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Kriminalität: OB setzt auf Videoüberwachung für Bad Homburger Brennpunkte

Von Während man bei der Polizei keine Brennpunkte in der Kurstadt sieht, will die Stadt den Auswüchsen einiger Jugendlicher offensiv entgegentreten. Sozialarbeit und Videoüberwachung sollen Abhilfe schaffen.
Eine Kamera zur Videoüberwachung an einem Bürogebäude. Foto: Janne Kieselbach/Archiv Eine Kamera zur Videoüberwachung an einem Bürogebäude.
Bad Homburg. 

Die Berichterstattung dieser Zeitung über die zum Teil massiven Probleme mit Jugendlichen an bestimmten Ecken unserer Stadt hat ein großes Echo hervorgerufen. So wurde in den sozialen Netzwerken sehr engagiert diskutiert – vor allem die Frage: Was kann man gegen solche Auswüchse tun? Schnell kam der Vorwurf auf, die Behörden würden zu wenig gegen die Missstände unternehmen.

Wie berichtet, kommt es an den üblichen Treffpunkten der Jugend – Rathausplatz, hinter dem Kurhaus, in Schloss- und Jubi-Park sowie auf diversen Spielplätzen – immer wieder zu Rudelbildungen der unschönen Art. Nicht nur, dass die Jugendliche reichlich dem Alkohol frönen, es werden auch mehr oder weniger offen Drogen verkauft und konsumiert. Zudem werden Passanten angepöbelt, es kommt zu Schlägereien. Augenzeugen sprechen von einem extrem aggressiven Verhalten einiger Jugendlicher. Manche dieser Orte werden bereits von den Homburgern gemieden, vor allem die Gastronomen leiden unter der Entwicklung, die sich in den vergangenen Jahren extrem verschlimmert habe.

Bei der Polizei sieht man die Situation nicht ganz so dramatisch. „Der Rathausplatz und der Kurhausgarten werden von allen Bürgern als ansehnliche, gesellige und angenehme Aufenthaltsorte genutzt und geschätzt“, heißt es auf eine entsprechende Anfrage dieser Zeitung. Allerdings sei es auf dem Rathausplatz in der jüngeren Vergangenheit tatsächlich vereinzelt zu „Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz“ gekommen. Die Bezeichnung „Dealer-Ecke“ decke sich aber keineswegs mit den Ermittlungsergebnissen.

Auch was die Kriminalität betrifft, erkennt man bei der Polizei keine Brennpunkte – das habe die Auswertung der Einsatzberichte gezeigt. Die Plätze würden zwar besonders in der warmen Jahreszeit häufig von Jugendlichen und anderen Personengruppen aufgesucht, aber in Bezug auf Ruhestörungen sei nur ein geringes Beschwerdeaufkommen feststellbar.

Vermehrt Streife

Dennoch würden sowohl auf dem Rathausplatz als auch im Kurhausgarten regelmäßig offene und verdeckte polizeiliche Maßnahmen stattfinden. Als Reaktion auf die Vorfälle der vergangenen Wochen seien diese weiter intensiviert worden. Die Beamten der Polizeistation Bad Homburg sind angehalten, die Bereiche vermehrt in ihre Streifentätigkeit einzubeziehen. Mitunter würden Platzverweise ausgesprochen und rechtliche Verstöße konsequent verfolgt.

Keine festen Gruppen

Fragt man bei Jugendlichen in der Stadt nach, ob es unter den Jugendgruppen feste Strukturen oder Rädelsführer gibt, hört man immer wieder, dass es einen harten Kern gebe, der regelmäßig auffällig werde. Auch das hat man bei der Polizei bislang so nicht festgestellt. „Es bestehen einzelne Freundschaften, die dazu führen, dass manche Jugendliche wiederholt gemeinsam straffällig werden“, heißt es in der Antwort auf unsere Anfrage. Derzeit lägen jedoch keine Erkenntnisse darüber vor, dass es sich um feste Gruppenstrukturen handele.

Da ist die Besorgnis über die Zustände bei der Stadt und der Kur- und Kongreß-GmbH größer. Im Rathaus, erklärt OB Alexander Hetjes (CDU), sei als Reaktion auf die jüngsten Einbrüche der Sicherheitsdienst wiedereingeführt worden, der in den Abendstunden durch die Stockwerke der Verwaltung laufe und kontrolliere, ob sämtliche Türen verschlossen sind. Den Auswüchsen auf den Plätzen und Parks – die er durchaus als „Brennpunkte“ und „Schmuddelecken“ bezeichnet – will der OB „entschieden entgegentreten“. Das sei auf einer internen Sicherheitskonferenz bereits besprochen worden. Dabei sei auch der verstärkte Einsatz von Videoüberwachung eine denkbare Option. Doch Hetjes will den Fokus vor allem auf die Prävention legen. Da sei es von Vorteil, dass die Stadt als Modellkommune am Kompass-Programm des Hessischen Innenministeriums teilnimmt. In diesem werden Sicherheitskonzepte durch die beteiligten Partner – Kommune, Polizei, Bürger – erarbeitet und gemeinsam umgesetzt. Ziel ist es, die Sicherheitsarchitektur in den Kommunen individuell weiterzuentwickeln. Dazu soll auch eine mögliche Ausweitung der aufsuchenden Sozialarbeit beitragen.

Bei der Kur kennt man seine Pappenheimer ganz genau. „Einige Namen tauchen immer wieder auf“, weiß Holger Reuter zu berichten, der ebenfalls eine Verschlimmerung der Situation am Rathaus, Kurhaus und Bahnhof festgestellt hat. Vor allem der Bahnhof mit seinem Schnellimbiss sei ein Magnet für Jugendliche. Fast täglich habe man es an und in den der Kur eigenen Liegenschaften mit Vandalismusschäden zu tun. In den vergangenen Jahren habe man daher den Sicherheitsdienst – eigene und Fremdkräfte – aufgestockt, um die nächtlichen Streifen qualitativ verbessern zu können. Das Sicherheitspersonal sei dabei angehalten, deeskalierend zu agieren, was in den meisten Fällen auch funktioniere. Doch es gebe definitiv Jugendliche, denen man mit guten Worten nicht beikomme. Das grundsätzliche Problem der Security: Man kann nicht immer überall präsent sein. „Mehr Sicherheitspersonal wäre wünschenswert, aber das ist eine Frage der Kosten“, so Reuter. Mittlerweile investiere man jedes Jahr rund eine halbe Million Euro in die Sicherheit.

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