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Karnevalsauftakt der „Heiterkeit“: Narren trotzen der Baustelle

Die närrischen Wochen mit ihren Fremdensitzungen sind in der Kurstadt gestartet. Mit Frohsinn und einer Prise Ironie machte der Carnevalverein Heiterkeit 1919 den Anfang und wusste seine Gäste mit einem vielfältigen Programm zu unterhalten.
Und hoch mit ihr! Das klappt schon gut beim Kindertanzpaar der „Heiterkeit“, Lena Sophie und Leon. Lena Sophie feierte am Samstag, dem Tag der Fremdensitzung, ihren 9. Geburtstag. Foto: Heiko Rhode (Heiko Rhode) Und hoch mit ihr! Das klappt schon gut beim Kindertanzpaar der „Heiterkeit“, Lena Sophie und Leon. Lena Sophie feierte am Samstag, dem Tag der Fremdensitzung, ihren 9. Geburtstag.
Kirdorf. 

Dass das Bürgerhaus in Kirdorf seit einer gefühlten Ewigkeit einer Baustelle gleicht, ist kein Geheimnis. Doch was soll man als Verein machen, wenn man auf dessen Nutzung angewiesen ist? Richtig – das Beste. Und der Carnevalverein Heiterkeit wäre sicher nicht er selbst, wenn er die etwas, nennen wir sie mal komplizierten Umstände nicht prompt in sein Faschingsprogramm integriert hätte.

Homburg, helau! In den T6 – mit närrischem Aufdruck – passt nicht nur das Dreigestirn, sondern auch der ganze Hofstaat.
Zum Thema: Multivan wird zum Narromobil fürs Dreigestirn

Das Dreigestirn muss nicht mehr zu Fuß gehen. Die Firma Auto Bach stellte den diesjährigen Repräsentanten des Homburger Karnevals am Samstag einen schicken VW-Bus – einen silbernen T6-Multivan

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Pünktlich um 19.11 Uhr lichtete sich der rote Vorhang und offenbarte ein Bühnenbild, das es in sich hatte: Zwischen Bauschildern („Achtung, Rollsplitt“, „Umleitung“ oder „Abbruch, Umbruch, Aufbruch“) saßen die Würdenträger des Elferrates inmitten einer Baustelle – auf dem Kopf zunächst die Narrenkappe, danach sicherheitshalber den Bauhelm. Denn wenn die Situation schon eher bescheiden ist, nimmt es der Jeck wenigstens mit viel Humor. „Seit zwei Jahre wird hier renoviert, abgerisse, modelliert“, begrüßte der Vorsitzende Hans-Georg Zettlitzer die närrische Schar und eröffnete die Sitzung: „Dem Bauherrn hier gehört de Arsch gehaue, man kann es ja kaum glaube.“

Gleich zu Beginn ließ Protokoller Dieter Schaller das vergangene Jahr Revue passieren. Hierbei appellierte er an alle, nachzudenken, auf dass Populismus und Rechtsrutsch in der Welt entgegengewirkt werde: „Wenn die Weltgesellschaft nicht reagiert, so lang der Terror hier regiert.“ Dabei sprach er wohl vielen Zuhörern aus der Seele. Doch auch die Kurstädter Politiker bekamen ihr Fett weg, als Schaller auf die Wahlen und Ergebnisse zurückblickte: „Neun Parteien haben wir, welch’ Masse. Ich hoff, darunter gibt’s auch Klasse.“ Seiner Ansicht nach sei „gute Arbeit stets gefragt, zum Wohle unsrer Heimatstadt“.

Der OB als Baby

Um zwischendurch auch mal die Lachmuskeln zu entspannen, unterhielten die vielen tollen Tanzgruppen des Vereins ihr Publikum mit Vorführungen. Besonders erwähnenswert war der Auftritt des Mini-Balletts. Verkleidet als 22 Zwerge mit roten Zipfelmützen und Bärten, entführten sie mit ihrer kleinen Prinzessin Schneewittchen die Zuschauenden ins Märchenland.

Die wichtigsten Ehrengäste der Feierlichkeit waren aber das Dreigestirn und sein Hofstaat. Und da Neuheiten in diesem Jahr gang und gäbe sind, wurde die Proklamation prompt vorgesungen statt vorgelesen. Zwar war „Jungfrau“ Sandra I. etwas heiser, aber als Tollität beweist man(n) Professionalität und lässt sich nichts anmerken.

Selbstverständlich durfte die Homburger Politik in der Bütt nicht fehlen. Als süßer Wonneproppen verkleidet, schlüpfte OB Alexander Hetjes (CDU) in die Rolle seiner kleinen Tochter Sophie, die Papas „schweren Alltag“ mal aus ihrer Sicht schilderte. „Zu Haus’ hat Mama stets das letzte Wort, deshalb geht der Papa oft auf die Arbeit fort“, erzählte sie und sorgte für Lacher. Auch sei das Leben als Oberbürgermeister sehr anstrengend, und viel Geld würde der Papa dafür ja gar nicht kriegen. „Ohhhh“, schallte es aus dem Saal – keiner der Anwesenden wollte das so recht glauben. „Nun gut“, fuhr Sophie fort und berichtete davon, dass der Papa sogar mit dem Papst in Kontakt stünde und dieser bald in den Magistrat komme: „Denn er will dort sein, wo das Elend stets am größten ist.“ Das akzeptierten die Homburger da schon eher.

Zum krönenden Abschluss eines fünfstündigen Programms zeigten die Pitschedabbscher – verkleidet als Handwerker –, wie schnell sie den Bau des Bürgerhauses fertig gehabt hätten, hätte man nur sie beauftragt. „Stein auf Stein, die Arbeit muss bald fertig sein“, sangen sie im Chor, errichteten Mauern und eine Deluxe-Toilette, so dass die Narren nicht mehr zum Toilettenwagen in die Kälte raus mussten. Die Stadt hat in diesem Jahr aber auch mit dem Thema Toiletten zu schaffen – da spielten die Narren auf den Umstand an, dass die Verwaltung die Örtchen im Rathaus erst schloss, um sie dann nach Protesten wieder aufzumachen. Nun denn. Für den Notfall gab es auch eine Alternative – zum kleinen Preis: „Helau ihr Leute. Wer von euch muss denn mal, ich habe heut genug Eimer da.“

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