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Moor ist die Lesung auf den Leib geschrieben

Von Ein Tausendsassa wird er genannt – Max Moor. Das ist er wohl auch, wenn man seine Vita anschaut. Doch wie er sein Publikum die Schachnovelle von Stefan Zweig am Freitag erleben ließ, zeigte, dieser Mann macht keine halben Sachen.
Max Moor Max Moor
Bad Homburg. 

Mit der Schachnovelle, dem letzten und heute bekanntesten Werk von Stefan Zweig (1881–1942), trat Max Moor in diesem Jahr erstmalig beim Poesie- und Literaturfestival auf die Bühne. Es war nicht schwer, ihn zu gewinnen, verriet später der Veranstalter, die Geschichte war dem Schauspieler, Autor, Reporter und Sänger wie auf den Leib geschrieben. Und das nicht nur, weil er gleich dem Autor den Konjunktiv liebt, wie in seiner Kultursendung am Sonntagabend zu beobachten, sondern auch, weil seinem Temperament die Dramatik der Novelle entspricht.

Durch einen Zufall wird bei dem als plump, wortkarg und nicht zu beeindrucken geschilderten 13-jährigen Mirko Czentovic eine besondere Begabung für das Schachspiel entdeckt. Der Pfarrer versucht den Jungen seit dem Tod des Vaters zu erziehen und lässt ihm jede Förderung seines Talents zukommen. Der Ich-Erzähler, ein Emigrant aus Österreich, trifft nun an Bord eines Dampfers von New York nach Buenos Aires auf den mit 20 Jahren bereits zum Weltmeister avancierten Spieler und versucht mit allen Mitteln, die Aufmerksamkeit des merkwürdigen Genies zu gewinnen. Schließlich gelingt es, Czentovic durch die Aussicht auf reichen Verdienst, finanziert vom Unternehmer McConnor, zum Simultanschach zu bewegen.

Max Moor liest mit geübter, sonorer Stimme, spielt gekonnt mit den Möglichkeiten des Sprechers, verzögert, beschleunigt, spricht leise, steigert zu voller Dynamik, wechselt geschickt zwischen Erzählen und voller Dramatik mit viel Mimik und Gestik – kurz, er nimmt die Zuhörer mit seinem leidenschaftlichen Vortrag ganz hinein in den Strom des Geschehens. Unterbrochen werden seine Sequenzen vom Emil Brandqvist Trio, einer virtuosen großartigen finnisch-schwedischen Band, die mit magischen und häufig melancholischen Klängen, mit Jazz ganz eigener Prägung, den Inhalt der Geschichte aufgreift, intensiviert und weiterführt.

Eine Partie nach der anderen wird verloren. Der Weltmeister bleibt unnahbar, begegnet den Gegenspielern mit Geringschätzung. Aufgeben kann ein McConnor nicht, und wenn es sein Vermögen kosten sollte. Da kommen von einem Fremden zwingende Vorschläge für die nächsten Züge, und zum ersten Mal stutzt Czentovic. Der Ich-Erzähler kommt mit Dr. B. ins Gespräch, erfährt von dessen grausamer Einzelhaft in einem Hotelzimmer und der Niedertracht der Gestapo-Methoden. Den Verstand rettete ihm damals ein entwendetes Schachbuch. Jetzt, 25 Jahre später, erinnert er sich genau; ein Remis gegen den Weltmeister lässt diesen erstmals menschlich reagieren. Höhepunkt der Novelle ist die Partie zwischen Dr. B. und Czentovic.

In dieser Veranstaltung stimmte einfach alles: Geniale Erzählung, hervorragend gelesen, virtuos musikalisch eingebettet – viele Male hatten die Zuhörer Anlass und Gelegenheit, ihre Begeisterung auszudrücken.

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