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Natur holt sich den Steinbruch zurück

Auf insgesamt 38 Hektar wird im Köpperner Wald, dem einstigen „steinernen Meer“, Quarzit abgebaut. Bei der Rekultivierung ausgebeuteter Flächen kommen auch Molche und Unken zu ihrem Recht.
Dieser Hang ist schon rekultiviert und soll den unterschiedlichsten Tieren einen Lebensraum bieten. Bislang darf sich die Natur sechs Hektar des Steinbruchs zurückerobern. Foto: Matthias Reichwein Dieser Hang ist schon rekultiviert und soll den unterschiedlichsten Tieren einen Lebensraum bieten. Bislang darf sich die Natur sechs Hektar des Steinbruchs zurückerobern.
Köppern. 

Die fast weißen Steine und der Sand aus dem Taunus Quarzit Werk, das jetzt Holcim Quarzitwerk Saalburg heißt, werden für die Herstellung von Beton, zur Aufhellung von Straßenbelägen, für den Garten- und Landschaftsbau und zum Auskleiden von Hochöfen gebraucht. „Sie sind durch nichts zu ersetzen, sagt Markus Rentsch, Direktor für Gesteinskörnungen, Transportbeton und Betonförderung bei der Holcim Deutschland GmbH.

Seit Anfang 2015 gehört der Köpperner Steinbruch zu Holcim und ist damit auch Teil des internationalen LafargeHolcim Konzerns mit Sitz in der Schweiz. Aber im Köpperner Wald nahe dem Bahnhof Saalburg wird nicht nur Gestein abgebaut. Auch die Rekultivierung von ausgebeutetem Gebiet gehört zu den Aufgaben des Unternehmens.

So liegt Holcim jetzt nicht nur die Genehmigung vor, das Abbaugebiet um 10 Hektar zu erweitern. Womit der Betrieb dort für nächsten 30 bis 40 Jahre gesichert ist. Auch die Genehmigung, nicht mehr benötigte Steinbruchteile mit Fremdmaterial zu verfüllen, ist da. Genehmigungsbehörde ist in beiden Fällen das Regierungspräsidium in Darmstadt.

100 000 Bäume gepflanzt

Insgesamt ist das Steinbruchgebiet, das Holcim von der Stadt Friedrichsdorf gepachtet hat, derzeit 38 Hektar groß. Rund sechs Hektar seien schon rekultiviert worden, berichtet Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne), der einst als Jugendlicher verbotenerweise im Steinbruch herumgeklettert ist. Thilo Orgis, Holcim-Projektmanager Lagerstätten, Genehmigungen und Umweltschutz erklärte, dass in den vergangenen drei bis vier Jahren vor allem Hangbereiche aufgeforstet worden seien, wobei mehrere 100 000 Bäume gepflanzt worden seien.

Interessant: Wichtig bei der Rekultivierung sei nicht unbedingt, dass alles wieder zu Wald werde. Denn der Steinbruch biete Tieren Lebensräume, die es im Wald gar nicht gebe. Burghardt nennt als Beispiel die Tümpel, die sich in Vertiefungen durch Regenwasser bilden, und die dann mitunter von Molchen und Unken besiedelt würden.

Diese Wasserlöcher bleiben bei der Rekultivierung erhalten. Verfüllt werden die Steinbruchstufen mit eigenem Material. Das ist Steinabfall, der nicht verkauft werden kann. Und mit Erdaushub, der von Baustellen angeliefert wird, berichtet Orgis. „Die Rekultivierung folgt nach und nach. Der jeweilige Bereich wird dem Ursprungsgelände angepasst.“

Was das eigene unbrauchbare Steinmaterial betrifft, da falle inzwischen gar nicht mehr besonders viel an, berichtet Orgis. Auf dem Gelände steht nämlich jetzt eine mehrere Millionen Euro teure Nass-Aufbereitungsanlage. „Sie verarbeitet Material, das wir früher nicht verwerten konnten, so, dass wir noch 80 Prozent davon verkaufen können. Und wenn alles ausgepresst ist, bleibt nur noch reinster Ton übrig.“

Rentsch weist zudem darauf hin, dass die Firma versuche, das Material in einem vernünftigen Umkreis zu vertreiben und allzu hohe Transportkosten zu vermeiden.

Genaue Sprengungen

Groß geschrieben werde auch die Arbeitssicherheit. Filteranlagen reduzierten Staub und Lärm. Die Sprengungen seien inzwischen so genau, dass in Köppern niemand etwas davon merke, sagt Orgis. Und Burhardt erzählt, dass früher, als noch wesentlich mehr Sprengstoff verwendet worden sei, mitunter in Köppern die Gläser in den Wohnzimmerschränken geklirrt hätten.

20 Mitarbeiter sind derzeit im Köpperner Steinbruch beschäftigt, darunter einige Aufbereitungsmechaniker. 600 000 Tonnen Quarzitprodukte wurden hier 2016 gewonnen, berichtet Orgis. Zum Vergleich: Im Jahr 1920 hatten 120 Mitarbeiter hier gearbeitet und 100 000 Tonnen Quarzit gewonnen. Der Steinbruch besteht seit dem 8. Dezember 1899, zu diesem Datum wurde das Schürfrecht für das „steinernenen Meer“ erteilt. Am 8. März 1900 wurde ein 12-Jahres-Vertrag für eine Fläche von 1,365 Hektar geschlossen, dafür musste damals eine Kaution hinterlegt werden: 3000 Goldmark in Form von Wertpapieren.

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