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Sommerserie: Was bewegt Menschen in Ortsteilen: Kirdorf: Das gallische Dorf in der Stadt

Von Fehlende Parkplätze. Eine mögliche U-Bahn-Verlängerung vor der Haustür. Oder gar ein ganzer Frankfurter Stadtteil. Was bewegt die Menschen in den Ortsteilen? Das ergründen wir in einer Sommerserie. Im heutigen und letzten Teil sind wir in Kirdorf unterwegs.
Das „Kirdorfer Kreuz“ ist das bekannte Wegekreuz an der Bachstraße, Einmündung Hauptstraße. Es wurde 1807 von der Familie Nikolaus und Suzanne Odenweller errichtet und dient zur allgemeinen Orientierung in Kirdorf. Im Stadtteil heißt es in der Regel: „Da gehste bis zum Kreuz und dann . . .“ Bilder > Foto: Matthias Reichwein Das „Kirdorfer Kreuz“ ist das bekannte Wegekreuz an der Bachstraße, Einmündung Hauptstraße. Es wurde 1807 von der Familie Nikolaus und Suzanne Odenweller errichtet und dient zur allgemeinen Orientierung in Kirdorf. Im Stadtteil heißt es in der Regel: „Da gehste bis zum Kreuz und dann . . .“
Kirdorf. 

Es gibt da diesen Spruch, der sehr viel über das Selbstverständnis der Kirdorfer aussagt: „Jeder Kirdorfer ist Bad Homburger, aber nicht jeder Bad Homburger ist Kirdorfer.“ Ja, die Kirdorfer pflegen das Image des kleinen gallischen Dorfes, und sie haben mit Hans Leimeister (siehe ZUR PERSON) auch ihren eigenen Majestix. Die Uhren ticken hier noch ein wenig anders als anderswo. „Ihre Eigenständigkeit ist den Kirdorfern viel wert“, sagt denn auch Leimeister, der neuerdings auch Ortsvorsteher im nordwestlichen Stadtteil ist.

Wäre es nach Leimeister gegangen, dann hätte Kirdorf jetzt gar keinen eigenen Ortsbeirat. Zum einen hätten die Kirdorfer ihre Probleme stets über die Vielzahl von „heimischen“ Abgeordneten in der Stadtverordnetenversammlung geregelt. Zum anderen sind da diese „unterschiedlichen Welten“, wie sie Leimeister nennt. Denn Kirdorf setzt sich mit seinen rund 14 000 Einwohnern aus durchaus unterschiedlichen Ecken zusammen. Da ist der alte, gewachsene Ortskern, der Hardtwald, der sich aus einer völlig anderen Klientel zusammensetzt, und der Bereich Gartenfeld und Eichenstahl. Leimeister: „Es ist schwer, all die unterschiedlichen Themen, Interessen und Problematiken unter einen Hut zu bringen.“

Das Schwesternhaus ist in die Jahre gekommen und muss saniert werden.
Millionen für das Schwesternhaus

Wenn in Kirdorf gefeiert wird, dann gerne rund ums Schwesternhaus von 1874. Doch das altehrwürdige Gebäude-Ensemble ist in die Jahre gekommen. Und genug zu tun gibt es allemal.

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Aber jetzt gibt es nun mal den Ortsbeirat und seinen Vorsitzenden, der natürlich Hans Leimeister heißt. Wer sonst, möchte man fragen. Das neue Gremium sei noch dabei, sich zu finden. Zwei Sitzungen sind ausgefallen, „weil es gerade keine Themen gab“. Doch, und da macht der 77-Jährige keinen Hehl draus, es gibt natürlich auch in Kirdorf das eine oder andere Problem. Da wäre zum Beispiel die Parkplatzsituation in der Altstadt zu nennen. Dort sind etliche neue Häuser errichtet, aber Parkplätze reduziert worden. Zudem müssen Gassen für die Feuerwehr freigehalten werden, hinzu kommt, dass neue Parkplätze SUV-konforme 2,50 Meter breit sein müssen. All das kostet aber Parkplätze. „Und das wären noch mehr gewesen, wenn ich nicht um jeden einzelnen gekämpft hätte“, so Leimeister. Doch generell könne der Ortsbeirat dieses Problem nicht lösen.

Einen Fortschritt wünschen sich die Kirdorfer auch bei ihrem Bürgerhaus. Dort liegt der Brandschutz im Argen. Eine Fluchttreppe am großen Saal wurde bereits errichtet und auch die Räumlichkeiten wurden umgemodelt. Aber noch immer fehlt die Brandschutzsanierung im Saal. Leimeister: „Die Vereine machen sich vor allem Sorgen, dass wegen der Baumaßnahmen Karnevalssitzungen ausfallen könnten.“ Dann wäre im Stadtteil Schluss mit lustig.

So was wie verschlossene Türen gibt es für Hans Leimeister in Kirdorf nicht.
Zur Person: Ein Hansdampf in allen Gassen

„Das alles und noch viel mehr, würd’ ich machen, wenn ich König von Kirdorf wär!“ Dieser umkomponierte Liedtext passt perfekt zu Hans Leimeister – und wieder auch nicht.

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Beim Thema Einzelhandel bedauert der Ortsvorsteher, dass es keinen Metzger mehr gibt. „Dafür haben wir Bäcker mehr als genug.“ Auch die Versorgung mit Supermärkten sei nicht ausreichend. Das liegt vor allem daran, dass der Rewe-Markt im Eichenstahl dichtgemacht hat. „Für ältere Menschen ist das ein großes Problem.“ Das müsse besser werden – genauso wie das Kuddelmuddel am Ortseingang an der Raabstraße, wo rund um klobige Baucontainer das Unkraut sprießt. „Diese Ecke liegt uns am Herzen“, sagt Leimeister. Aber wenn die Grundstückseigentümer nicht mitspielten, könne man nichts machen. „Wir können ja niemanden mit Brachialgewalt zu etwas zwingen.“

Traditionen hochhalten

Ein waches Auge hat der CDU-Politiker auch auf die Kerb. Dass da in diesem Jahr das Schwesternhaus (siehe ZUM THEMA) nicht bewirtet hat, habe ihm und anderen Kirdorfern nicht geschmeckt. Immerhin habe sich die SGK die Option offen gehalten, im übernächsten Jahr wieder die Bewirtung zu übernehmen. Und 2017 sei turnusgemäß ohnehin die DJK an der Reihe. Die würden als Gesamtverein funktionieren, während es bei der SGK immer wieder zwischen Turnern und Fußballern knirsche. Doch Leimeister weiß als Vereinsringvorsitzender, wie viel Arbeit es ist, einen Stand auf mehrtägigen Festen zu bewirten.

Insgesamt macht er sich um die Kerb (noch) keine Sorgen – im Gegenteil, der Vereinsring wird das Kerbe-Treiben nach Möglichkeit wieder intensivieren. Leimeister: „Wir haben ein Gremium innerhalb des Vereinsrings gegründet, das sich mit diesem Thema beschäftigen will.“ Da sollen auch die Schausteller, die ihre Fahrgeschäfte und Buden alljährlich in Kirdorf aufbauen, zu Wort kommen. Insgesamt würde sich der Ortsbeiratsvorsitzende noch mehr Vereine wünschen, die sich an der Kerb beteiligen.

Dabei denkt er explizit nicht an die Interessengemeinschaft Kirdorfer Feld. „Die sind das Jahr über schon stark genug beansprucht“, lobt Leimeister. In der Tat kümmern sich die IKFler nicht nur um das Kirdorfer Feld, nein, sie keltern auch noch und richten im Spätsommer das große Kelterfest aus. Und jetzt steht auch noch der Neubau des Gerätehauses neben dem Schützenhaus an.

Überhaupt bekommen die Vereine ein dickes Lob von ihrem „Stadtteil-Bürgermeister“: „Sie sind hier im Stadtteil das tragende Element.“ Schön sei, dass sich die Vereine auch gegenseitig aushelfen. Einem der Spielmannszüge fehlen Musiker? Kein Problem: Dann springen eben vom anderen Spielmannszug Musiker ein. Die Wehr schafft die Bewirtung zu ihrer 125-Jahr-Feier nicht? Kein Problem, Hilfe naht von anderen Vereinen. „Und so geht das reihum, das müssen wir pflegen.“

Den Dom anstrahlen

Aber man hat Kirdorf noch nicht verstanden, wenn man den großen Einfluss der katholischen Kirche außer Acht lassen würde. St. Johannes, der Kirdorfer Dom, steht nicht umsonst mitten im Herzen der Altstadt. Dementsprechend war man in Kirdorf auch nicht wirklich glücklich, als die katholische Kirche die sogenannten Großgemeinden einführte. Keinen eigenen Pfarrer mehr zu haben, das wurmt. „Aber das ist eine Kirchen-Angelegenheit, da können wir nichts machen“, nimmt es Leimeister gelassen. Denn wenn beispielsweise zur Fronleichnam-Prozession gerufen wird, ist gefühlt der ganze Stadtteil auf den Beinen. Und auch bei solchen Veranstaltungen (Gleiches gilt für das Stadtteilfest, das ja auch noch gefeiert wird) hilft man sich.

Da versteht es sich, dass die Kirdorfer ihren Dom in einem besonderen Licht sehen – und selbigen auch in besonderes Licht tauchen wollen. „Wir wollen den Dom anstrahlen“, erklärt der Ortsvorsteher. Und wenn man schon am Planen ist, bereitet man sich auch „eben mal schnell“ auf die Feierlichkeiten zum 1125-jährigen Bestehen von Kirdorf vor.

Ob es daran liegt, dass der liebe Herrgott ein Faible für Kirdorf hat, dass das kleine gallische Dorf der Stadtteil der Oberbürgermeister ist, ist nicht belegt – aber eine Tatsache. Der amtierende OB Alexander Hetjes und sein Vorgänger Michael Korwisi sind zumindest zwei waschechte Kirdorfer. Dr. Armin Klein hat seinerzeit Am Rabenstein gewohnt und Wolfgang Assmann im Hardtwald. Und der in Ober-Eschbach lebende Reinhard Wolters, so weiß Leimeister zu berichten, hat zumindest häufig den Gottesdienst in St. Johannes besucht.

Nur Dr. Ursula Jungherr lag knapp daneben. Ihre ehemalige Wohnadresse, der Philosophenweg, liegt zwar auch im Hardtwald, aber auf der „falschen Seite. Das war Gonzenheimer Gemarkung“, so Leimeister. Und ein solcher Fakt stärkt natürlich noch das Gefühl, ein ganz besonderer Stadtteil von Bad Homburg zu sein.

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