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Eltern haben einen Titel erstritten: "Main Taunus International School": Vermieter zieht vor Gericht

Die "Main Taunus International School" kommt nicht zur Ruhe. Der Vermieter will die Schule vor die Tür setzen. Auch Eltern beklagen sich bitter über das Geschäftsgebaren des Schul-Gesellschafters. Der jedoch weist alle Vorwürfe zurück.
Die Wogen schlagen hoch an der Main Taunus International School. Der Vermieter hat wegen ausstehender Mietzahlungen der Schule gekündigt, und auch einige Eltern liegen mit dem Gesellschafter im juristischen Clinch. Foto: Jochen Reichwein Die Wogen schlagen hoch an der Main Taunus International School. Der Vermieter hat wegen ausstehender Mietzahlungen der Schule gekündigt, und auch einige Eltern liegen mit dem Gesellschafter im juristischen Clinch.
Friedrichsdorf. 

Wie geht es mit der Main Taunus International School (MTIS) weiter? Vor den Ferien hatten die Vermieter – die Rühl AG & Co. chemische Fabrik KG und Rühl Immobilien Entwicklungsgesellschaft (RIG) Bildungspark Friedrichsdorf GmbH & Co. KG, den Mietvertrag fristlos gekündigt. Der Grund: Seit November hat die Schule, verkörpert durch Gesellschafter Hans-Peter Dahlmann, der die frühere Rhein-Main-International School (Rims) 2015 übernommen hatte, keine Miete mehr gezahlt.

Daran habe sich nichts geändert, berichtet Johann Heyken, der die Vermieter vertritt, jetzt auf Anfrage. Nur Nebenkosten seien bezahlt worden. Auf unsere Anfrage bei Dahlmann erhielten wir folgende schriftliche Antwort von Dahlmanns Mitarbeiterin Waia Stavrou: „Es ist zutreffend, dass gegenwärtig keine Mietzahlungen geleistet werden, denn es liegen gutachterlich bestätigte Baumängel vor.“ Der Vermieter sei seitens Schule aufgefordert worden, diese Mängel zu beseitigen. Letzteres jedoch verweigere der Vermieter. Daher habe sich die MTIS veranlasst gesehen, von ihrem Mietminderungs- und Zurückbehaltungsrecht Gebrauch zu machen.

Heyken dagegen sagte, von Mängeln sei ihm nichts bekannt. Ihm liege kein solches Gutachten vor. Es gebe keinen Grund, die Miete um 100 Prozent zu kürzen. Er bestehe daher auf die außerordentliche Kündigung. Am 19. Oktober habe er deswegen einen Gerichtstermin. Und: „Wir lehnen jegliche weitere Zusammenarbeit mit Dahlmann ab.“ Im Übrigen sei er, Heyken, bereits in Verhandlungen mit neuen potenziellen Mietern.

Neuer Campus?

Was aus der Schule werden soll, falls sie ausziehen müsse? Stavrou schreibt, die Schule plane zurzeit mit der Firma Erwe Real Estate in Frankfurt „ein Konzept zur Umsetzung eines neuen Campus“. Der solle in der Nähe des Sportparks Friedrichsdorf entstehen. Zusagen von Investoren dafür lägen bereits vor. Friedrichsdorfs Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) dagegen sagte, die Stadt habe kein Grundstück für eine neue Schule.

Einige Eltern warten unterdessen auf die Rückzahlung der Darlehen, die sie der damaligen Rims 2015 gewährt hatten. Rund 40 Eltern hätten der Schule zwischen 1000 und 10 000 Euro geliehen. Insgesamt seien es 250 000 Euro, sagt eine Mutter. Die Darlehen hätten den Eltern zufolge am 21. Januar 2017 zurückgezahlt werden müssen. Das sei nicht geschehen. Inzwischen haben einige Eltern per Gericht einen Titel erstritten und seien damit bei der Bank gewesen. Dort aber hätten sie erfahren, dass da nichts zu holen sei. Stavrou dagegen schreibt: „Soweit . . . der Eindruck entstanden sein sollte, die Main Taunus International School habe Zahlungsschwierigkeiten, ist dies falsch.“

Einen Darlehensbetrag in Höhe von 250 000 Euro könne sie nicht bestätigen, so Stavrou weiter. Zutreffend sei, dass einige Eltern der Rims Darlehen gewährt haben. „Teilweise wurden diese Darlehen in Spenden umgewandelt“, schreibt Stavrou. Die Schule habe ein Gutachten in Auftrag gegeben, um offene Fragen in Bezug auf die Übergänge der Darlehensverträge auf die MTIS zu klären. „Sind diese Fragen geklärt, werden berechtigte Forderungen bedient.“ Die Frage, ob die Darlehensverträge auf die MTIS übergegangen seien und die MTIS daher den Darlehensgebern zur Rückzahlung verpflichtet sei, sei Gegenstand anhängiger Gerichtsverfahren. „Einige der Verfahren wurden bereits zugunsten der MTIS entschieden“, schreibt Dahlmanns Mitarbeiterin.

Nur noch auf Englisch

Einige Eltern haben inzwischen ihre Kinder von der Schule genommen. Auch weil der Unterricht nicht mehr bilingual sei, sondern nur noch auf Englisch, sagt eine Mutter. Daher sei fraglich, ob die Abschlüsse der MTIS-Kinder anerkannt würden. Hierzu betont Stavrou: „Wir erfüllen alle Erfordernisse einer anerkannten und genehmigten Ersatzschule mit einer gymnasialen Oberstufe.“ An der Schule gebe es keinen Lehrer mehr, der das International Baccalaureate (IB, internationales Abitur) abnehmen dürfe, kritisieren dagegen Eltern. Stavrou: „Wir erfüllen alle nach dem IB geforderten Voraussetzungen und haben daher die IB Akkreditierung schon zu Beginn diesen Jahres erhalten.“

In der Tat sei die MTIS eine staatlich genehmigte Ersatzschule, bekomme daher auch öffentliche Zuschüsse und dürfe schulpflichtige Kinder aufnehmen, sagte der stellvertretende Leiter des staatlichen Schulamts, André Linhart. Wie alle Privatschulen werde auch die MTIS regelmäßig überprüft. Dass an einer Schule in Hessen nicht nur fremdsprachlich, sondern auch auf Deutsch unterrichtet werden müsse, sei wichtig. „Denn wenn Schüler auf eine öffentlich-rechtliche Schule wechseln müssen, müssen sie dem Unterricht folgen können.“

Auch wenn sich Privatschullehrer beim Schulamt über fehlende Bezahlung beschwerten, werde das überprüft. Und wenn eine Schule nicht mehr alle Voraussetzungen für die staatliche Anerkennung erfülle, dann werde zusammen mit der Schule nach einer Lösung gesucht. Knall auf Fall geschlossen würde eine Privatschule dagegen nicht. „Privatschulen genießen den Schutz des Grundgesetzes“, betonte Linhart. Falls die Schule am 19. Oktober aber ohne Räume dastehen sollte, würde das Schulamt versuchen, die Schüler in öffentlich-rechtlichen Schulen unterbringen.

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