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Dem Schlafräuber auf der Spur: Mediziner berichten aus der Praxis über Ursachen, Folgen und Behandlung von Schlafproblemen

30 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Schlafproblemen. Die Homburger Ärzte Dr. Martin Trommlitz und Dr. Katja Zieber berichten aus der Praxis.
Dr. Martin Trommlitz sucht in seiner HNO-Praxis nach den Ursachen von Schlafstörungen. Foto: Jochen Reichwein Dr. Martin Trommlitz sucht in seiner HNO-Praxis nach den Ursachen von Schlafstörungen.
Bad Homburg. 

Gut schlafen ist mindestens die halbe Miete für einen guten Tag. Schon der deutsche Philosoph Schopenhauer hat gesagt: „Der Schlaf ist für den ganzen Menschen, was das Aufziehen für die Uhr.“ Der Homburger Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. Martin Trommlitz bestätigt: „Schlaf ist eine wichtige biologische Funktion, die dem Körper die Möglichkeit gibt, zu regenerieren.“

Veronica Zanfino (links) demonstriert das Anbringen des „Boppels“ zur Überwachung des Schlafes. Bild-Zoom Foto: Jochen Reichwein
Veronica Zanfino (links) demonstriert das Anbringen des „Boppels“ zur Überwachung des Schlafes.

Im Schlaf verarbeiten wir Dinge, die wir am Tag erlebt oder gelernt haben. Es entstehen neue Nervenverbindungen. Außerdem laufen verschiedene „Reparaturen“ in Hirn und Körper ab. Durchschnittlich sind sechs bis acht Stunden guter Schlaf essenziell, von der Einschlafphase, über den leichten Schlaf, den Tiefschlaf und die Traum- oder REM-Phasen. Über 30 Millionen Menschen leiden in Deutschland an Schlafproblemen oder -störungen, das zeigt zum Beispiel der DAK-Gesundheitsreport 2017.

Schlafhygiene beachten

Schlafstörungen haben unter anderem Symptome wie auffällig lange Einschlafzeiten oder häufiges nächtliches Aufwachen. Aussagen wie: „Ich habe doch genug geschlafen, trotzdem bin ich morgens total zerschlagen“, sind typisch. Wie HNO-Arzt Martin Trommlitz berichtet, klagen Patienten über eine auffällige Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwächen, Erschöpfung, depressive Zustände, Antriebs- und Lustlosigkeit. In schweren Fällen komme es zu Magen-Darm-Beschwerden oder Muskel- und Kopfschmerzen. Hier kann es schon reichen, den Hilfesuchenden mit der Schlafhygenie vertraut zu machen. Dazu gehört, nicht länger im Bett zu bleiben als unbedingt nötig. Regelmäßige Zubettgeh- und Aufstehzeiten auch am Wochenende sind anzuraten, genauso wie der Verzicht auf späte, schwere Mahlzeiten, Alkohol und Nikotin. Fernseher und Handy sollte man aus dem Schlafzimmer verbannen und stattdessen lieber auf Einschlafrituale setzen. Trommlitz rät zum „Grübelstuhl“. Das kann ein ruhiger Ort mit angenehmer Atmosphäre sein, an dem man runterfährt und sich auf den nächsten Tag vorbereitet.

Stress als Ursache

Kommt ein Patient mit Schlafstörungen zum Arzt, geht es zunächst einmal darum, die Ursachen zu erkennen. Stress und Sorgen können den Schlaf rauben. Auch bestimmte Medikamente können genauso wie Vorerkrankungen negative Auswirkungen haben. Patienten mit Tagesmüdigkeit müssen bei Dr. Trommlitz einen speziellen Fragebogen ausfüllen. Die sogenannte Epworth Sleepiness Scale (ESS), fragt, in welchen Alltagssituationen der Patient einnicken oder einschlafen würde: beim Lesen, Fernsehen, nach dem Mittagessen oder bei einem verkehrsbedingten Stopp beim Autofahren. Wer den Test mit mehr als sieben Wahrscheinlichkeit-Punkten abschließt, ist ein guter Kandidat für die Diagnose „Schlaf-Apnoe“. Weiteren Aufschluss gibt ein ambulantes Schlafscreening, die sogenannnte Polygraphie. Bei diesem kleinen Schlaflabor für Zuhause bekommt der Patient ein spezielles Gerät umgehängt, mit dem die Atmung, die Sauerstoffversorgung, der Puls, Schnarchgeräusche und sogar die Körperposition im Bett gemessen und aufgezeichnet werden. In der Praxis von Dr. Trommlitz wird der „Boppel“, so der Name des Herstellers, für eine Nacht mitgegeben. Mindestens sechs Stunden Schlaf müssen aufgezeichnet werden, damit die Werte aussagekräftig sind.

Die Hauptursache für den gestörten Schlaf ist die oben genannte Schlaf-Apnoe. Damit werden häufige und damit gefährliche Atemaussetzer im Schlaf bezeichnet. Die typische Geräuschabfolge ist: Schnarchen, dann eine unheimliche Stille, die mehr als zehn Sekunden dauert, schließlich ein explosionsartiges lautes Aufschnarchen. Das bringt nicht nur den Partner im Schlafzimmer an den Rand des Wahnsinns, weil dessen Schlaf ebenfalls empfindlich gestört ist.

Beim Betroffenen geht der Körper in einen Alarmzustand, denn der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt rapide. Er will den Menschen wecken und stößt verstärkt Adrenalin aus. „Die meisten Apnoiker merken nichts davon. Sie werden zwar kurz wach und fangen wieder an zu atmen, haben aber am nächsten Tag keine Erinnerungen daran“, so die Homburger Kieferorthopädin und Schlafmedizinerin Dr. Katja Zieber. Wie fatal die Nacht nach bis zu 600 dieser Aussetzer war, könne sie an den Augenringen des Partners ablesen – und an der eigenen Unkonzentriertheit, Fahrigkeit, depressiven Reaktionen, einem Libidoverlust und an der eigenen Tagesmüdigkeit. Die ist gefährlich, vor allem im Straßenverkehr. Sekundenschlaf am Steuer kann tödlich sein.

Das ist eine unbehandelte langfristig Apnoe auch, rechnet Zieber vor: „Apnoiker, die nichts tun, haben eine zehn Jahre kürzere Lebenserwartung. Sie bekommen so gut wie sicher Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck oder einen Herzinfarkt. Auch Diabetes Typ 2 gehört zu den Folgen. Bei einer Apnoe ist die Schlafarchitektur mit ihren unterschiedlichen Schlafphasen erheblich gestört“ erklärt sie. Kurz gesagt: Apnoiker haben keinen ausreichenden Tiefschlaf, der wiederum absolut notwendig für die geistige, seelische und körperliche Erholung ist.

Auch Kinder betroffen

In der Medizin kennt man zwei Arten von Schlafapnoen – die zentrale und die obstruktive Apnoe (OSAS), wobei die zweite die weitaus häufigere ist. Dabei erschlaffen im Schlaf die Muskeln des weichen Gaumens. Die Zunge fällt zurück und verschließt die Atemwege. Zu den Ursachen zählen neben dem Alter und dem Geschlecht – ältere Männer sind eher betroffen – Übergewicht, vergrößerte Mandeln und Polypen, Vorerkrankungen oder ein zu kleiner oder nach hinten fallender Unterkiefer. Bei leichteren Fällen kann eine individuell angepasste Unterkiefer-Protrusionsschiene helfen, sagt Zieber. Diese „Anti-Schnarchschiene“ holt den Unterkiefer nach vorne. Zungengrund und Gaumensegel erweitern sich, die Muskeln werden gestrafft, das Atmen geht wieder leichter.

Reicht das nicht, kann eine CPAP-Maske helfen, die in der Nacht getragen wird. (siehe „Infobox“). Manchmal ist auch eine Operation notwendig, weiß der HNO-Arzt Dr. Martin Trommlitz. „Ziel ist es dabei, die oberen Atemwege soweit frei zu machen, dass das Atmen im Schlaf wieder funktioniert.“ Verkrümmte Nasenscheidewände werden begradigt, wuchernde Polypen entfernt und damit der Nasenraum erweitert. Manchmal ist es nötig, den hintern Teil der Zunge zu verkleinern oder erschlafftes Gewebe mit speziellen Methoden zu straffen.

Die Fachärztin Dr. Katja Zieber betont, dass schon Kinder wegen einer falschen Unterkieferstellung an Schlafapnoe erkranken können. „Da sie darauf weniger mit Tagesmüdigkeit reagieren, sondern ständig hibbelig sind und sich nicht konzentrieren können, wird bei ihnen fälschlicherweise auf ADHS, also eine Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung, geschlossen. Dabei schlafen sie nur schlecht.“ Zieber sieht als eine mögliche Ursache für das falsche Kieferwachstum auch die falsche Atmung. „Bei Kindern, die statt durch die Nase ständig durch den Mund atmen, hängt der Unterkiefer nach unten und die Zunge liegt schlaff unten im Mund.

So kann sich der Unterkiefer nicht richtig entwickeln.“ Deshalb rät Zieber bei kindlichen Mundatmern zu einer frühzeitigen Intervention mit einem gezielten Atemtraining.

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