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Ins Handtuch eingewickelt

Von In ihrer neuen Spielzeit treiben es die Fichtegickel auf die Spitze. Unter dem Titel „Wenn schon, denn schon“ wagt die Theatergruppe des KV 02 Oberhöchstadt einen rund dreistündigen Parforceritt durch allerhand unmögliche Verwechslungen. Am Samstag war Premiere.
Oberhöchstadt. 

„Love Is In The Air“ – von wegen. Der Hit von John Paul Young erklingt im vollbesetzten Haus Altkönig, bevor sich der Vorhang überhaupt öffnet. Was den Londoner Politiker Richard Willey (Andreas Risse), „die Nummer 2 im Innenministerium“, und seine Gattin Pamela (Birgit Kühn) betrifft, sind diese Zeiten längst vorbei. Sie beziehen ein Zimmer im Westminster Hotel, doch will er die Gunst der Stunde nutzen: Während seine Frau im Theater ist, soll sein Assistent George Adams (Steffen Schmidt) für ihn ein Schäferstündchen arrangieren. Völlig überfordert reserviert er das Zimmer nebenan auf den Namen Peter-Paul Himmelfahrt – und löst damit eine Kette wahnwitziger Verwechslungen und zum Scheitern verurteilter Vertuschungsversuche aus.

Die Fichtegickel haben für das Stück von Ray Cooney, das ursprünglich für eine Drehbühne geschrieben wurde, eine pfiffige Lösung gefunden (Bühnenbild: Gerhard Patterer, Technik: Ingo Hildmann und Marcel Falland): Im zweiten und dritten Akt erhält der Zuschauer parallel Einblick in beide Zimmer. Das erzeugt schöne Effekte wie jenen in alten amerikanischen Filmen, wenn die Bilder zweier Telefonierender zusammengeschnitten werden, so dass sie gleichzeitig zu sehen sind.

Verliebt in Details

Die Gruppe zeigt sich in der Ausstattung detailverliebt wie eh und je, doch sind es nicht zuletzt Mimik und Gestik, die einem Stück auf der Bühne Leben einhauchen. Der Blick des schwulen Concierge (Jörg Kuschel, auch Regieassistenz), der „immer gerne“ sagt, aber etwas vollkommen anderes meint, ist ebenso komisch wie Anneliese Hecking, die die Abgeordnete Lady Lilly Chatterton herrlich überkandidelt spielt. Überhaupt: Die Fichtegickel schmeißen sich mit vollem Körpereinsatz in ihre Aufgabe, und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. In dem bunten Reigen aus Verlegenheitslügen fallen einige Hüllen, doch bleibt es immer jugendfrei.

Große Handtücher verdecken das Nötigste – sofern sie richtig befestigt sind. Bei Assistent Adams wurde es bei der Premiere einmal brenzlig, sehr zur Freude des Publikums.

Kellner kann Karate

Die Protagonisten steuerten unterdessen zielstrebig auf den Rand des Nervenzusammenbruchs zu. Der zusehends außer sich geratende Hotelmanager (Ulrich Heinecke), der verzweifelt versucht, den Ruf seines Hauses zu retten, oder der Kellner (Norbert Jäger), der Karate, nicht jedoch die deutsche Sprache beherrscht. Selbst das Zimmermädchen (Carolin Pfitzner) wird in die Machenschaften einbezogen. Als dann auch noch die Geliebte des Politikers (Melanie Rogwalder) und kurze Zeit später ihr Mann (Jörg Kouth) auftauchen, ist das Chaos perfekt.

„Verzwickt“ nannte eine Zuschauerin das Stück, und in der Tat erfordern die zahlreichen Auf- und Abgänge höchste Konzentration. Regisseurin Viktoria Fuchs hatte ganze Arbeit geleistet, für den Notfall war Souffleuse Barbara Falland zur Stelle. Einigen Schauspielern war beim Schlussapplaus anzusehen, dass sie nicht nur erfreut über den starken Applaus, sondern auch erleichtert waren, das für sie hoch anspruchsvolle Stück ohne bemerkenswerte Pannen gemeistert zu haben. Menschen zum Lachen zu bringen, zählt eben nach wie vor zu den schwersten Disziplinen. Im 45. Jahr ihres Bestehens haben es die Fichtegickel darin weit gebracht.

Weitere Vorstellungen von „Wenn schon, denn schon“ gibt’s am kommenden Samstag sowie am Freitag und Samstag, 6. und 7. November, jeweils um 20 Uhr. Am kommenden Sonntag findet außerdem um 17 Uhr eine Nachmittagsvorstellung statt. Der Eintritt kostet 15 Euro. Kartenvorbestellungen sind bei „DeliCasa“, Limburger Straße 1, Telefon (06173) 6011004, möglich.

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