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Film übers Jugend-Sinfonie-Orchester: Kamera läuft – Musik ab!

Von Was begeistert junge Menschen an klassischer Musik? Wie findet sich ein Orchester? Diese Fragen beschäftigen den Filmemacher Helmut Fischer bei seiner Doku über das Jugend-Sinfonie-Orchester Hochtaunus.
Er spielt in der Dokumentation über das Jugend-Sinfonie-Orchester  eine nicht unwesentliche Rolle: Dirigent und Orchester-Gründer Lars Keitel.	Fotos: hrho Bilder > Er spielt in der Dokumentation über das Jugend-Sinfonie-Orchester eine nicht unwesentliche Rolle: Dirigent und Orchester-Gründer Lars Keitel. Fotos: hrho
Hochtaunus. 

Es wäre vermessen zu behaupten, dass die Mitglieder des Jugend-Sinfonie-Orchesters des Hochtaunuskreises alte Hasen im Filmbusiness seien – auch wenn sie im vergangenen Jahr bereits für einen verfilmten Flashmob vor der Kamera gestanden haben (wir berichteten). Doch eben jene hochgelobten Aufnahmen haben jetzt dazu geführt, dass jetzt ein 90-minütiger Dokumentarfilm über das von Lars Keitel dirigierte Orchester gedreht wird.

Im Nachklapp zu dem Flashmob-Dreh hatten sich Keitel und der Filmemacher Helmut Fischer zusammengesetzt und erkannt, dass ihre Zusammenarbeit noch richtig Fahrt aufnehmen könnte. Keitel wollte unbedingt Filmmaterial über das von ihm initiierte Orchester-Projekt, und Fischer hat nach eigenem Bekenntnis eine gewisse Affinität zu Musikthemen. Gerade erst hat er einen Kinofilm über das Wesen des Tangos in Buenos Aires abgedreht („Tres Minutes“). „Da kam mir dieses ,Anschlussprojekt‘ gerade recht“, so Fischer. Das Zusammenspiel zwischen klassischer Musik und jungen Leuten habe ihn ohnehin schon länger als Thema gereizt.

Fehlte nur ein Financier, der aber mit der 2004 gegründeten „Kamar Percy und Ingeborg John Stiftung“ schnell gefunden war. Ein passender noch dazu: Percy war Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender des Bad Homburger Kammerorchesters, seine Frau Ingeborg Geigerin im Orchester. Der Rest soll später durch die Vermarktung reingeholt werden. „Dann beginnt das Tingeln durch die kommunalen Kinos“, sagt Fischer und sieht aus, als würde er sich auch darauf freuen. Er hat bei diesem Film keinen Sender hinter sich, was er letztlich aber als Vorteil sieht: „Es gibt keine Vorgaben für das Format und die zeitliche Umsetzung.“

Dann konnte es also losgehen: Fischers Team – zwei weitere Kameraleute und ein Mitarbeiter für den Ton – begleiten das Orchester seit Februar dieses Jahres; damals stand das Vorspielen auf dem Programm. Schließlich sollte das Projekt von A bis Z eingefangen werden. „Unser Ziel war und ist, möglichst nah an den Kindern und Jugendlichen dran zu sein. Wir wollen wissen, wie sie fühlen, was sie denken und warum klassische Musik sie so sehr begeistert“, erklärt Fischer, der übrigens auch der richtige Mann am richtigen Ort ist. Der 52-Jährige hat sein Abitur schließlich 1982 in Bad Homburg absolviert.

Fischer begleitete die über 80 jungen Musiker bei den Proben, bei deren Aufenthalt in der Bad Homburger Jugendherberge und den Konzerttagen Ende Juli. Rund 30 Drehtage werden am Ende zusammenkommen – mit Filmmaterial von über 50 bis 70 Stunden. „Anfangs waren die Kids ein wenig irritiert ob der Kameras, aber im Laufe der Zeit sind sie lockerer geworden“, erzählt Keitel. Wer einen reinen Musikfilm erwartet, täuscht sich. Es wird auch Backstage-Szenen, Eindrücke vom „Einzug“ in die Jugendherberge und Interviews geben. Eine weitere Idee, um die jungen Leute möglichst „natürlich“ zu erwischen, ist die Orchester-Cam. Mit dieser „ordentlichen Amateur-Kamera“ sollten sich die Musiker untereinander filmen.

„Es ist unglaublich spannend zu beobachten, wie so ein Gebilde langsam zusammenwächst“, sagt Fischer. Dabei war es ihm vor allem wichtig, die musikalische Entwicklung einzufangen – „was nicht so leicht ist“. Und das in doppelter Hinsicht: Damit auch der musikalische Laie den Fortschritt erkennt, hat Fischer die jungen Musiker dann und wann gebeten, Disharmonien deutlich herauszuheben, was nicht allen gefiel. Hinzu kommt, dass Regisseur Fischer für die Konzertaufnahmen einen perfekten Ton haben möchte. Bei dem Freiluft-Konzert im Hessenpark beispielsweise ist so ein Unterfangen kaum umzusetzen. Also wurden diese Tonaufnahmen in der Jugendherberge eingespielt. Keitel: „Das war brutal. Es war schrecklich warm, dennoch mussten wir aber alle Fenster schließen.“

Bis September will Fischer die Dreharbeiten beendet haben, fertig ist der Film dann aber noch lange nicht. Dann beginnt die Sichtung des Materials und anschließend der Schnitt. In einem Jahr dürfte der fertige Film im Kasten sein. Keitel und Fischer hoffen, dass die Doku dann im Hochtaunuskreis Premiere feiert.

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