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Intensive Gefühle einer Astrophysikerin

Kirdorf. 

Wenn Antonia Dreßler Gedichte schreibt, dann tut sie das spontan. „Ich bin ein emotionaler Mensch und reagiere oft sehr intensiv“, bekennt die 20-Jährige, die in diesem Jahr ihr Abitur an der Philipp-Reis-Schule in Friedrichsdorf gemacht hat. Gerade wenn es ihr mal nicht so gut gehe, fasse sie das in lyrische Zeilen. „Meine Gedichte sind nie fröhlich. Aber ich denke, dass auch ein schlechtes Gefühl Raum braucht. Dabei geht es um mich selbst, aber auch um Erfahrungen von Menschen in meiner Umgebung.“

So spontan die Gedichte auch entstehen, so genau nimmt sie es mit dem Ausformulieren, bei dem sie so lange an jedem Wort feilt, bis alles stimmt. „Ich will, dass das Gedicht gut wird, denn es hat ja auch einen gewissen Stellenwert für mich.“

Ihr Gedicht, das für die diesjährige Ausgabe der „Frankfurter Bibliothek“ der Brentano-Gesellschaft ausgewählt wurde, trägt den Titel „Leben“ und zeigt eindrücklich, dass genau dieses Leben für junge Menschen, die noch auf der Suche sind, schwierig sein und wehtun kann. Die Veröffentlichung, freut die junge Dichterin sehr. „Das ist schon etwas Besonderes, auf diese Weise einen ganz kleinen Fußabdruck zu hinterlassen.“

Seit ihrem zwölften Lebensjahr schreibt Antonia Dreßler Gedichte. Sie führt ihre Lust auf Lyrik auch darauf zurück, dass an der Waldorfschule in Oberursel, die sie bis zur 10. Klasse besucht hat, das Dichten und die freie Rede stark gefördert wurden. Besonders gut habe ihr daran gefallen, dass es dabei vor allem um den Klang und die Betonung der Worte und weniger um die sachliche Analyse ging.

Das sagt sie, obwohl sie sich selbst als eher naturwissenschaftlichen Typ bezeichnet, was sich auch an ihrer Studienwahl widerspiegelt. „Ich wusste schon mit 14, dass ich Physik studieren will. Ich weiß zwar noch nicht, welche Richtung es mal wird, denn es ist alles so spannend.“ Im Nebenfach hat sie übrigens Astrophysik belegt.

Ihr Gedicht „Leben“ ist Anfang des Jahres entstanden und es ist bislang zugleich auch ihr letztes selbst geschriebenes Gedicht. Ein Grund für die Lyrik-Pause waren einerseits die Abiprüfungen und der Beginn des Studiums, was ihr fürs Dichten nur wenig Zeit gelassen habe, so Antonia Dressler. Der Hauptgrund ist aber, dass sie im Moment verstärkt eigene Lieder textet sowie an der Gitarre komponiert und so ihren Gefühlen und Gedanken Ausdruck gibt.

Wie mit ihrem Gedicht „Leben“, das jetzt veröffentlicht wird, will sie auch mit ihrer Musik nicht in den eigenen vier Wänden der großen Kirdorfer Dachgeschosswohnung bleiben, die sie zusammen mit ihrer Mutter, deren Freund, einer Katze und dem verschmusten Hund Gismo bewohnt. Zum Texten und Komponieren gehören für die junge Frau, die auch in einer Coverband Mitglied ist, Solo-Auftritte in kleinen Lokalen wie beispielsweise dem „Färberhäuschen“ in Friedrichsdorf, wo sie schon mehrfach aufgetreten ist, ganz klar dazu.

* * *

Leben

Ich hab’ ein Messer im Herzen,

Ein Pfeil in der Kehle,

Ich hab’ Kugeln im Schädel!

Es sieht so einfach aus und ist doch so schwer

– Ich kann nicht mehr.

Ich will nur mir gehorchen

und niemand gehören

ich will rumrennen – ich sein,

will alles zerstören!

Ich will raus aus dem Körper

Aus dem ich – Aus dem sein

Ich bin hier gefangen

Kann nicht weg ich will Schrein!

Und doch bin ich stumm

Wie ein toter Fisch liegend.

Niemand der zuhört,

Der da ist – mich liebend.

Alleine gefangen in Schmerzen geeint

Zerreißt es mich laufend

– Ich bin mein Feind.

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