigten Tonmodell der Künstlerin von der Kunstgießerei Bieber in Bischoffen in Bronze gegossen wurde.

Dabei ist diese noch junge Maus ganz die „alte“ geblieben, auch wenn sie nicht mehr genauso rundlich ist wie früher. So erscheint sie hier in Bad Homburg etwas schmaler, aber dennoch in unverkennbarer Gestalt auf das Wesentliche konzentriert. Vor dem Museum steht sie „aufrecht“ da, mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Sie hat die Arme „offenherzig“ ausgebreitet und blickt mit wachen Augen in die Welt, neugierig auf ihr Gegenüber – den Kopf sicherlich schon voller Ideen und Einfälle.

Eine groß gewordene Maus mit langer Geschichte ist hier zu sehen, die den kleinen und großen Museumsbesuchern viele Geschichten erzählen kann.

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