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Rundgang in Weißkirchen: Kirchenruine als einzigartige Kulisse

Von Über Bauprojekte und Verkehrsprobleme wird häufig gesprochen – was aber macht das Leben und den Charakter der Oberurseler Stadtteile aus? Das wollte diese Zeitung wissen und hat die Ortsvorsteher zum Rundgang gebeten. Heute sind wir mit Nikolaus Jung (CDU) in Weißkirchen unterwegs.
Nikolaus Jung ist gern auf dem Gelände des Baudenkmals Johanniskirche, das für zahlreiche Veranstaltungen genutzt wird. Nikolaus Jung ist gern auf dem Gelände des Baudenkmals Johanniskirche, das für zahlreiche Veranstaltungen genutzt wird.
Weißkirchen. 

Südöstlich der Kernstadt liegt er, der südlichste der vier Oberurseler Stadtteile mit seinen rund 5000 Einwohnern: Weißkirchen. Im Jahr 818 gegründet und rund 450 Jahre später als „Wizenkirchen“ erstmals urkundlich erwähnt, gehört der Ort seit der Eingemeindung 1972 zur Brunnenstadt. Weißkirchen, sagt Ortsvorsteher Nikolaus Jung (CDU), wenn man ihn nach einer prägnanten Beschreibung fragt, sei einfach lebens- und liebenswert. Und hier im Ort, umrahmt von Feldern und Streuobstwiesen, ist das keine Plattitüde.

Unseren Rundgang beginnen wir an der Bleiche, hinter uns ragt das Feuerwehrhaus empor. Die nimmermüden Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Oberursel-Weißkirchen rücken aus, wenn es brennt, wenn Mensch oder Tier in Not geraten und wenn der Keller unter Wasser steht, ehrenamtlich, neben dem Job und rund um die Uhr. Der Standort in Weißkirchen, sagt Jung, sei für den Stadtteil von erheblicher Bedeutung.

Treffpunkt Kerb

Aber die Feuerwehr rettet, löscht, birgt und schützt nicht nur, sondern sei auch ein wichtiger Faktor im Vereinsleben. Und das nicht nur, was die Jugendarbeit anbelangt – die Wehr richtet auch die Kerb aus: Einmal im Jahr, an einem verlängerten Wochenende im Spätsommer, trifft sich der ganze Ort an der Bleiche, im Schatten der Wache, um zu feiern und der Geselligkeit zu frönen. Kerbebaum und Kerbeburschen sucht man hier vergeblich – dennoch: „Die Kerb ist Mittelpunkt“, sagt der Ortsvorsteher, dessen Bruder Martin Jung die Fäden in Sachen Kirchweih jahrelang in der Hand hielt. Das Fest sei auch ein Zeichen der guten Zusammenarbeit unter den Weißkirchener Vereinen, freut sich der Ortsvorsteher; die Unterstützung bei Standdiensten und Co. haben die Brandbekämpfer fest eingeplant. „Sonst ist so etwas auch gar nicht zu stemmen.“

Aktive Vereine

Weißkirchen, berichtet Jung, während wir weiterlaufen, profitiere von einem sehr aktiven Vereinsleben. Wenige Meter entfernt, auf dem im vergangenen Jahr neu gestalteten Platz, über dem sich das Gotteshaus der katholischen St.-Crutzen-Gemeinde erhebt, lässt sich das ebenfalls regelmäßig erleben, und zwar beim Weihnachtsmarkt. „Hier wird auf Gemeinschaft Wert gelegt“, sagt Jung.

Ausdruck des freundschaftlichen Verhältnisses unter den vielen Aktiven sei die Arbeit des Vereinsrings, der beispielsweise Termine koordiniert. Diese Absprachen seien Gold wert, wie der 61-Jährige betont, der im Ort aufgewachsen ist, als Sohn des letzten Weißkirchener Bürgermeisters Albert Jung. Nach dem Studium und einigen Jahren im Ausland kehrte der Jurist in die Heimat zurück; Ortsvorsteher ist der Christdemokrat in der zweiten Amtsperiode. „Es kann mir nicht egal sein, was um mich herum passiert“ – die Einstellung seines Vaters hat Jung geprägt.

In unmittelbarer Nähe zum Gemeindezentrum liegt die zweizügige Grundschule Weißkirchen. „Ich durfte sie damals mit einweihen, ich habe Glockenspiel gespielt“, erinnert sich Jung ans Jahr 1967 zurück. Nach wie vor sei die Einrichtung für die Infrastruktur von Weißkirchen von großer Bedeutung, für junge Familien trage sie zur Lebensqualität bei. Gleiches gelte für die Kindertagesstätten im Ort.

Dann führt uns Jung in die Urselbachstraße. Hier liegen gleich zwei besondere Treffpunkte, die nicht mehr aus Weißkirchen wegzudenken sind: zum einen das Alte Rathaus, das das Familien- und Begegnungszentrum des Internationalen Bunds beherbergt, das mit seinen vielen Angeboten und sozialen Projekten tagtäglich Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche, junge Mütter, ausländische Mitbürger und Senioren ist. Vor allem für Menschen, die nicht vereinsbezogen aufgefangen werden könnten, sei das Zentrum eine wichtige Ergänzung, weiß Jung. Zum anderen liegt hier das Kleinod Johanniskirche.

Die als Baudenkmal geführte Ruine, deren wechselvolle Geschichte bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht, dient heute als einzigartige Kulisse für kulturelle und festliche Veranstaltungen, die der Verein zum Erhalt der Johanniskirche organisiert.

Unseren Rundgang beschließen wir auf dem Friedhof. Der, findet Jung, gehöre genauso dazu. Er weiß um die Bedeutung, die die Stätte für die Weißkirchener hat, die hier ihre Angehörigen verabschieden, im Ort, nicht anonym auf irgendeinem zentralen Hauptfriedhof. Dass der Friedhof erhalten bleibt und stets sauber, gepflegt und würdevoll wirkt, dafür setzten sich Ortsbeirat und Bürger gleichermaßen ein. Was bleibt, ist ein Wunsch, den der Ortsvorsteher so formuliert: „Dass wir auch in Zukunft aufeinander zugehen und für Probleme gemeinsam Lösungen finden, mit Respekt vor dem Andersdenkenden und im Sinne unseres Gemeinwesens. Nicht als Gegner, sondern als Befürworter Weißkirchens. Und das sind wir alle.“

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