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Blinder Maler: Kuno Allershausen merkt sich die Anordnung der Farben auf der Palette

Kuno Allershausen malt seit rund zehn Jahren farbenfrohe Landschaftsbilder aus seiner unmittelbaren Umgebung. Und das, obwohl er fast blind ist. Ein Teil seiner Gemälde aus Dornholzhausen sind ab sofort als Dauerausstellung im Vereinshaus Dornholzhausen zu sehen.
Nur noch zwei Prozent Sehkraft, doch das hindert Kuno Allershausen nicht, seinen Heimatort Dornholzhausen künstlerisch auf der Leinwand zu verewigen. Nur noch zwei Prozent Sehkraft, doch das hindert Kuno Allershausen nicht, seinen Heimatort Dornholzhausen künstlerisch auf der Leinwand zu verewigen.
Dornholzhausen. 

Seine Bilder sind von kräftigen Farben geprägt, die leuchten und den Betrachter fesseln. Seine Motive findet er meist in seiner unmittelbaren Umgebung: an der Bushaltestelle, auf der heimischen Terrasse, beim Spaziergang durch Dornholzhausen oder im Urlaub. Das Licht würde ihn faszinieren, sagt Kuno Allershausen. Der 83-Jährige malt seit rund zehn Jahren, seit 1995 ist er fast blind.

Wie das funktioniert? „Ich sehe einige Sachen schemenhaft, manche Farben erkenne ich, andere erahne ich“, erzählt Allershausen, der sich trotz seiner Sehkrankheit sehr sicher bewegt. Betrachtet er die eigenen Bilder, muss er diese ganz nah an seine Augen halten. Die Ärzte hätten ihm eine Sehstärke von lediglich zwei Prozent attestiert. Ab diesem Wert gelten Betroffene offiziell als „blind“. „Ich kann nicht Autofahren und nicht lesen, aber in Bad Homburg kenne ich mich aus und besonders in Dornholzhausen, wo ich wohne“, sagt er.

Große Resonanz

Hier habe er auch jede Menge Motive entdeckt, so viele, dass er im letzten Jahr auch einen Kalender mit Bildern aus dem Bad Homburger Stadtteil gemacht hätte. Einen Kalender mit seinen aktuellen Gemälde lasse er jedes Jahr für seine Freunde erstellen. Die Dornholzhäuser Ausgabe von 2017 sei jedoch auf größere Resonanz gestoßen und nun werden seine Bilder aus dem Stadtteil auch im Vereinshaus Dornholzhausen präsentiert. Zu sehen sind sie in einer Dauerausstellung im großen Saal.

„Ich habe bisher nur zusammen mit anderen Künstlern ausgestellt“, erklärt der 83-Jährige. Alles andere sei ihm zu stressig. „Ich male, weil es Spaß macht. Ich tauche in eine andere Welt ein. Wie das Licht die Landschaft verändern kann, ist unglaublich.“ Dies sei der wichtigste Beweggrund für ihn gewesen, mit der Kunst zu beginnen. „Als meine Frau verstorben war, musste ich mir eine Beschäftigung suchen, damit mir die Decke nicht auf den Kopf fällt. Ich bin auf die Malerei gekommen, da ich als Junge gerne gezeichnet habe“, erinnert er sich. Damals habe er bereits unter einer Rot-Grün-Schwäche gelitten, was sich jedoch nicht auf seine Zeichnungen ausgewirkt habe. Ebenso wenig wie sich seine jetzige Krankheit auf die Strahlkraft seiner Werke auswirkt.

Die Kamera stets dabei

Er habe stets seine Kamera dabei, erzählt der aus dem Harz stammende Werbeberater. „Sobald ich etwas sehe, was mir gefällt, nehme ich es mit der auf. Dann lasse ich das Foto vergrößern und bringe es mit Acrylfarben auf die Leinwand“, erläutert er seine Technik. Auf der Palette habe er sich gemerkt, wo die einzelnen Farben liegen. Oft würde er eine Lupe mit fünf- oder achtfacher Vergrößerung benutzen oder Details mit einem speziellen Gerät anschauen und entsprechend zeichnen. Dennoch würde er lediglich drei bis vier Stunden für die Erstellung eines Gemäldes benötigen.

Mittlerweile habe er über 100 Bilder erstellt, einmal die Woche würde er in einer Künstlergruppe in Friedrichsdorf malen. Lange habe er sich geweigert, Werke zu verkaufen. „Es ist schwer, sich davon zu trennen, denn ich verbinde mit jedem Gemälde eine Erinnerung“, so der 83-Jährige, der seit 40 Jahren in Dornholzhausen lebt.

Er selber habe durch das Malen eine Tätigkeit gefunden, die er nicht mehr in seinem Leben missen möchte. Jetzt habe er jedoch anfangen müssen, seine Bilder zu verkaufen, denn langsam werde der Platz daheim knapp. Die Dauerausstellung im Vereinshaus ist vielleicht ein erster Schritt, um potenzielle Käufer zu finden.

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