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Neubau kommt: In den Werkstätten ist es eng

Das Klima in den Oberurseler Werkstätten stimmt, die Arbeits- und Fördermöglichkeiten sind gefragt. So gefragt, dass die Räume schon lange nicht mehr ausreichen. Daher ist eine Erweiterung geplant – und die dringliche Sanierung des Hauptstandorts.
Voll konzentriert: Dieser Mitarbeiter der Oberurseler Werkstätten schraubt Armaturen für Messgeräte zusammen. Voll konzentriert: Dieser Mitarbeiter der Oberurseler Werkstätten schraubt Armaturen für Messgeräte zusammen.
Oberursel. 

Ohne Heizung wird es derzeit ziemlich schnell ungemütlich. Daher hofft Andreas Knoche, Erster Betriebsleiter der Oberurseler Werkstätten, dass die alte Heizungsanlage am Hauptstandort in der Oberurseler Straße weiter durchhält. Denn sie hat wie die gesamte technische Gebäudeausstattung schon viele Jahre auf dem Buckel.

Das meiste ist noch original aus der Bauphase Anfang der 80er Jahre. „Da gibt es teilweise gar keine Ersatzteile mehr“, sagt Knoche. Klar also, dass eine umfassende Ertüchtigung der Technik und des gesamten Gebäudes unumgänglich ist – erneuert wurde bisher nur der Trakt, in dem die Aktenvernichtung untergebracht ist. Sie hat laut Knoche oberste Priorität.

Doch mit einer Sanierung allein ist es nicht getan. Die Einrichtung benötigt auch mehr Platz. Derzeit bietet sie 530 geistig und seelisch behinderten Menschen Beschäftigungs- und Fördermöglichkeiten – weit mehr als sie eigentlich Plätze hat. Daher ist eine Erweiterung geplant. Zum einen soll ein Erweiterungsbau entstehen, zum anderen ein Neubau auf einem Grundstück in der Nachbarschaft.

„Wir wollen damit auch erreichen, dass wir einen Teil unserer Außenstellen auflösen und in den Hauptstandort integrieren können“, sagt Knoche. So sollen die Tagesförderstätte und das Förderzentrum künftig in dem Anbau untergebracht werden – beides sind Einrichtungen für Menschen, die aufgrund der Schwere ihrer Beeinträchtigung oder aufgrund ihrer Lebensphase nicht oder nicht mehr im Arbeitsbereich der Werkstätten tätig sein können. Die Konzentration auf den Hauptstandort brächte auch Vorteile in der Personalplanung, sagt Knoche. Zudem soll in dem Anbau Platz für die technische Gebäudeausstattung und eine Erweiterung der Küche sein.

Der entlang der Gablonzer Straße geplante Erweiterungsbau soll mit dem Bestandsgebäude verbunden werden. Dies sei mit Blick auf Fluchtwege und Nutzbarkeit für Rollstuhlfahrer gegenüber einer Aufstockung zu präferieren, erläutert Knoche. Für einen zusätzlichen Neubau ziehen die Werkstätten das Nachbargrundstück ihrer im Zimmersmühlenweg 26 angesiedelten Schreinerei in Betracht. Hierbei wolle man mit einem Investor zusammenarbeiten und das Gebäude dann mieten, sagt Knoche.

Das Thema An- und Neubau werde bereits sei einigen Jahren diskutiert. Es liege eine umfassende Studie mit Bedarfsplan und Erweiterungsmöglichkeiten vor. Dabei sei berücksichtigt worden, dass man auch für weitere Zuwächse gerüstet ist.

Plänen zugestimmt

„Die Betriebskommission hat den Plänen bereits vor Weihnachten zugestimmt,“ berichtet Knoche. In der Betriebskommission sitzen Mitglieder des Kreistags und Kreisausschusses sowie der Personalvertretung, den Vorsitz hat Landrat Ulrich Krebs (CDU) – die Werkstätten sind ein 100-prozentiger Eigenbetrieb des Kreises. Außer der Betriebskommission muss der Landeswohlfahrtsverband (LWV) das Projekt gutheißen. Denn er ist Kostenträger der Werkstätten. „Der LWV verlangt von uns einen Eigenanteil von 20 Prozent, den wir aus Rücklagen finanzieren“, erläutert Knoche. Die übrigen 80 Prozent trage der LWV.

Mit welchen Kosten zu rechnen sei, dazu könne er noch nichts sagen. Der LWV prüfe das Projekt derzeit: „Wir haben unsere Pläne vorgelegt, demnächst steht ein Ortstermin mit Vertretern des Verbands an.“ Der LWV wisse um den Bedarf an weiteren Räumen, meint Knoche. Strittig könne lediglich sein, in welchem Umfang die Werkstätten künftig Plätze für Menschen mit psychischer Behinderung anbieten sollen; dazu gebe es im LWV unterschiedliche Meinungen. Für die Werkstätten sei klar: „Wir sehen hier einen wachsenden Bedarf und wollen den Menschen ein Angebot machen. Wir sind froh, dass wir ein beliebter Arbeitgeber sind.“

Umzugsreigen

Was den zeitlichen und logistischen Ablauf anbelangt, wäre es aus Knoches Sicht ideal, zunächst den Neubau auf dem Nachbargrundstück der Schreinerei zu errichten. Dorthin könnte dann der derzeit im Zimmersmühlenweg 67 in einer eigenen Liegenschaft untergebrachte Bereich für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung umziehen. Dann stünde der Zimmersmühlenweg 67, wo die Werkstätten auch ein Bistro betreiben, als Ausweichstandort während der Sanierung der Hauptwerkstatt zur Verfügung. „Angedacht ist, im Zimmersmühlenweg 67 dann nach einer brandschutztechnischen Ertüchtigung des Gebäudes den Berufsbildungsbereich (Anm. d. Red. : Hier findet die Vorbereitung auf eine spätere Tätigkeit im Arbeitsbereich oder Förderzentrum statt) unterzubringen, der sich derzeit in dem Gebäude der Hauptwerkstatt befindet“, erklärt Knoche. Weitere Ausweichmöglichkeiten während der Sanierung böten bereits für die Werkstätten gemietete Räume im Tabaksmühlenweg 30A.

Eine mögliche und in der Vergangenheit schon diskutierte Einrichtung eines Standorts im Usinger Land – die Idee, dafür das Taunus-Kinderheim in Wehrheim zu nutzen, ist mittlerweile vom Tisch – werde durch die Baupläne nicht konterkariert, sagt Knoche. Allerdings sei der Fokus nun erst einmal auf die Sanierung und einen Ausbau in Oberursel gerichtet.

Bis Bauarbeiter ihre Arbeit aufnehmen, wird es aber voraussichtlich noch dauern, auch weil in puncto Vergaberecht einiges zu prüfen sei: Daher rechnet Knoche mit einem Vorlauf von ein bis eineinhalb Jahren. Die Heizung und die gesamte Haustechnik müssen also noch ein bisschen durchhalten.

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