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Betreutes Wohnen: Hilfe für psychisch Kranke

Von Der Oberurseler Verein Perspektiven blickt im jetzt vorgelegten Jahresbericht auf eine ereignisreiche Zeit zurück: Ein neues Präventionsprojekt für Jugendliche, eine weitere Tagesstätte für psychisch kranke Menschen, ein neues Integrationsunternehmen – all das wurde 2014 auf die Beine gestellt. Und Pläne für die Zukunft gibt es auch genug.
Hilfe für psychisch kranke Menschen gibt es im Taunus. (Symbolbild) Hilfe für psychisch kranke Menschen gibt es im Taunus. (Symbolbild)
Oberursel. 

„Irgendwo dazwischen“, zwischen Traum und konkretem Plan, sagt Ulrike Schüller-Ostermann, gibt es eine Idee: ein Appartementhaus für die Klienten des Vereins Perspektiven zu kaufen oder selbst zu bauen. „Aber da müssen wir auch erst mal ein Grundstück finden, das geeignet und vor allem bezahlbar ist“, sagt die Geschäftsführerin des Oberurseler Vereins.

Man habe bereits Häuser anderer Träger besichtigt, die das Konzept verwirklicht hätten. Die Klienten, die die Appartements anmieten, hätten ihren eigenen Bereich, trotzdem wäre Begegnung möglich. In Wohngemeinschaften dagegen „muss es passen“, nicht zuletzt deshalb, weil Küche und Bad geteilt würden. Auch bei einer anderen Problematik würde ein solches Haus helfen: Der Bedarf an betreuten Wohnformen steige seit vier, fünf Jahren rasant, wie sie berichtet. „Wir versuchen, personell nachzusteuern“, sagt die Geschäftsführerin. Bezahlbare Wohnungen zu finden, sei jedoch schwierig.

Der jetzt vorgelegte Jahresbericht untermauert den steigenden Bedarf beim betreuten Wohnen mit Zahlen: Nutzten das Angebot 2012 im Hochtaunuskreis 83 Menschen mit einer psychischen Erkrankung, so waren es 2013 schon 98 und 2014 115. Dazu kamen im vergangenen Jahr nach wie vor 9 Klienten mit einer Körper- oder Sinnesbehinderung sowie 42 mit einer Abhängigkeitserkrankung (2013: 39). Im Bereich betreutes Wohnen ist der Verein auch in Frankfurt aktiv, hatte dort im vorigen Jahr 82 Klienten.

Bei der Betreuung geht es um die materielle Grundversorgung, um Alltagsbewältigung, Hilfe zur Strukturierung des Tagesablaufs sowie um Unterstützung im Umgang mit Ärzten und Behörden. Die Frauen und Männer leben überwiegend allein oder in ihren Familien; außerdem gibt es in Wohngemeinschaften in Köppern und Bad Homburg zehn Plätze für Alkoholabhängige, und seit Mai dieses Jahres leben in einer Königsteiner Wohngemeinschaft vier psychisch erkrankte junge Menschen. Auch insgesamt gesehen stieg die Nachfrage nach den Angeboten des Vereins, der als freier, gemeinnütziger Träger fester Bestandteil der psychosozialen Versorgung im Hochtaunuskreis ist. 890 Menschen wurden 2014 beraten, betreut und begleitet (2013: 864, 2012: 785).

 

55 Mitarbeiter

 

Die 55 Mitarbeiter sind an acht Standorten tätig; außer dem betreuten Wohnen werden zwei Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstellen (Oberursel, Königstein), in Bad Homburg die Fachberatung „Perspektiven für Kinder“ und ein Integrationsfachdienst sowie Tagesstätten in Oberursel, Königstein und seit Anfang 2014 auch in Steinbach unterhalten (TZ berichtete). Im Schnitt besuchen Letztere 20 psychisch erkrankte Frauen und Männer. Neu hinzu kam im vergangenen Jahr auch der Nahversorgungsmarkt „tegut . . . Lädchen für alles“ in Schönberg, der, wie berichtet, als Integrationsunternehmen vier Schwerbehinderten einen Arbeitsplatz bietet. Hier gehe es nun erst mal um eine Konsolidierung. Die Umsätze seien nicht ganz so wie erhofft. „Der Markt wird gut angenommen, aber es wird eher abends die Tüte Milch gekauft, die vergessen wurde, statt dass ein ganzer Wocheneinkauf gemacht wird“, berichtet Schüller-Ostermann.

2,7 Millionen Euro betrug das Umsatzvolumen des Vereins 2014 – größtenteils finanzieren der Landeswohlfahrtsverband sowie Sozial- und Jugendhilfeträger die Angebote. Auch diese Summe ist gestiegen. „Uns geht es aber nicht in erster Linie ums Wachsen“, betont Schüller-Ostermann, vielmehr sollen die neuen Projekte erst mal auf solide Füße gestellt werden. Dazu zählt auch „Verrückt? Na und!“, das gegen die Stigmatisierung psychisch Kranker wirken und vor allem Schüler aufklären soll (TZ berichtete). Hier könnten sich gern noch mehr Schulen interessieren, so Schüller-Ostermann, zudem würden Sponsoren gesucht, um die Finanzierung langfristig sicherzustellen; es geht um 12 000 Euro im Jahr.

„Das Projekt wirkt auch präventiv – und da müssen wir ansetzen. Schließlich ist die Frage: Warum brauchen immer mehr Menschen, vor allem junge, Hilfe?“, sagt die Perspektiven-Chefin, die von einer wachsenden Unsicherheit, was die Lebensplanung angeht, und steigenden Anforderungen spricht.

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