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Prozess: Messerattacke im Kurpark: Anklage fordert drei Jahre Haft

Von Für die Anklagevertretung steht fest: der 48-Jährige, der 2014 im Kurpark einen Mann erstechen wollte, ist des versuchten Totschlags überführt. Auslöser war wohl die Weigerung des bei seiner geschiedenen Frau lebenden Sohnes, ihn zu umarmen.
Eine Statue der Justitia ist zu sehen.   Foto: Peter Steffen/Archiv Foto: dpa Eine Statue der Justitia ist zu sehen.   Foto: Peter Steffen/Archiv
Bad Homburg. 

Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung muss sich ein 48 Jahre alter Mann derzeit vor der 22. Großen Strafkammer des Landgerichts Frankfurt verantworten. Am siebten Verhandlungstag wurde nun die Beweisaufnahme gegen den jetzt 48 Jahre alten Angeklagten mit Wohnsitz in Bad Homburg abgeschlossen. Danach folgten die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung.

Während die Anklagevertreterin Caroline Jochem den 48-Jährigen der gefährlichen Körperverletzung und des versuchten Totschlags überführt sah und eine Haftstrafe von drei Jahren beantragte, forderte der Verteidiger eine Bewährungsstrafe.

Am letzten Verhandlungstag kam der jetzt 30 Jahre alte Mann zu Wort, dem am 19. Juni 2014 die Attacke des Angeklagten im Kurpark galt und der nur mit viel Glück von schwerwiegenden Verletzungen verschont geblieben war. Danach war er mit der damals 34 Jahre alten Ex-Ehefrau des Angeklagten und deren Sohn (5), zu denen ein verwandtschaftliches Verhältnis besteht, im Kurpark spazieren. Dort sei es zu einer zufällige Begegnung mit dem Angeklagten gekommen, von dem die Frau zwei Jahre zuvor geschieden wurde.

Offenbar aus Eifersucht und Verärgerung darüber, dass sein Sohn dessen Umarmung abgelehnt habe, sei zwischen den Ex-Eheleuten Streit entstanden. Dann habe der Mann der Frau mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Als der Zeuge sich schützend vor die 34-Jährige gestellt habe, sei der Angeklagte in ein nahe gelegenes Lokal gerannt und dann mit einem großen Messer und einer Gabel zurückgekehrt. Dann habe er mit großer Wucht auf den Begleiter eingestochen. Doch der Angegriffene hatte Glück. Denn die 15 Zentimeter lange Messerklinge traf die Umhängetasche des Opfers und durchbohrte dort eine Zigarettenschachtel und den Pass des Zeugen.

Hätte der Stich den Mann getroffen, so hätte die ganze Sache tödlich ausgehen können, so die Einschätzung der Anklagevertreterin. Der Angeklagte hatte, so legte Jochem dar, zwar spontan, aber auch in Tötungsabsicht gehandelt.

Schließlich war es dem Opfer und zwei weiteren Kurparkbesuchern gelungen, den Täter bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. „Er drohte mir noch in Anwesenheit der Polizei: ,Ich werde Dich finden, Du bist ein toter Mann‘ “, trug der 30-Jährige im Gericht vor. Seiner Ex-Frau habe er bei dem vorausgegangenen Streit angekündigt, es werde Blut fließen. Das bedeute in dem türkisch-kurdischen Kulturkreis, dem der Angeklagte entstammt, dass er sie oder einen Verwandten umbringen wolle, erklärte der türkische Zeuge.

Gewalttätigkeiten waren laut weiteren Informationen in der Verhandlung bei dem Angeklagten an der Tagesordnung. Seine Frau, die Ehe wurde im Jahr 1998 geschlossen und 2012 geschieden, sei oft geschlagen worden. Einmal habe er sie gewürgt und mit einem Messer verletzt, ging aus dem Bericht des Jugendamtes hervor, das wegen häuslicher Gewalt öfters eingeschaltet worden war. Auch die vier Kinder wurden hiervon nicht verschont. Einmal habe er seinen Sohn geschlagen, weil dieser beim Fußball keine Tore geschossen habe, wurde im Gericht bekannt.

Doch der Angeklagte war in jungen Jahren auch selbst Opfer von Gewalt geworden. Sein Vater und sein Bruder hätten ihn oft geschlagen, sagte er. „Sein Leben war geprägt von Gewalt, Unterdrückung, Folter und Flucht“, berichtete der Gutachter. Der Angeklagte, ein gebürtiger Kurde, war deshalb nach Deutschland geflüchtet, wo im Asyl gewährt wurde.

Laut Gutachter handelte der Angeklagte zum Zeitpunkt der Tat nicht unter „verminderter Schuldfähigkeit“. „Er wusste, was er tat“, so der Gutachter. Das Urteil soll am kommenden Freitag verkündet werden.

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