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Persischer Maler: Ich male, wie ich empfinde

Von Alireza Varzandeh hat in seinem Leben viel erlebt – das sieht man auch in den Werken des Malers aus dem Iran. Der Magistrat und die Galerie Zehntscheune stellen seine Alltagsszenen nun in der Englischen Kirche aus.
Seine Bilder erzählen aus dem Leben: Auf diesem Bild hat Alireza Varzandeh den Bad Homburger Markt gemalt. Kleines Bild: Personen sind bei dem Künstler oft nur angedeutet.	Fotos: Reichwein Bilder > Seine Bilder erzählen aus dem Leben: Auf diesem Bild hat Alireza Varzandeh den Bad Homburger Markt gemalt. Kleines Bild: Personen sind bei dem Künstler oft nur angedeutet. Fotos: Reichwein
Bad Homburg. 

Der Markt liegt in hellem Sonnenlicht, die weißblaue Plane des Gemüsestands leuchtet vor der Sandsteinfassade. Ein Mädchen mit Schulranzen kommt ins Bild, eine Radlerin und ein rennendes kleines Kind, zwei Frauen wenden sich zum Gehen. Eine Homburger Momentaufnahme, in Öl auf Leinwand, nach einem Foto gemalt – und doch wie das Leben selbst. Das zwei auf drei Meter große Gemälde hängt in der Apsis der Englischen Kirche und nimmt das Auge ein.

 

Elf Farbschichten

 

Der Künstler, der sich nicht „Künstler“ nennen will, weil das ein modischer Allerweltsbegriff sei, – der Maler also – ist der 1963 in Shiraz, Persien, geborene Alireza Varzandeh. Er trägt einen knappen Hut, seine Kleidung ist von Allüren ebenso frei wie sein Wesen. Er sagt in perfektem Deutsch: „Ich bin Maler, ich habe bei berühmten Malern das Handwerk über lange Jahre gelernt, ich habe auf drei Kontinenten gelebt und fühle mich geehrt, dass meine Bilder so viel Aufmerksamkeit finden.“

Varzandeh malt nach Fotos, die er zumeist selbst aufnimmt. Seine Bilder lassen Pleinair-Malerei vermuten, ihre Lebhaftigkeit, das flirrende, impressionistische Licht. Die Fotos gäben ihm die Ruhe, so zu malen, wie er es empfinde, sagt er. Für größere Bilder brauche er mehr als einen Monat, er arbeite teilweise mit elf Farbschichten. „Das Rot soll ja auch in 30 Jahren noch so strahlen wie heute.“

Eigentlich gehört der Blumenstrauß im Glaskrug ins Genre des Stilllebens. Doch bei Varzandeh wirken die fetten Blüten dominant wie Hauptpersonen. Die Galeristin auf dem Röhrenstuhl nimmt mit übergeschlagenen Beinen eine elegante Pose ein. Sie kommt mit der Ahnung eines Gesichts aus, wie die meisten seiner Personen.

 

Schatten des Lebens

 

1987 nahm Alireza Varzandeh das Studium der Freien Grafik und Malerei in Köln auf, das er 1992 als Meisterschüler beendete. Zuvor war er als politisch verfolgter Maler aus seiner Heimat geflohen. Viereinhalb Jahre musste er in einem iranischen Gefängnis zubringen. Das schärfte seinen Blick für die Schattenseiten, etwa für den Mann, der sich mit zwei Benzinkanistern vom Brandort entfernt, oder für die griechische Demonstrantin unter den Schlägen der Polizei.

Doch dann der rosé-beige Herbstwind, der die Passanten, den schwarzen Hund und die Blätter vor sich hertreibt. Auch hier leuchtet ein Rot für die nächsten 30 Jahre.

Die Vernissage findet heute von 19 Uhr an in der Englischen Kirche statt. Die Ausstellung läuft bis zum 5. Oktober und ist dienstags bis freitags von 15 bis 19 Uhr, am Wochenende von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen gibt es donnerstags von 18 Uhr an.

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