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Martinsmarkt: Mit Sankt Martin über seinen Markt

Der historische Martinsmarkt des Fokus O. lockte am Wochenende in die Oberurseler Altstadt. Dieser Einladung folgten nicht nur zahlreiche Besucher, sondern auch der Namensgeber der Veranstaltung selbst. Wir waren mit dem Heiligen Martin unterwegs.
Jeremias, der Gaukler, unterhält das Publikum vor der Oberurseler Stadthalle. Foto: Jochen Reichwein Jeremias, der Gaukler, unterhält das Publikum vor der Oberurseler Stadthalle.
Oberursel. 

„Kann ich ein Foto mit Ihnen machen? Sie sind doch Sankt Martin?“ fragt die junge Chinesin Junzi Yang. „Aber natürlich“, sagt der Mann in mittelalterlichem Gewand, der mit Mantel, Kettenhemd und einem Korb voller Gebäck ausgestattet ist. Die beiden posieren für Yangs Begleiter, der sein Mobiltelefon noch schnell zum Fotografieren justiert. Lächeln! Geschafft. Das Paar bedankt sich und ist geradezu überschwänglich, als der historisch gekleidete Mann ihnen nach der Fotosession einen Martinsweck anbietet. Martin freut sich mit ihnen. Überhaupt ist Martin gut gelaunt, schließlich ist es sein Fest, der Martinsmarkt, der gerade in Oberursel im vollen Gang ist.

Veranstalter zeigt sich mit Zuspruch zufrieden

„Auch in diesem Jahr waren wir mit dem Verlauf des Martinsmarktes sehr zufrieden. Es waren annähernd so viele Leute da wie im vergangenen Jahr, jedoch weniger als beim diesjährigen

clearing

Zahlreiche Besucher schlendern über den mittelalterlichen Markt und erfreuen sich an den Händlern, die von Met über Gewürze bis zu Holzsäbeln einiges aus vergangener Zeit anbieten. Martin selbst verkauft „Spirituosen-Delikatessen wie selbst gemachte Liköre und Whiskys“, wie er sagt. Eigentlich heißt er Norbert Joel, kommt aus Florstadt und ist 38 Jahre alt – und nicht über 1600 Jahre alt, wie es der Heilige wäre. Außerdem stammte Sankt Martin aus dem französischen Tours.

Gebäck ist wichtiger

Der Martinstag geht auf ihn zurück und erinnert an einen Ritt im Winter des Jahres 334. Als er auf einen frierenden Bettler traf, teilte er seinen Mantel mit seinem Schwert und reichte eine Hälfte einem Bettler. Eine Tat, für die er bis heute gefeiert wird. Auch in Oberursel.

In diesem Jahr schlüpft Norbert Joel in seine Rolle und bringt seine Hefeteig-Teilchen unters Volk. Der zwei Jahre alte Pepe schaut Martin mit großen Augen an, nimmt den ihm gereichten Martinsweck sofort in den Mund und beißt rein. „Das ist der Heilige Martin“, erklären ihm seine Eltern und fragen: „Weißt du noch, ob er ein Auto oder ein Pferd hatte?“ Pepe weiß es nicht so genau und beschäftigt sich lieber mit dem Rosinenauge seines Martinsmannes.

Auch ist das, was um ihn herum passiert, viel aufregender. Hier gibt es Gaukler, singende Männer, ein Feuer lodert in seiner Nähe. Dafür scheint der sechsjährige Ben, der mit seinen Geschwistern Nio (4) und Lee (2) sowie seinen Großeltern auf dem Marktplatz unterwegs ist, genau Bescheid zu wissen. „Der Martin, der hat seinen Mantel mit einem Armen geteilt“, erklärt er und nickt bedeutungsvoll. Seine Großeltern Michael und Brigitte Deutschmann ergänzen: „Wir kommen aus Neu-Anspach und mussten die ganze Autofahrt über das Martinslied singen – und auch ,Laterne, Laterne‘“. Kaum hören die Kinder den Titel des Liedes, schon stimmen sie mit ein und laufen singend mit ihren Martinswecken in der Hand über das historische Fest.

Thema im Kindergarten

An einem Tisch sitzen Oleg (4) sowie Maxim (3) und seine Schwester Lena (6). Die Kinder decken sich mit Martinsmännern ein. „Hm, lecker“, meinen sie und kauen genüsslich. Vom Heiligen Martin hätten sie schon im Kindergarten etwas gehört, aber sie könnten sich nicht mehr genau daran erinnern.

Dafür erinnert sich Peregris Taugenichts umso mehr an die Martinssage: „Hey, Martin, teil Deinen Mantel mit mir“, meint der mittelalterlich Gewandete im Scherz. Er trägt Pfeile und Bogen auf seinem Rücken und gesellt sich auf ein Schwätzchen zu Sankt Martin. Hinzu kommt auch Kilian, der irre Ire, ein Spielmann, der die musikalische Untermalung übernimmt und des öfteren auf historischen Märkten zu Gast ist. „Der Heilige Martin hat uns Barmherzigkeit vorgelebt, daran sollten wir uns gerade in der heutigen Zeit auch mal halten“, sagt er, bevor er weiter musiziert.

Und wie sieht es in China aus? Gibt es dort auch so jemanden wie den Sankt Martin? „Einen Heiligen Martin gibt es bei uns nicht. Aber im Buddhismus soll jeder teilen und so sein wie Martin“, erklärt Junzi Yang, winkt vergnügt und zieht mit ihrem Freund lachend weiter.

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