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Klein, aber oho

Von Es scheint, als ob nicht nur der Stadtteil Schönberg, sondern ganz Kronberg auf dieses Angebot gewartet hat. Reihum glückliche Gesichter waren gestern im Mainblick 65 zu sehen, wo mit dem „Tegut – Lädchen für alles“ nach vielen Jahren wieder ein Nahversorger eröffnet hat.
Schönberg. 

Donnerstagmorgen, kurz vor 11 Uhr. Schnell schreibt Marktleiterin Martina Schulenberg, eine waschechte Schönbergerin, noch die Tagesangebote auf die Tafel vor der Tür: „Kaffee 1 Euro, Rindswurst 1,50 Euro“. Währenddessen nutzen schon zahlreiche Bürger die Möglichkeit, einen ersten Rundgang durch das neue „Tegut – Lädchen für alles“ zu machen, das gestern seinen Betrieb aufgenommen hat. Backmischungen, Strumpfhosen, Tiefkühlkost – das Sortiment ist umfassend und geht über das eines Discounters weit hinaus, berichtete Knut John, der bei der Handelskette für das Lädchen-Konzept verantwortlich ist: „Wir bezeichnen uns gerne als Vollsortimenter in Miniatur.“ Die Preise, darauf legt er Wert, seien identisch mit denen in den anderen Filialen.

Wichtig für Schönberg

„Ein kleines Lädchen für Tegut, aber ein großer Zuwachs für Schönberg“, sagte Ortsvorsteherin Dr. Regina Sell (CDU). Die Zeit ohne eigene Einkaufsmöglichkeit sei für viele der rund 4000 Einwohner des Stadtteils ein Problem gewesen. Bürgermeister Klaus Temmen (parteilos) und Ulrike Schüller-Ostermann, Geschäftsführerin der Perspektiven gGmbH, des Trägers des Unternehmens, bedankten sich bei den vielen Akteuren, die in den vergangenen drei Jahren um den Markt gekämpft – und sich dabei gegenseitig motiviert haben.

„Viele Orte haben keine Nahversorgung mehr, das ist kreisweit ein Problem“, ergänzte Landrat Ulrich Krebs (CDU). Umso wichtiger sei, dass Projekte wie dieses umgesetzt würden. Zudem biete der Laden Möglichkeiten der Berufsqualifizierung für Menschen mit Einschränkungen, die im regulären Arbeitsmarkt schlechte Chancen auf einen Job hätten. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Betriebskommission der Oberurseler Werkstätten äußerte er die Hoffnung, dass es bald zu einer Kooperation kommen könnte.

„Wir sehen dies als soziales Projekt und verdienen damit nichts“, stellte Tegut-Vertreter John klar. Zwei gute Nachrichten haben gestern jedoch die Chancen erhöht, dass das Lädchen lange bestehen bleibt. Zum einen nimmt die Idee des Kronbergers Albert Sanftenberg immer konkretere Formen an, einen Förderverein zu gründen. Einen Satzungsentwurf und einen unverbindlichen Anmeldezettel für die Gründungsversammlung hatte er gestern bereits parat. „In erster Linie steht die Identifikation der Bürger mit dem Lädchen und seinem Konzept im Vordergrund.“ Der Verein soll vor allem die Teilhabe am Arbeitsleben von Menschen mit Einschränkungen im Schönberger Lädchen fördern.

Zum anderen entschied der Landeswohlfahrtsverband Hessen gestern nahezu zeitgleich mit der Eröffnung, das Lädchen in Schönberg mit rund 66 000 Euro zu fördern. In der Summe enthalten ist ein Mietkostenzuschuss von maximal 52 000 Euro in sechs Jahren unter der Voraussetzung, dass dort für diese Zeit 1,5 Stellen mit drei schwerbehinderten Menschen besetzt werden. Mit weiteren 14 000 Euro werden das Auto und Thermoboxen für den Lieferdienst sowie die Diebstahlsicherung und ein Sozialraum für die drei behinderten und zwei nicht behinderten Mitarbeiter gefördert.

Lange drauf gewartet

Das Urteil der Bürger fiel einhellig aus: „Ich habe schon Jahre darauf gewartet“, sagte eine Einkäuferin aus Oberhöchstadt. „Ich will die Weihnachtsbäckerei angehen und habe einen ganzen Zettel voll mit Lebensmitteln, die ich einkaufen will.“ Bisher habe sie mit dem Bus zum Einkaufen fahren müssen. „Jetzt kann ich hierher laufen und bleibe in Bewegung. Die 3,70 Euro für die Fahrkarte stecke ich nun lieber in das Lädchen.“ Eine andere Dame aus Schönberg, die ebenfalls ungenannt bleiben wollte, ergänzte: „Wir haben diesen Laden hier so was von vermisst. Es ist ja auch ein Unterhaltungsfaktor für ältere Menschen: Sie gehen raus, sprechen mit Leuten, und wenn es auch nur für zwei Liter Milch ist. Das ist sehr wichtig.“

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