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Rare Kunst unter dem Hammer: Im Auktionshaus in der Altstadt werden wahre Schätze versteigert

Das Auktionshaus Königstein erlebt durch Fernsehsendungen wie „Bares für Rares“ deutlichen Zulauf. Antiquitäten sind aber längst nicht mehr gefragt.
Der Geschäftsführer des Auktionshauses Detlev Janß hält einen seltenen Totenkopfhumpen (Studentika) in der Hand. Solcherlei historische Gegenstände werden nicht nur von privaten Sammlern, sondern auch von Museen ersteigert. Der Geschäftsführer des Auktionshauses Detlev Janß hält einen seltenen Totenkopfhumpen (Studentika) in der Hand. Solcherlei historische Gegenstände werden nicht nur von privaten Sammlern, sondern auch von Museen ersteigert.
Königstein. 

„Während einer Auktion hier muss man als Käufer schon genau wissen, was man tut“, lacht Detlev Janß, „denn da geht es Schlag auf Schlag.“ Der Geschäftsführer des Auktionshauses Königstein fungiert selber als Auktionator und weiß wahrlich, wovon er redet: „Bei unserer nächsten Versteigerung am kommenden Samstag werden rund 400 Positionen aufgerufen, und im Schnitt ist jede nach etwa einer halben Minute unter dem Hammer.“

Der 50-jährige ehemalige Banker hat das „Auktionshaus für Wertvolles, Seltenes oder einfach nur Schönes“ vor zwei Jahren eröffnet und sieht sich in seiner Entscheidung bestätigt: „Ich wusste, hier fehlt sowas, und direkt neben Café Kreiner haben wir einen Platz gefunden, der gerade bei der älteren Generation viel Vertrauen schafft.“ Ihm ist der Spaß, den ihm der neue Job bereitet, anzumerken: „Zwar ist damit auch viel Verwaltungsarbeit und Schriftverkehr verbunden, aber man lernt viele interessante Leute kennen, und letztlich ist das wie eine Schatzsuche.“

Käufer aus aller Welt

Die war bei der vergangenen Frühjahrsauktion von Erfolg gekrönt, als relativ niedrig angesetzte ägyptische Steinfiguren aus einem Nachlass zum unerwarteten Verkaufshit wurden. Da der jeweilige Auktionskatalog vorab im Internet veröffentlicht wird und Interessenten sowohl telefonisch als auch online live mitbieten können, schnellten die Gebote innerhalb weniger Sekunden in die Höhe – bis zu sage und schreibe 75 000 Euro. Sammler und Experten aus aller Welt sowie ein Museum hatten mitgesteigert. „Immerhin wissen die Käufer, dass sie hier einen fairen Preis bezahlen, der sich am Markt orientiert“, so Janß. 20 Prozent Aufgeld auf den Zuschlag stellt er in Rechnung, Einlieferer müssen 15 Prozent Provision an ihn entrichten. Rund 60 bis 70 Prozent der angebotenen Waren werden in einer solchen Auktion versteigert, der Rest geht in den Nachverkauf zu Limitpreisen oder wechselt aufgrund eines Untergebots den Besitzer.

Fundstücke vom Speicher

„Die Käufer kommen tatsächlich aus aller Welt, und so müssen wir 80 Prozent der Artikel ins Ausland verschicken, gerade viele Möbel gehen ins Ausland. Aber die Einlieferer stammen zumeist aus der Gegend, und das ist auch gut so, denn in den Haushalten hier gibt es viele schöne Sachen, gerade bei Nachlässen oder wenn die Leute in kleinere Wohnungen ziehen und sich von Sachen trennen müssen.“ TV-Sendungen wie „Bares für Rares“, in denen jedermann seine Fundstücke aus Keller oder Dachboden schätzen lassen und verkaufen kann, bescheren Janß viel Zulauf: „Das ist im Moment ganz klar ein Trend, und wir hatten auch schon Leute hier mit Stücken, die sie eigentlich entsorgen wollten.“

Während antike Möbel oder Teppiche in den 80er und 90er Jahren hoch gehandelt wurden, sind solcherlei Antiquitäten heute häufig bereits zu einem Schnäppchenpreis zu haben, weiß der Experte, „und: Wer sammelt heute noch Briefmarken?“. Für Schmuck fänden sich ebenfalls nur Interessenten, wenn es sich um Markenware oder Uhren von Rolex oder Cartier handele. Figürliches Porzellan ginge, aber ein Tafelservice müsse schon von Meissen oder KPM sein. Ein solches Speise- und Moccaservice mit Goldrand für acht Personen beispielsweise werde für rund 700 Euro aufgerufen.

Bei der Auswahl der Stücke für seine vierteljährlich stattfindenden Auktionen lässt Detlev Janß seinen eigenen Geschmack allerdings außen vor: „Da muss man neutral bleiben. Wir recherchieren und entscheiden, was etwas wert sein könnte, und stimmen uns mit dem Einlieferer ab. Wenn wir es in den Katalog mit ’reinnehmen, hoffen wir natürlich ebenfalls, dass es bestmöglich verkauft wird.“ Eine historische Ordenssammlung, die nun unter den Hammer kommt, ist Janß’ persönlicher Höhepunkt der Auktion. Auch die zahlreichen Vorderladerwaffen, darunter zwei Wallbüchsen aus dem 19. Jahrhundert, sowie Vorkriegs- und Blechspielzeuge der Hersteller Märklin, Bing oder Doll können ihn begeistern.

„Zeitgenössische Kunst, moderne Druckgrafiken und Fotografien gehen immer gut weg“, erzählt Janß. So hat er aktuell Werke von Thomas Bayrle, Ting Walasse, Wolf Vostell oder Andy Warhol im Angebot, außerdem Fotografien von Jan Saudek, Lucien Clergue und Olaf Martens sowie Helmut Newtons bekanntes Fotobuch Sumo.

„Auch so besondere Stücke wie eine Kelly-Bag von Hermès, die bei 4000 Euro startet, sind immer sehr beliebt.“ Das teuerste Stück der Herbstauktion ist ein Torso eines jugendlichen Athleten aus weißem Marmor, eine frühklassische griechische Plastik, die für 8000 Euro aufgerufen wird.

„Während andere Auktionshäuser nur zwei, drei Highlights haben, versuchen wir, eine ausgewogene Mischung und eine durchgehend interessante Ware zu bieten.“ Wohltätigkeit liegt ihm ebenfalls am Herzen: „Die vom Verein ,Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt‘ gegründete ,Frankfurter Stiftung für krebskranke Kinder‘ erhält häufig Zuwendungen durch Nachlässe, die wir dann hier versteigern.“

 

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