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Wahl in Königstein: Nadja Majchrzak und Leonhard Helm im Streitgespräch

Gut eine Woche nach dem ersten Wahlgang hat die Taunus Zeitung die beiden Kandidaten, die es in die Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters in Königstein geschafft haben, in die Redaktion eingeladen: Eine angriffslustige Nadja Majchrzak, die von der ALK nominiert wurde, trifft auf Amtsinhaber Leonhard Helm, der trotz seines CDU-Parteibuches als unabhängiger Kandidat antritt. Helm pariert die Attacken und geht zum Gegenangriff über. Das Gespräch moderierten Redaktionsleiter Matthias Kliem und Redakteur Boris Schöppner.
<span></span> Bilder > Foto: Jochen Reichwein
Königstein. 

Nadja Majchrzak (ALK) ist Helms erklärte Wunschkonkurrentin in der Stichwahl. Wegen der großen Kontraste. Was also ist es, das Majchrzak anders machen möchte als der Amtsinhaber? Ihr sei die Führung im Rathaus ganz wichtig, sowohl was den Umgang mit den Mitarbeitern der Verwaltung angehe als auch mit den politischen Kräften, sagt die Herausforderin. „Ich möchte mit allen politischen Vertretern zusammenarbeiten. Im Umgang mit den Bürgern möchte ich mehr Transparenz und sie viel stärker mit einbeziehen in die ganzen Abläufe.“ Wenn es an einem Punkt nicht weiter gehe, müsse den Bürgern gesagt werden, woran es liegt, findet die Herausforderin.

Defizite in der Umsetzung

Ihr Hauptkritikpunkt: Selbst bei Projekten, zu denen es seit Jahren Beschlüsse gibt, geht es einfach nicht weiter. „Da sehe ich schon ein Defizit in der Umsetzung, in der Führung der Verwaltung“, sagt die ALK-Kandidatin. „Ein kleines Beispiel ist, dass es sechs Jahre gebraucht hat, bis die Toilette am Kapuziner Platz aufgestellt wurde.“ Sie führt aber auch das Kurbad, den Kita-Bau und die Kreisellösung an.

Helm sieht das anders: „Als Zuschauer oder auch als Entscheider in einem großen Gremium kann man sich hinstellen und Meinungen verkünden und sagen, so und so macht man das. Aber die Details der Abarbeitung, die liegen dann in der Verantwortung im Rathaus, beim Bürgermeister.“

Bei vielen Sachfragen lägen die Probleme im Detail. „Ja, wir hatten gesagt, wir sanieren den Kindergarten in der Eppsteiner Straße, aber dafür hätten wir eine Alternativfläche benötigt, wo wir die Kinder in der Zeit der Sanierung hätten unterbringen können. Das sollte die Fläche neben der Friedrich-Stoltze sein. Doch da kam parallel der Ausbau der Friedrich-Stoltze-Schule, den wir als Stadt natürlich auch nicht blockieren können.“

Der Vorwurf der Führungsschwäche sei leicht zu erheben, sagt Helm. Er verweist aber darauf, dass am Ende die Gremien beschließen müssen und die Aufsicht die Projekte genehmigen muss. „Beim Kurbad haben wir gewusst, dass es nicht auf Kredit saniert werden darf. Da war die ganz klare Aussage der Kommunalaufsicht: ,Ihr müsst Vermögen verkaufen.‘“

Bei den gelisteten Grundstücken, die zum Verkauf standen, sei er bei den Fraktionen auf Widerstand gestoßen, eigene Vorschläge wollten diese aber auch nicht machen. Helm: „Durch diese politischen Diskussionen blockieren wir uns immer wieder gegenseitig. Das ist eine Sache, die ich eigentlich sehr schade finde.“

Auf den Vorwurf der mangelnden Transparenz erwidert er: „Transparenz haben wir in ganz großem Maße geschaffen. Sei es der öffentlich zugängliche Sitzungsdienst, seien es die Quartalsberichte oder unsere Jahresabschlüsse. All das hat einen ganz anderen Grad der Öffentlichkeit als früher. Wir haben eine enorme Öffentlichkeitsbeteiligung bei den Bebauungsplänen.“ Bei Grundstücksangelegenheiten gebe es allerdings klare gesetzliche Grenzen für die Transparenz.

Was Helm bedauert: „Es gelingt denen, die das Amt haben wollen, immer wieder zu vergessen, was wir alles in der Zeit gemacht haben. Sie werden zwar, wenn sie am Anfang einer Amtszeit hundert Themen haben, nicht 100 Themen abarbeiten können. Aber wenn sie davon 70 oder 80 Prozent gut abarbeiten, dann können Sie schon sagen: Wir haben gute Arbeit geleistet.“ So sei es gelungen, erstmalig die U-3-Betreuung in Königstein aufzubauen. „Und in Sachen Kindergarten haben wir eine Lösung, die steht jetzt kurz vor der Tür“, argumentiert Helm.

Dem widerspricht Majchrzak vehement: „Nein, wir haben nur einen Letter of Intent, eine Absichtserklärung.“ Doch für Helm ist diese gemeinschaftliche Absichtserklärung bereits eine vertragliche Bindung. Majchrzak beharrt darauf, dass beide Varianten – also auch die Sanierung am Standort Eppsteiner Straße – parallel verfolgt werden. „Ich glaube nicht, dass wir 2019 am Hardtberg einen neuen Kindergarten haben werden. Seit vier Jahren verhandeln wir. Helm sagt, wir sind auf gutem Wege, ich sehe das nicht so.“

Bei Kita auf gutem Weg

Helm: „Wir haben einen Auftrag an die Architekten vergeben, gegen den Willen der ALK, so dass sie planen können, ohne auf den städtebaulichen Vertrag warten zu müssen. Im B-Plan-Entwurf steht die Fläche präzise drin. Da gibt es überhaupt keine Diskussion drüber.“

Gibt es aber doch. Jetzt ist es Majchrzak, die jede Menge Bedenken äußert. Was ist mit der Kunstwerkstatt? Was mit den Parkplätzen? Ist das der Grund dafür, dass die ALK und sie als Bürgermeisterkandidatin mit dem Image der Nein-Sager zu kämpfen hat? Ein Vorwurf, der sich auch in den Wahlempfehlungen pro Helm von FDP, SPD, Grünen und Winfried Gann widerspiegelt.

„Das mit dem Neinsager-Image ist für mich ein Totschlagargument. Eine andere Meinung zu haben, bedeutet doch nicht nein zu sagen“, wehrt sich Majchrzak. „Dass sich das Bündnis jetzt hinter Helm versammele, war für mich nicht gerade erstaunlich.“ Sie unterscheide zwischen den Aussagen der Parteien und denen der Wähler.

Und sie verspüre eine Wechselstimmung. Schließlich hätten 67 Prozent für die drei neuen Impulse – und somit gegen Helm – gestimmt. Das sind für Helm jedoch nichts als „Rechenspielchen“. Genau so gut könne man sagen, 70 Prozent der Wähler wollen Frau Majchrzak nicht als Bürgermeisterin.

Und unter welche Überschrift wollen die beiden ihre Amtszeit als Bürgermeister stellen? Helm: „Wir haben eine Vielzahl von Aufgaben als Kommune, da können wir uns nicht zu sehr auf ein einzelnes Thema konzentrieren.“ Es geht um die Zukunftsfähigkeit der Stadt. „Wir haben ein tolles Städtchen mit einer guten Infrastruktur. Was uns fehlt, sind zwei, drei Steinchen in diesem Mosaik.“

Wo Wohnraum schaffen?

Majchrzak: „Auch mir geht es darum, das zu beenden, was wir angefangen haben. Bei mir soll es nur schneller gehen.“ Doch sie wolle eine gesamtheitliche Betrachtung der Stadtgestaltung. „Wenn ich entlang der B 8 drei neue Baugebiete schaffe, dann wird das da kollabieren.“ Sie setze auf Innenentwicklung statt auf Baugebiete auf der grünen Wiese.

Helm weist darauf hin, dass die Stadt aufgrund des Regionalplanung in der Pflicht stehe, bis 2030 1000 neue Wohnungen zu schaffen. Ein Ziel, hinter dem man ohnehin weit zurückbleibe. Zur Verdichtung merkt er an, dass die Nachbarn solcher Projekte meist nicht einverstanden seien. Majchrzak habe im Johanniswald punkten können, weil sie den Leuten gesagt habe, sie würde so ein Haus nicht zulassen. Aber: Verdichtung heiße, dass solche Lücken geschlossen würden.

An einem Punkt stimmen beide überein: Sie gehen davon aus, dass es am Sonntag, 18. Februar, ein knappes Rennen wird.

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