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Aus Oberstedten nach Amerika: Karlo Müller erforscht die Geschichte seiner Familie

Von Schon als Schüler interessierte sich Karlo Müller für die Ahnenforschung – bis 1600 kann der 57-Jährige, dessen Eltern aus Oberursel beziehungsweise Oberstedten stammen, seine Vorfahren mittlerweile zurückverfolgen.
Karlo Müller wohnt in Berlin. Jetzt war er aber in seiner alten Heimat Oberstedten zu Gast, ehe er den Flieger nach Nordamerika bestieg. Foto: Jochen Reichwein Karlo Müller wohnt in Berlin. Jetzt war er aber in seiner alten Heimat Oberstedten zu Gast, ehe er den Flieger nach Nordamerika bestieg.
Oberursel. 

Eigentlich habe er ja Flugangst, gesteht Karl Georg Müller, Karlo genannt, und lächelt. Eine Hürde, die er genommen hat – schließlich ist er in diesen Tagen in Kanada, in Kelowna und Toronto, sowie in den USA, genauer gesagt in Seattle und Spokane. Dort trifft der 57-Jährige mit vier Menschen zusammen – mit manchen zum ersten Mal –, deren Vorfahren aus Oberstedten stammten. Im 18. Jahrhundert suchten sie ihr Glück in Amerika. Und Karen Fisher Kean, Mary Becker Weathers, Andrea Schütt und Alan Musgrave – und natürlich deren jeweilige Familien – sind alle auch weitläufig mit Karlo Müller verwandt: Es sind Cousinen beziehungsweise ein Cousin dritten, vierten und siebten Grades.

Das hat die Ahnenforschung des Oberurselers, der seit über 27 Jahren mit seinem Lebensgefährten in der Berliner Wahlheimat glücklich ist, ergeben. Die ist seit Jahrzehnten das Steckenpferd des Bankers im Ruhestand, inzwischen ist er auf 190 Stedter Auswanderer gestoßen. Ein paar Tage verbrachte er vergangene Woche in der alten Heimat, besuchte seine Eltern und hat diese Zeitung zum Gespräch getroffen, ehe er nach Nordamerika geflogen ist. Seine Mutter ist es, die aus Oberstedten stammt, der Vater kommt aus Oberursel, geheiratet hat das Paar 1959 in der evangelischen Kirche in Stedten.

Heimat in der Ebertstraße

Aufgewachsen ist Karlo Müller in der Ebertstraße, im Haus der Eltern seines Vaters. In den 1970er Jahren zog die Familie nach Oberstedten, übernahm das Anwesen der Eltern der Mutter. Karlo besuchte die Schule Mitte in Oberursel, und dort war es Klassenlehrer Henke, der sein Interesse für die Ahnenforschung weckte. „Wir sollten einen Stammbaum erstellen und dafür unsere Großeltern befragen“, erinnert er sich.

„So kam das dann – ich wollte wissen: Was haben meine Vorfahren gemacht, wer waren sie, wo lebten sie?“ Seine Faszination für die Vergangenheit, die Vergangenheit des Heimatorts und die eigene Herkunft ist noch heute zu spüren. Der Tisch im Café der Alten Wache ist bedeckt von alten Fotografien, Zeitungsanzeigen und Namenslisten, die Karlo Müller mitgebracht hat. Die Spuren seiner Ahnen kann er mittlerweile fast 500 Jahre zurückverfolgen – so hat er auch herausgefunden, dass drei Vorfahren seiner Mutter auf dem Platzenberg als Hexen verbrannt worden seien.

Das Gegenteil beweisen

„Die Oberstedter“, erzählt Karlo Müller, „waren immer etwas zurückhaltender als die Oberurseler.“ Er sei immer wieder auf die gleichen Namen gestoßen, die der alten Stedter Familien. „Es hieß aber immer: ,Mit denen sind wir nicht verwandt.‘ Und ich habe mir zur Aufgabe gemacht, das Gegenteil zu beweisen.“

Ende der Achtziger, erzählt Müller, sei es dann so richtig losgegangen. Das Internet, das ihm die Arbeit heute erleichtert, gab es damals noch nicht – die ersten Hinweise bekam er übers Pfarramt. Gegen Gebühr durfte er in die Kirchenbücher schauen. Durch seine Forschung entstand später der Kontakt zu einigen seiner Verwandten in den USA; 2004 folgte er deren Einladung zum ersten Mal und nutzte den Aufenthalt, um weitere Informationen zu sammeln – in einem öffentlich zugänglichen Archiv in Utah, das die Mormonen aufgebaut haben, die unter anderem die deutschen Kirchenbücher abgefilmt hatten. „So habe ich dann festgestellt, wie viele Oberstedter im 19. und 20. Jahrhundert ausgewandert sind.“ Darauf verlagerte er den Schwerpunkt seiner Forschung.

„Das waren hauptsächlich wirtschaftliche Gründe. Die Menschen haben hier beengt gelebt, wenn eine Familie viele Kinder hatte, auch auf den Mühlen, konnten sie nicht alle zu Hause bleiben“, weiß Karlo Müller. 1853 seien die ersten Stedter ausgewandert, die Eichs. In der Regel, berichtet er, hätten die Menschen vorher ihren Besitz verkauft, manche nahmen nur die Bibel mit auf ihren Weg. Die Ausreise traten sie über den Hamburger Hafen, über Bremen oder Le Havre an.

„Die, die schon gegangen waren, schrieben Briefe, in denen sie die neue Heimat priesen. So folgten ihnen immer mehr Menschen.“ Manche der Nachfahren erfuhren erst durch Müllers Forschung, dass die Familie aus Hessen-Homburg und nicht aus Hamburg stammt.

„Fertig ist man nie“

„Ich könnte Bücher schreiben“, sagt er. Als Mitglied der Hessischen Familiengeschichtlichen Vereinigung will er seine Ergebnisse in deren Magazin demnächst tatsächlich veröffentlichen. Und er wird weiter forschen, noch viele Abende vorm PC sitzen. Inzwischen nutzt er auch DNA-Tests. So stellte sich auch die Verwandtschaft zu Alan Musgrave heraus, der Erbgut mit ihm und seiner Mutter teilt. Und Karlo Müller weiß: „Fertig ist man ja eigentlich nie.“

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