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Angebot für Krebspatientinnen: Mut aus der Schminktasche

Nach der Diagnose Krebs ist nichts mehr so wie früher. Chemotherapie und Bestrahlungen hinterlassen Spuren auf der Seele – und wenn die Haut fleckig wird und die Haare ausfallen auch im Gesicht und auf dem Kopf. An den Hochtaunus-Kliniken helfen Schmink-Seminare Krebspatientinnen, sich trotzdem schön zu fühlen. Das hat auch etwas mit der Aktivierung der Selbstheilungskräfte zu tun.
Mit Make-up und Puder: In Seminaren lernen Krebspatientinnen nicht nur, wie man sich schminken kann. Sie sollen a auch im übertragenen Sinne Farbe ins Leben bringen. Bilder > Mit Make-up und Puder: In Seminaren lernen Krebspatientinnen nicht nur, wie man sich schminken kann. Sie sollen a auch im übertragenen Sinne Farbe ins Leben bringen.
Bad Homburg. 

Acht Schminkspiegel stehen rund um einen bunten Blumenstrauß auf den zusammengeschobenen Tischen. Wattepads und Wattestäbchen liegen griffbereit davor. Nach und nach kommen acht Frauen in einen der Seminarräume an den Hochtaunus-Kliniken. Sie alle haben gemeinsam, dass die Diagnose Krebs ihr Leben aus den Angeln gehoben hat. Einige stehen erst am Anfang der Therapie. Andere stecken mitten drin in Chemo und Bestrahlung oder haben sie seit kurzem hinter sich. Ihre Köpfe sind mit Mützen bedeckt oder die gerade wieder nachgewachsenen Haare sind noch raspelkurz. Die Haut ist fleckig oder gerötet und sehr trocken.

Dann wird es für einen Moment wie Weihnachten: Aus gut gefüllten Taschen packen die Frauen Gläschen und Fläschchen, Lippenstifte, Tiegel und Dosen mit Puder und Lidschatten aus. Alles hochwertige Produkte, gespendet von renommierten Kosmetikfirmen. „So viele Sachen habe ich ja nicht mal zu Hause“, staunt eine der Frauen und lächelt. Auch die anderen wühlen begeistert in ihren Taschen. Die darauf gedruckten Worte „look good, feel better“ könnte der Werbespruch einer Kosmetikkette sein. In diesem Fall bedeuten sie aber so viel mehr.

Es geht auch um die Seele

Seit vielen Jahren bietet DKMS LIFE (siehe weiteren Text) unter diesem Motto Schminkkurse für Krebspatientinnen an – mit dem Ziel, ihnen in ihrer Therapie zu mehr Wohlgefühl und Lebensfreude zu verhelfen. Fünf mal im Jahr gibt es solche Kurse an den Hochtaunus-Kliniken, erklärt Fachkrankenschwester und Breast-Care-Nurse Heike Freise. „Wir wollen den Frauen zeigen, dass sie sich nicht zu verstecken brauchen.“ Das habe auch einen medizinischen Nutzen, denn die Selbstheilungskräfte werden gestärkt. „Bei den Kursen geht es auch um die Seele“, betont sie.

DKMS-Seminare stark nachgefragt

In Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als 230 000 Frauen neu an Krebs. Sie will DKMS Life, eine Tochter der gemeinnützigen DKMS GmbH (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei), mit den kostenfreien

clearing

Tatsächlich passiert Erstaunliches in diesem zweistündigen Kurs, der von Friseurin Petra Kowalewski ehrenamtlich geleitet wird. Zunächst noch vorsichtig und fast schüchtern werden die Frauen immer mutiger dabei, die Profitipps umzusetzen. Nach der Reinigung verschwinden Augenschatten und Flecken mit Hilfe eines hellen Makeup-Stifts, dann werden ein cremiges Make-up und etwas Puder aufgetragen.

Petra Kowalewski geht von Frau zu Frau, zeigt wie es geht und legt hier und da Hand an – zum Beispiel bei den Augenbrauen. Die fallen vielen Krebspatientinnen während der Chemotherapie genauso aus wie die Wimpern. Das Gesicht verliert oft an Kontur, die Frauen leiden sehr darunter. Hier hilft Petra Kowalewski mit einem Augenbrauenstift oder grauem Lidschatten nach und zeigt, wie Frau mit einem kleinen Ausmess-Trick den perfekten Brauenschwung hinbekommt. Auch für die nicht vorhandenen oder noch sehr kurzen Wimpern gibt es Tipps. Spätestens als Lidschatten und Lippenstift aufgetragen werden, lächeln die Frauen ihre Spiegelbilder an.

„Für zwei Stunden können die Frauen ihre Krebstherapie vergessen“, sagt Friseurin Petra Kowalewski. „Die Schminkseminare helfen ihnen dabei, ihr Selbstwertgefühl zu stärken.“ Selbst vor einiger Zeit zwar nicht an Krebs aber an einer schweren Nervenentzündung erkrankt, bringt sie dafür genau das richtige Einfühlungsvermögen mit. Sie druckst nicht herum, sondern sprich offen über die Probleme mit der Haut, die durch die Therapie extrem trocken wird und deshalb umso mehr gepflegt werden muss. Als eine Patientin beim Auftragen des Lippenstiftes meint „das ist jetzt aber zu viel Farbe“, kontert sie mit einem ermutigenden „auf gar keinen Fall, das sieht toll aus. Ich möchte, dass Ihr nachher alle über den roten Teppich lauft.“

Dann wird es noch mal sehr still. Seufzer sind zu hören, als es am Ende des Kurses um die richtigen Griffe für das Tuch geht, mit dem der Kopf bedeckt wird, wenn die Haare ausfallen. Zwei Frauen wollen zuerst nicht ihre Mützen absetzen. Es ist wohl weniger die Scham vor den anderen, als vielmehr der Blick in den Spiegel, den sie scheuen – und dann trauen sie sich doch. In dieser Gemeinschaft mit anderen betroffenen Frauen und einer zugewandten Leitung geht das.

Raus aus den vier Wänden

Der Kurs macht Mut, das spürt auch Gunda Klement, die an Darmkrebs erkrankt ist und gerade operiert wurde. Jetzt steht die Chemo an. Darauf will sie sich auch mit dem Kurs vorbereiten: „Ich bin jemand, der Wert auf hübsche Kleidung legt und ein gepflegtes Äußeres.“ Der Kurs gebe ihr genau das, was sie braucht. „Nämlich, dass ich mich morgens hochziehen kann, raus aus meinen vier Wänden gehe und weiter am Leben teilnehme.“ Das kann Kursleiterin Petra Kowalewski nur unterstützen und gibt ihren Frauen diesen Tipp: „Und wenn es an einem Tag ganz beschissen für Euch läuft, dann schminkt Euch und geht ein Eis essen.“

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