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Stefan Ohmeis: Mit dem Nachtwächter unterwegs

Der Nachtwächter alias Stefan Ohmeis zog am Sonntag erneut durch den alten Ortskern von Kirdorf und erzählte Schmunzel-Annekdoten aus dem Jahre 1670. Er wurde dabei von rund 70 Besuchern begleitet, die ganz nebenbei einiges über die Historie des heutigen Stadtteils erfuhren.
Mit Hut und Hellebarde: Stefan Ohmeis spielte den Nachtwächter, um den Teilnehmern die Geschichte Kirdorfs zu vermitteln. Foto: Jochen Reichwein Mit Hut und Hellebarde: Stefan Ohmeis spielte den Nachtwächter, um den Teilnehmern die Geschichte Kirdorfs zu vermitteln.
Kirdorf. 

Wir schreiben das Jahr 1670. Der Ort ist nach dem Brand von 1622, als im Dreißigjährigen Krieg die Truppen des Herzogs Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel den Ort niederbrannten, wieder neu aufgebaut. Ein Nachtwächter zieht mit Hellebarde, Laterne und Signalhorn ausstaffiert durch Kirdorf, um nach dem Rechten zu schauen. „Höret, höret ihr Leut’! Wir machen jetzt weiter unsere tägliche Runde und verkündigen was geschlagen hat die Stunde“, sagt dieser, bläst in sein Horn und macht sich auf den Weg. Er geht zum Unter- und Obertor und verschließt diese, damit gefährliche Tiere und das Gesindel draußen bleiben. An machen Ecken hält er an und fordert mit lauter Stimme die Bewohner dazu auf, ins Bett zu gehen.

So oder so ähnlich könnte es sich Ende des 17. Jahrhunderts zugetragen haben. Heute verkleidet sich Stefan Ohmeis vom Heimatmuseum Kirdorf als Nachtwächter. Er ist ein echter Kirdorfer Bub, kennt die Geschichte seines Wohnorts aus dem Effeff und will Interessierten diese auch weitervermitteln. Ab und zu schlüpft er dafür in die Rolle des Nachtwächters und erzählt in Singversen von bestimmten Vorkommnissen der Zeit. Am Sonntag folgte ihm auf seinem Rundgang rund 80 Leuten, unter ihnen auch Kinder, die sichtlich Freude an den Nachtwächter-Geschichten hatten, denn dabei gab es immer auch etwas zu lachen.

Auf „Schluris“ aufpassen

„Wir kontrollieren, ob ihr das Feuer ausgemacht habt und schauen in allen Ecken, damit sich keiner kann verstecken. Wir schauen auch bei den Schluris vorbei, ob sich kein Bub teilt das Bett mit einem Kirdorfer Mädsche“, singsangte Stefan Ohmeis und erntete dafür großes Gelächter. Auch als er an einer Ecke mit den Bewohnern „schimpfte“: „Euer Vieh stinkt heute schlimmer als jeder Abort. Ihr müsst es waschen. Und wascht euch selber sonst stinkt ihr wie eure Kälber“, gab es viele Lacher unter den Besuchern, die so ganz nebenbei auch etwas über die Ortsgeschichte erfuhren. Beispielsweise, dass die Weed der tiefste Punkt von Kirdorf war und – wie man heute sagt – multifunktional genützt wurde: er diente als Feuerlöschteich, Wäsche wurde darin gewaschen, aber auch das Vieh getränkt und gesäubert. Und nicht zuletzt badete die Kirdorfer Jugend in der nicht immer sauberen Brühe. Immerhin hat keiner einen „Dubbe“ davon bekomme,. wie Nachtwächter Ohmeis konstatiert.

Auch berichtete der Nachtwächter von der Schutzhecke, die den Ortskern umgab. Diese bestand aus einem Graben, einem Wall und einer geflochtenen Hecke. Sie sollte nicht nur Diebesvolk abhalten, sondern diente vor allem als Schutz vor wilden Tieren, die somit as dem Dorf ausgesperrt wurden.

Wissen statt Rohrstock

Weiter führte die rund zwei Kilometer lange Tour die Teilnehmer am Bornplacken vorbei, an dem früher die alte Schule gestanden habe. „Herr Schulmeister waren heute wieder streng zu unseren Kindern. Sie sind lebendig, das ist doch schee“, sinnierte der Nachtwächter und riet dem Lehrer, er solle doch lieber seinen Rohrstock zu Hause lassen und den Schülern lieber sein Wissen vermitteln. Die letzte Station der Runde war schließlich das Hintertor, das ebenso wie die Oberpforte geschlossen wurde. Am Ende hieß es dann: „Die Tore sind zu, unsere Kirdorfer liegen alle im Bett“. Und während der Nachtwächter von 1670 Abend für Abend seine Runde drehen musste, wird er es 2018 erst in einigen Monaten wieder tun.

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