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Glocken-Quintett aus Königstein: Kurstadt-Stimmen über Riga

Von Was lange währt, klingt doch noch gut. Nach 16 Jahren im Wartestand haben die Glocken des ehemaligen Kyrios-Zentrums jetzt doch noch eine neue Verwendung gefunden.
Frisch gereinigt und der Größe nach sortiert, warteten die Glocken (die fünf kleinen Exemplare aus Königstein) auf ihren Einsatz. Frisch gereinigt und der Größe nach sortiert, warteten die Glocken (die fünf kleinen Exemplare aus Königstein) auf ihren Einsatz.
Riga/Königstein. 

Wenn es Abend wird über der lettischen Hauptstadt Riga, erheben hoch oben über der Stadt fünf Königsteinerinnen ihre Stimmen. Gemeinsam mit zwei großen „Kolleginnen“ läuten die Glocken, die einst im evangelischen Gemeindezentrum „Kyrios“ am Kurstadt-Kreisel hingen, vom Turm des Domes herab und rufen die Menschen zum Gebet.

Aufmerksame und vor allem langjährige Leser der TZ könnten jetzt zu Recht fragen: Ja und, das tun sie doch schon seit 16 Jahren – oder? So hat es doch die Taunus Zeitung bereits am 20. Mai 2000 vollmundig verkündet.

Dort nämlich hieß es damals, dass die Glocken noch im selben Jahr an den Dom von Riga geliefert würden, um pünktlich zur Feier des 800-jährigen Bestehens des heute protestantischen Gotteshauses zu erklingen – im Beisein des deutschen Bundespräsidenten Johannes Rau sowie des schwedischen Königs.

Wernervon Sengbusch
Alte Heimat

Eine Reise nach Riga hat für Werner von Sengbusch immer etwas von „Nachhausekommen“. Zwar ist der Königsteiner selbst dort nicht geboren, an vielen Stellen der lettischen Hauptstadt jedoch stößt

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Soweit die frohe Kunde von vor 16 Jahren. Allein, die Rolle Zeitungspapier, auf der sie gedruckt wurde, musste sehr geduldig sein. Zu hören bekamen die beiden Ehrengäste die Königsteiner Stimmen nämlich nicht – ebenso wenig wie Raus Nachfolger Köhler, Wulff und bislang auch Gauck.

Der Grund: Der Glockenturm des Gotteshauses war nach 800 Jahren nicht mehr standhaft genug, das Gewicht des Geläuts zu tragen. Eine Sanierung musste vorangestellt werden und die ließ sich auf sich warten. Denn das Geld war in Lettland lange knapp.

Statt an exponierter Stelle im Glockenturm des Doms fristeten die Bronzekörper aus der Kurstadt deshalb auch über Jahre ein eher wenig glanzvolles Dasein in einer Ecke des Domgartens. Und genau hier begegnete auch der Königsteiner Werner von Sengbusch 2005 erstmals seinen etwas ins Abseits geratenen ehemaligen „Mitbürgerinnen“.

Herz für „Mitbürgerinnen“

Ob seiner baltischen Wurzeln (siehe „INFO“) und enger Bindung zum Dom und dessen Geschichte häufig in Riga zu Gast, verfolgte von Sengbusch in den Folgejahren mit großem Interesse das „Schicksal“ des Kurstadt-Quintetts. „Ich habe immer wieder nachgefragt, wie es mit den Glocken und der Sanierung des Domturms vorangeht“, erzählt der Königsteiner im Gespräch mit der TZ.

Bei seinen Stippvisiten konnte er denn auch verfolgen, wie ganz langsam Bewegung in die Sache kam – wenn auch zunächst nur auf Bodenniveau.

Hatte er die Glocken bei seinem ersten Besuch mit reichlich Patina überzogen noch in der Ecke stehen sehen, so freute er sich doch, als er – wenn auch erst 2014 – die bronzenen Klangkörper auf Hochglanz poliert und wie die Orgelpfeifen nach Größe aufgereiht an einer Wand des Domes stehen sah. Wie das Baugerüst am Turm des Domes ein untrügliches Zeichen dafür, dass das irdische Dasein der Glocken nun doch in absehbarer Zeit sein Ende haben würde.

Es sollte dann aber doch noch ein gutes Jahr dauern, bis die Glocken von Königstein erstmals mit ihren Kolleginnen die Stimmen erheben durften. Gerade erst vor wenigen Wochen erhielt Werner von Sengbusch per E-Mail von einem Vertrauten aus Riga die gute Nachricht, dass sie im Dezember vergangenen Jahres endlich nicht mehr zu sehen, aber dafür umso besser zu hören gewesen seien. Und nicht nur das. Von Sengbusch bekam mit dieser Mail auch gleich noch das Beweis-Video vom Heiligen Abend in Riga dazu.

Dass die „frohe Botschaft“ aus Lettland, die Werner von Sengbusch unlängst auch Pfarrerin Katharina Stoodt-Neuschäfer und den Mitgliedern der Königsteiner Immanuel-Gemeinde überbracht hat, in deren Ohren besonders wohl klang, mochte nicht überraschen. Schließlich hatten die Kernstadt-Protestanten in den vergangenen Jahren immer mal wieder wartend gen Osten geschaut, den Glauben an das Gelingen des Glocken-Transfers jedoch nie verloren.

Warten hat ein Ende

Im Frühjahr 2014 informierte der „Immanuel-Bote“ darüber, wie es um die Klangkörper aus der Kurstadt im Baltikum bestellt ist. Hier erfuhr die Gemeinde von den statischen Problemen im Glockenturm, den hohen Kosten der Sanierung (rund 6,5 Millionen Euro) und der finanziellen Unterstützung der EU, mit der sich letztlich doch noch alles zum Guten wendete.

Jetzt sprechen sie also wieder zu den Menschen – die Königsteiner Stimmen. Und das von Montag bis Samstag stets um kurz vor 20 Uhr und immer sonntags zur Mittagsstunde.

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