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Kunstwerke von Eric Wurm: Mitmachen erwünscht

Mit viel Humor, der durchaus ernstzunehmen ist: Der österreichische Künstler Erwin Wurm hebt den Betrachter auf ein Podest und verwandelt ihn in eine Skulptur – zumindest für einen Moment.
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Bad Homburg. 

Ein Mann sitzt mit aufgerichtetem Oberkörper und ausgestreckten Beinen auf einer rechteckigen Fläche, ein anderer liegt bäuchlings mit dem Kopf auf einer Sockelkante. Ein weiterer kniet mit allen vieren auf dem Boden, während ein vierter die Hose über den Kopf gezogen hat. „Be a sculpture for one minute“ steht auf einem dieser Bilder geschrieben, die mit Texten versehen alle vier Ecken eines Podestes schmücken. Es sind die Anweisungen für die berühmten „One Minute Sculptures“ von Erwin Wurm, der den Besucher auffordert, sich als lebendige Skulptur auf einen Sockel zu stellen.

Hier, bei der Freiluft-Schau im Kurpark, ist es eine rechteckige Plattform aus hellgrauem Beton, die sich leicht erhöht auf der Wiese vor den Tennisplätzen erhebt. Fünf mal drei Meter groß ist die Fläche, die zur Bühne wird für die spektakulären Werke des österreichischen Künstlers. Für einen kurzen Zeitraum kann der Besucher an diesem Ort zu einem Kunstwerk werden, sich für eine Minute oder länger vom Subjekt zum Objekt verwandeln – ganz gleich, ob er sich an die Vorgaben hält oder nicht.

„Luft anhalten und an Spinoza denken“, lautet eine dieser kuriosen Anleitungen, die unter der Skizze eines sitzenden Denkenden steht. Ebenso wie die Zeichnung mit der Aufforderung „be a dog“ den Menschen wie einen Hund im Vierfüßlerstand zeigt, während die Worte „don’t think“ das Bild eines Mannes kommentieren, der sich bereits liegend in einem Zustand der Gedankenlosigkeit befindet. Heiter und komisch, voller Witz und Humor, aber auch skurril und absurd wirken diese Handlungsanleitungen, die aber durchaus ernst zu nehmen sind. Sie fordern den Blickachsen-Besucher zur Nachahmung auf, sie laden ihn ein zur Mitwirkung an einem offenen Kunstwerk, das nur durch ihn vollendet werden kann.

Mit seiner interaktiven Kunst, die den traditionellen Begriff von Skulptur erweitert, hat Erwin Wurm die Rolle des Betrachters entscheidend verändert. Dieser steht nun nicht mehr außerhalb des Werkes, sondern in seinem Zentrum. Er wird gleichsam zur Skulptur, die für eine kurze Dauer rundum betrachtet werden kann.

Groteske Situationen

Stattgefunden hat hier ein Wechsel, eine Verschiebung der Perspektiven, die zu neuen Erfahrungen und Wahrnehmungen führen kann. Denn wer den Anweisungen des Künstlers folgt, begibt sich in eine besondere Lage. Er findet sich wieder in einer grotesken, mitunter auch peinlichen oder grenzwertigen Situation, die zum Nachdenken anregt. Vieles kommt dabei in Bewegung, viele Fragen werden aufgeworfen, wie beispielsweise nach der Wirkung und Auswirkung des „Werkes“ auf andere und auf einen selbst.

Wie fühlt es sich an, auf diese Art und Weise in der Öffentlichkeit zu stehen? Was macht es mit einem, von allen Seiten als Kunstwerk bestaunt zu werden? Vielfach werden bei der Ausführung nicht nur Grenzen überwunden, sondern auch neue Perspektiven aufgezeigt: Der Betrachter setzt sich mit sich selbst und seinem Körper auseinander, nimmt Bezug zu dem Raum und der Umgebung – und macht dabei die eine oder andere skurrile Figur.

Dies ist auch hier im Kurpark zu beobachten, wenn sich die Besucher dem Podest nähern, die Bilder betrachten und Texte lesen, dabei vielfach überrascht und irritiert wirken, zu schmunzeln oder zu lachen beginnen, um schließlich selbst auf das Podest zu steigen und eine bestimmte Stellung einzunehmen. Immer wieder neue „Kunstwerke“ entstehen auf diese Weise, fast alle bleiben länger als eine Minute und verharren in einer besonderen Situation. Manche probieren die vorgegebenen Positionen aus, andere nehmen eine eigene Haltung ein oder machen individuelle Kunststücke. Und wieder andere lassen sich einfach nur nieder, legen sich „ohne zu denken“ ab und lassen mal lieber ihren Vierbein.

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