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Himmlische Musik in der Erlöserkirche

Das Dufay-Ensemble gastierte in der Erlöserkirche. Ein Klangerlebnis, von dem die Zuhörer noch lange schwärmen dürften.
Bad Homburg. 

Ein engagierter Musikwissenschaftler und Bassist interessiert sich für unbekannte Chormusik des späten Mittelalters und der Renaissance. Für seine Leidenschaft sucht er sechs gleichgesinnte professionelle Sänger, die er jahrelang anleitet und inspiriert – bis zu seinem zu frühen Tod. Die Musiker aber lassen sich nicht entmutigen und gehen den eingeschlagenen Weg selbstständig weiter.

Das können sie auch getrost. Florian Cramer, Clemens Fläming, Cornelius Leenen und Georg Hage sind ausgebildete Sänger und selbst erfahrene Chorleiter. Die beiden anderen, Kaspar Kröner und Rolf Ehlers, prägen das Klangbild der Gruppe mit ihren klaren Countertenor- und Tenorstimmen. Mit den dunklen Farben im Bass und Bariton ist das Ensemble bestens disponiert, um einen authentischen Sakralklang zu schaffen, der sich in der raumbetonten Akustik der Erlöserkirche optimal entfalten kann.

„Authentischer Sakralklang“, das heißt entweder Orgelmusik oder Chormusik von Palestrina, der im 16. Jahrhundert gelebt und nach der Legende mit seiner Musik verhindert hat, dass die mehrstimmige Musik aus der katholischen Messe verbannt wurde. Wie verrückt klingt es heute, dass im Konzil von Trient heftig über den Stellenwert von Kirchenmusik gestritten wurde. Damals aber, im Zug von Reformation und Gegenreformation, sahen sich die kirchlichen Autoritäten genötigt, alles schmückende Beiwerk in der Musik erst einmal in Frage zu stellen. Die Kompositionen gingen nämlich mittlerweile in ihrer Kompliziertheit und Unverständlichkeit weit über die ursprüngliche Funktion der Verdeutlichung des Wortes Gottes hinaus. Und da soll nun Palästrina mit seiner „Missa papae Marcelli“ gekommen sein und bewiesen haben, dass der Messtext sehr wohl mehrstimmig und trotzdem textverständlich sein kann – und mit der Akzeptanz der Kurie dann Maßstäbe für den weiteren katholischen kirchenmusikalischen Stil gesetzt haben. Diese berühmte Messe war das Grundgerüst des Programms. Es wurde quasi zu einer „deutschen Messe“ im Sinn Luthers erweitert, mit geistlicher Musik aus dem deutschen Raum vor und zwischen dem Messordinarium.

Es war himmlische Musik, die da erklang, Musik der Versenkung. Nur Wohlklang, keine Dissonanz trübte die bewegte Harmonie. Es entstanden Klangräume, Wolkenformationen vergleichbar, die sich entfalten, entschweben, sich gegeneinander verschieben und neu auffächern. Ein ständiges Werden und Vergehen, auf großem Atem.

Trotzdem ist Palästrinas Musik einfach, homophon deklamierend; mit sechs Stimmen, die sich doppelchörig aufteilen können, sich im „Cruzifixus“ des „Credos“ auf vier reduzieren oder im letzten Teil, dem „Agnus Dei“, auch auf sieben Stimmen (mit Armin Petrausch) erweitern, wird der Messtext ohne Affekte, ohne Ausmalung nur auf Klang gesetzt.

Dagegen wirkten die Motetten aus dem frühen 16. Jahrhundert, allesamt von Komponisten, die Luther sehr nahe standen und von ihm geschätzt wurden, schwerer verständlich. Sie sind noch an der alten, polyphon gestalteten Kirchenmusik orientiert, und zum Teil auf lateinische Texte komponiert. Aber an diesem Abend war der Text eher zweitrangig, er wurde vom reinen Klang verdrängt, mit dem die Sänger in gelöster Ruhe, Konzentration und stimmlicher Präsenz diese tief religiöse Musik lebendig werden ließen. Der Applaus am Ende kam aus ganzem Herzen.

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