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Freunde des „Ebers“ produzieren ihren eigenen Gin: Mattschwarz wie der Taunusschiefer

Von Es klingt nicht nur wie eine Schnapsidee, es ist auch eine – und eine schmackhafte noch dazu. Drei Homburger haben ihren eigenen Gin produziert. Dafür musste aber ein Jeep dran glauben.
England im Herzen, am Leib und im Glas: Maximilian Henrichs und Philipp de Bruijn präsentieren ihren Gin, den sie gemeinsam mit Tim Hentschel produziert haben. Von der Rezeptur über das Design bis zum Verkaufsstand haben sie das gesamte Projekt selbst konzipiert. Foto: Jochen Reichwein England im Herzen, am Leib und im Glas: Maximilian Henrichs und Philipp de Bruijn präsentieren ihren Gin, den sie gemeinsam mit Tim Hentschel produziert haben. Von der Rezeptur über das Design bis zum Verkaufsstand haben sie das gesamte Projekt selbst konzipiert.
Bad Homburg. 

Die Menschen haben ja die unterschiedlichsten Hobbys und Leidenschaften. Die einen sammeln Briefmarken, die anderen spielen in ihrer Freizeit gerne Minigolf und wieder andere gehen wandern, zocken an der Konsole und werkeln im Garten. Die drei Bad Homburger Maximilian Henrichs, Philipp de Bruijn und Tim Hentschel stellen Gin her, London Dry Gin um genau zu sein. Ihr handgemachter „Irving“ kommt am Montag auf den Markt – und dürfte in der Welt der Wacholderspirituose für Aufsehen sorgen.

Schon die Flasche ist eine Augenweide: mattschwarz – in Anlehnung an den Taunusschiefer –, das Etikett nicht aufgeklebt, sondern per Siebdruck auf die Flasche gesprüht, und ein eigens entworfener Bügelverschluss, der dafür sorgt, dass der Verschluss aus hochwertigem Kunststoff und Holzkopf nicht einfach von der Flasche springt. „Irving – Real London Dry Gin“ ist vorne auf der Flasche zu lesen. Auf der Rückseite informieren die drei Herrn vom Gin wie folgt: „Wir haben den Gin nicht neu erfunden, wir haben ihn verbessert. Aus Liebe, Leidenschaft und Herzblut ist ein Gin entstanden, der euch bestimmt genauso viel Freude bereitet wie uns.“

Wow, ein ambitioniertes Ziel, welches sich Henrichs, de Bruijn und Hentschel für ihren 44,4 Volumen-Prozenter gesetzt haben. Wie kommt man eigentlich auf so eine im wahrsten Sinne des Wortes Schnapsidee? Es war ein lauer Sommerabend – so beginnen offensichtlich nicht nur gute Geschichten, sondern auch gute Ideen – , als die drei Homburger beisammen saßen, Gin tranken (Henrichs: „Eventuell einen über den Durst“) und sich über die derzeit grassierende Gin-Schwemme echauffierten. Und da dachten sich die Drei: „Was die anderen können, können wir auch.“

Wacholder muss sein

Ein ehrlicher Gin mit edlen Botanics (Aromen) von möglichst vielen Zutaten aus der Region sollte es sein. Neben der Wacholderbeere bilden Eberesche, Brombeere und Weintraube die wesentlichen Botanics, untermalt wird das ganze von Orangenblüten und einem Zitrusaroma (dabei werden tatsächlich die Blüten und kein Schalenabrieb verwendet). Viele der Gin-Sorten, die derzeit auf den Markt geworfen werden, hätten eine viel zu starke Alkohol-Note. Aber ganz ohne Alkohol geht Gin natürlich nicht – Henrichs, de Bruijn und Hentschel entschieden sich beim Grundalkohol für einen fünffach destillierten Edelkorn, der mittels frischem Quellwasser auf Trinkstärke reduziert wird. „Wir wollten einen Gin, der aber wieder nach Wacholder schmeckt, aus dem man aber auch die anderen Aromen herausschmecken kann“, erklärt de Bruijn, „es sollte ein Produkt sein, hinter dem wir alle stehen können.“

Was „Queen Mum“ gut tat . . .

Eine der legendärsten Genießerinnen von Gin war sicherlich „Queen Mum“, die jeden Tag ein Glas für sich beanspruchte. Damit wurde sie so alt, wie es sich die meisten Menschen nur wünschen können.

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Das Wollen ist das eine, das Machen das andere. Die drei Homburger haben sich also kundig gemacht, belegten Destillatkurse in Österreich, stöberten in alten Büchern. Und dann wurde mit der heimischen 1-Liter-Destille getestet, wieder und wieder, bis man den Geschmack hatte, den sie sich vorgestellt hatten. Dann ging es ins Münsterland, wo ein Bekannter über eine Kupferdestille (750 Liter) verfügt, mit der man auch im großen Stil produzieren kann.

Reine Handarbeit

Doch nicht nur die Idee und das Rezept haben sich die Homburger selbst erdacht. Auch die Abfüllung, das Bekleben der Flaschen mit dem Frischesiegel, das Anbringen der Bügel – die Jungs machen alles per Handarbeit. Und pro Charge werden zwischen 1500 und 2000 Flaschen produziert . . .

Apropos Freunde und Bekannte – ohne deren Hilfe, so sagen die drei, hätten sie ihr Projekt nicht stemmen können. „Es gab bei jedem Problem jemanden, der uns helfen konnte. Dafür sind wir verdammt dankbar“, so Henrichs. So wurde auch das Design von Flasche und Etikett von einem Produktdesigner, einem Bekannten, verfeinert. Und ein anderer Freund wird sich künftig um das Merchandising kümmern. „Vom Gin zur Marke“ lautet das Motto. Schicke Klamotten und Bartpflege sollen unter dem Label Irving vertrieben werden. De Bruijn: „Also alles, was der moderne Gentleman so braucht.“

Dass Gin zu ihrem favorisierten Getränk wurde, hat unterschiedliche Gründe. De Bruijn beispielsweise verträgt kein Bier, hat aber in der Zeit, in der er mit seiner Familie in Afrika gelebt hat, Zugang zu Gin und Tonic bekommen: „Das wird dort von morgens bis abends getrunken.“ Zudem verbindet alle Drei eine große Leidenschaft für England – das Mutterland des Gins. Das schlägt sich auch in der Alltagskleidung der Gin-Produzenten nieder. In Tweet-Sakko und -Weste ähneln sie englischen Landlords.

Wer dieses kleine Geschmackswunder probieren will, bekommt die 0,5-Liter-Flasche von Montag an zum Preis von 33,33 Euro bei Feinkost Lautenschläger und Getränke Schaller (Bad Homburg) sowie in der Kronberger Bar „Zeus hat Durst“ und im Restaurant „Merlin“ in Ruppertshain. Am Montag wird auch der Onlineshop www.irving-gin.de freigeschaltet. Mit ein wenig Glück wird demnächst auch in Amerika Irving Gin geschlürft. Henrichs: „Ich habe einen Termin in den Hamptons.“ Also dort, wo die reichen New Yorker ihre Wochenenden verbringen.

Kein Investor

Eine kleine Gewinnspanne ist natürlich eingepreist, „wir haben auch viel investiert und keinen Investor im Boot“, so Henrichs. De Bruijn hat für die Schnapsidee mit Herzblut sogar seinen Jeep verkauft. Aber dass sie mal hauptberuflich Gin-Produzenten werden? Das sei erst mal nicht geplant, erklärt Malermeister Henrichs. Er und seine Freunde wollen vorerst ihren Jobs treu bleiben. Nein, die Motivation ist eine andere. De Bruijn erklärt es so: „Es ist doch ein geiles Gefühl, wenn du in eine Bar kommst und deinen eigenen Gin bestellen kannst.“

Dennoch – um ihren „Irving“ möglichst gewinnbringend unters Volk zu bringen haben sich die Neu-Gin-Produzenten bereits einen Verkaufsstand gezimmert, mit dem es auf Messen und Feste gehen soll. Der Stand sieht aus wie die Fassade eines englischen Pubs mit Leuchten, Vorhängen und Schiefer-Theke. 200 Stunden hat Henrichs in sein mobiles Pub investiert. Dieses Wochenende kommt es erstmals zum Einsatz – bei den Hessenmeisterschaften im Dressur- und Springreiten im Kranichsteiner Hof in Darmstadt.

Der Name des neuen Gin aus Bad Homburg hat übrigens auch seine ganz eigene Geschichte. Irving, so de Bruijn, sei ein altes englisches Wort, das übersetzt so viel heißt wie: Freund des Ebers. Und eine Bitte noch: „In unseren ,Irving‘ gehört kein Gemüse“, sagen Henrichs und de Bruijn. Will heißen: keine Zitrone in diesen hammermäßigen Gin.

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