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Anwohner verärgert: Lärmkonflikt in Oberursel: „Diese Straße ist eine Katastrophe“

Von Nils Britze stinkt es: Der Oberurseler klagt über Lärm und Dreck, den Raser auf der Hohemarkstraße produzieren. Der Stadt ist die Situation bekannt – allein: Welche Maßnahmen ergriffen werden, das steht in den Sternen.
Viel Verkehr: An der Kreuzung Hohemark-/Lahnstraße ist es selten ruhig. Für Anwohner ist die Situation eine Belastung. Viel Verkehr: An der Kreuzung Hohemark-/Lahnstraße ist es selten ruhig. Für Anwohner ist die Situation eine Belastung.
Oberursel. 

Nils Britze hat die Nase voll. Tagtäglich leidet der Oberurseler, der an der Kreuzung Hohemarkstraße/Lahnstraße wohnt, unter Lärm, Dreck und Abgasen. Bis vor wenigen Wochen frönten die Motorradfahrer noch der alljährlichen Hochsaison, die immer schlimmer werde, wie Britze, der sich in seiner Verzweiflung an diese Zeitung wandte, berichtet.

„Die Zahl der Motorradfahrer steigt – und vor allem steigt seit zwei, drei Jahren auch die Zahl derer, die möglichst laut unterwegs sein wollen“, meint der Anwohner. „Am Wochenende, an Feiertagen und wenn die Sonne scheint, dann knubbelt es sich – aber das Rasen an sich ist inzwischen schon zur ganzjährigen Veranstaltung geworden.“ Einige Zeitgenossen machten sich sogar einen Spaß daraus, die Hohemarkstraße – ein Wohngebiet, wie Britze unterstreicht – mehrmals samstags rauf- und runterzujagen. Seine Nachbarn seien genauso lärmgeplagt – von dem vermehrten Schmutz in den Wohnungen ganz zu schweigen –, allerdings, sagt der 49-Jährige, täten die meisten ihren Unmut nur ungern öffentlich kund. „Die ziehen den Kopf ein.“

Den Kopf einziehen, das will Britze, der im Bereich Marketing und Kommunikation arbeitet, nicht. Er wolle aber auch „keinen Streit“, ganz im Gegenteil: „Ich möchte, dass einfach mal eine Debatte geführt wird. Oder muss erst etwas passieren?“

Mindestens drei Dezibel weniger

Um den Lärm, der vom Straßenverkehr ausgeht, durch Maßnahmen wie etwa Tempo 30 zu begrenzen, beispielsweise als Teil der landesweiten Lärmaktionsplanung, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein.

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Für Verkehrsteilnehmer auf dem Fahrrad sei die Hohemarkstraße inzwischen lebensgefährlich, warnt der passionierte Radfahrer. Zumal die Raser auf vier Rädern den Motorradfahrern inzwischen in nichts nachstünden. „Die Autofahrer rasen von Ampel zu Ampel und beschleunigen in Richtung Autobahn die paar Meter bis zur Alten Leipziger, als gäbe es kein Morgen.“ Nicht zuletzt habe auch der Schwerlastverkehr zugenommen. „Die U-Bahn ist leiser geworden. Aber alles andere wird schlimmer. Die Hohemarkstraße ist eine Katastrophe!“

„Nach meiner Auffassung ist es Aufgabe einer Stadtverwaltung, solche Missstände zu beseitigen. Aber das wird hier alles abgetan“, moniert Britze, der sich bereits an die Stadt gewandt hat und den Hinweis erhielt, dass es auch auf der Hohemarkstraße regelmäßig Geschwindigkeitskontrollen gebe.

Mehr Kontrollen?

„Ich sitze zwar nicht den ganzen Tag am Fenster – aber ich habe noch niemanden vom Ordnungsamt gesehen. Außer an einem verregneten Mittwochnachmittag Anfang September – wen will man da erwischen?“, sagt Britze. Letztlich sähen alle tatenlos zu. Er fragt: „Wieso wird nicht mehr kontrolliert? Ein Blitzer installiert? Wieso führt man nicht Tempo 30 ein, 24 Stunden am Tag, ein Vierteljahr lang, zum Testen?“ Auch Sonderkontrollen für Raser, Poser und Protzer, wie sie in Frankfurt stattfinden, seien ein Ansatz. Zudem kann er sich einen autofreien Sonntag vorstellen. „Während in Metropolen die Autos bereits aus den Innenstädten verbannt würden, „rennen wir hier auf den Kollaps zu“.

Der Stadt ist die Situation bekannt. „Auf der Hohemarkstraße ist viel Verkehr und es ist laut“, sagt Sprecherin Nina Kuhn auf Nachfrage dieser Zeitung. Allerdings sei der Kreuzungsbereich auch keine Stelle, über die gehäuft Beschwerden eingingen. „Und für Sonderdienste außerhalb der Dienstzeiten der Ordnungspolizei, zum Beispiel nachts, muss es immer einen Anlass geben. Es muss beispielsweise um einen Unfallschwerpunkt gehen“, unterstreicht Kuhn. Generell gebe es Geschwindigkeitskontrollen im Rahmen der Möglichkeiten. „Aber wir geben keine Auskunft darüber, wie oft wir wann und wo messen. Aber jeder, der Verkehr vor seiner Tür hat, hätte dort natürlich am liebsten jeden Tag Kontrollen.“

Auf die Schnelle lasse sich leider wenig tun. Allerdings, betont Kuhn, werde zusammen mit dem Regierungspräsidium Darmstadt weiterhin am Thema Lärmbegrenzung gearbeitet. Die Hohemarkstraße stelle einen sogenannten Lärmkonflikt dar und sei bereits Teil des Lärmaktionsplans, der aktuell landesweit in die dritte Runde gehe. 2018 sollen die nächsten gemeinsamen Maßnahmenkonzepte entwickelt werden. „Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Lärm zu reduzieren. Geschwindigkeitsbegrenzungen sind eine mögliche Maßnahme.“ Allerdings müssten bestimmte Bedingungen erfüllt sein, um Tempo 30 einzurichten (siehe weiteren Text). „Ob dies bei der Hohemarkstraße vorgeschlagen wird, können wir jetzt noch nicht abschätzen.“

Britze hat Verständnis, dass die Mühlen der Verwaltung langsam mahlen, wünscht sich aber Signale der Stadt, dass man an dem Thema dran sei. „Es muss was passieren, wenn das 10, 15 Jahre so weiter geht, drehen die Leute durch.“

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