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Lindners Mann fürs Recht: Oberurseler Stefan Ruppert erlebt die spannenden Jamaika-Tage von Berlin hautnah mit

Von Er steht mit dem Minister Thomas de Maizière auf dem legendären Balkon und schlürft mit dem Minister Peter Altmaier Erbsensuppe. Der Oberurseler Stefan Ruppert sondiert für die FDP in Berlin an vorderster Front.
Ein Selfie mit dem „Chef“: Christian Lindner (rechts) und seine Parlamentarischen Geschäftsführer Stefan Ruppert, Florian Toncar und Marco Buschmann (von links). Ein Selfie mit dem „Chef“: Christian Lindner (rechts) und seine Parlamentarischen Geschäftsführer Stefan Ruppert, Florian Toncar und Marco Buschmann (von links).
Hochtaunus. 

Was passiert eigentlich, wenn sich die Türen im Haus der Parlamentarischen Gesellschaft hinter den Politikern von CDU, CSU, FDP und Grünen bei den Jamaika-Verhandlungen in Berlin schließen? Wird dann gestritten wie bei den Kesselflickern? Oder tauscht man in aller Sachlichkeit die jeweiligen Argumente aus? Gibt es Pausen und was wird gegessen? Einer, der all das aus eigenem Erleben kennt, ist der Oberurseler Dr. Stefan Ruppert. Der Liberale ist nicht nur hessischer Landesvorsitzender und Bundestagsabgeordneter, sondern auch einer der Parlamentarischen Geschäftsführer und vor allem Sondierer der FDP.

„Ich zähle aber nicht zu den Kernsondierern um Christian Lindner und Wolfgang Kubicki“, erklärt der 46-Jährige in der ihm eigenen Bescheidenheit. Aber Rupperts Stunde schlägt, wenn’s um Recht und die Innenpolitik geht – dann nämlich wird der Kreis der Experten am Verhandlungstisch erweitert. Und Ruppert ist bei der FDP für eben diese Themenfelder verantwortlich, hielt die beiden Fachvorträge in der Sondierungsrunde.

Vier Tische bilden ein Quadrat, an jeder Seite sitzt eine Partei mit sieben bis acht Leuten. Erst redet Cem Özdemir (Grüne), dann meldet sich mal Horst Seehofer (CSU) zu Wort, und die Diskussion geht in großer Runde munter weiter.

Debatte zu Papier bringen

Im Anschluss ziehen sich dann die jeweiligen Fach-Chefs zurück. Dann sitzt Ruppert mit Thomas de Maizière von der CDU, CSU-Mann Josef Herrmann oder Konstantin von Notz für die Grünen an einem Tisch. „Die vorangegangene Diskussion wird dann in ein gemeinsames Papier gegossen. Es werden die Punkte notiert, in denn wir uns einig sind und bei denen es noch Streit gibt“, so Ruppert. Erst im Anschluss, vor der Presse, gebe es dann wieder den üblichen Theaterdonner. Dann werde der Ton auch mal deutlich angeschärft, schließlich gelte es, für die eigene Klientel Heldengeschichten zu erzählen.

Weht demnächst – zumindest symbolisch – die jamaikanische Flagge über dem Deutschen Bundestag?
Auf die Typen kommt es an – oder warum FDP und ...

Nein, der große Graben verläuft nicht – wie man vielleicht vermuten würde – zwischen der CSU und den Grünen. Hier mögen inhaltlich die größten Hindernisse zu bewältigen sein bei den Jamaika-Verhandlungen.

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Und wie ist der Umgang miteinander? Debatten leben stets vom Temperament der Redner. Und natürlich spiele auch die Chemie eine Rolle. Ruppert: „Das ist immer so, wenn Menschen aufeinandertreffen.“ Gerade beim Thema Einwanderung sei der Ton mitunter rau gewesen. Aber auch das sei wieder eine Typen-Frage. De Maizière beispielsweise sei, wie er selbst, eher ein ruhiger Typ. Aber wenn Interims-Finanzminister Peter Altmaier (CDU) beispielsweise davon spreche, dass seine Partei „einige unserer Wähler“ an die FDP verloren habe, komme dies für den Moment bei den Liberalen natürlich nicht so gut an. „Die verlorenen Wähler haben nämlich nie der CDU gehört.“ Letztlich dürfe man die lauten Töne nicht überstrapazieren.

Erbsensuppe und Balkon

Und wenn doch, ist es wohl mal wieder Zeit, sich bei einer Lasagne oder einer Erbsensuppe zu stärken. Das Büfett – „eher ein kleiner Tisch“ – halte auch immer mal Kuchen parat, von dem man während der Verhandlungen „tendenziell immer zu viel“ esse. Und natürlich hat Ruppert auch schon auf dem mittlerweile legendären Balkon der Parlamentarischen Gesellschaft mal kurz durchgeschnauft.

Und warum sind es immer wieder FDP und Grüne, die nicht miteinander harmonieren? „Ist das denn so?“, fragt Ruppert. Sicher gebe es Punkte, da lägen die beiden Parteien weit auseinander. Und da lobt der Landeschef sein Gegenüber sogar: „Die Grünen wollen vor allem über inhaltliche Dinge streiten.“ Doch in einem wesentlichen Kernpunkt seien sich FDP und Grüne absolut einig: „So wie bisher können wir nicht weiterregieren!“ Und daher ist für den Oberurseler eher die Aussage von Kanzlerin Merkel – „Ich wüsste nicht, was ich ändern sollte“ – das zentrale Dilemma. Und so würde in der Union noch immer der Kernsatz Merkels und des starken Mannes an ihrer Seite, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, gelten: Die CDU bestimmt. Das sehen die FDP und die Grünen anders.

„Völlig offen“

Doch wie schmiedet man unter solchen Voraussetzungen eine Viererkoalition? „Es muss ein Mindestmaß an Vertrauen geben“, sagt Ruppert und bietet auch gleich die Kontrollfrage an, die man sich stellen müsse: „Wäre eine solche Arbeit auch dauerhaft vorstellbar?“ Oder sei das alles eher eine Sache für die einsame Insel, wo es heißt: Friss oder stirb? Für Ruppert ist der Ausgang der Sondierungsgespräche „völlig offen, 50 zu 50“. Man sei jetzt dabei, die guten Themen ins Töpfchen zu legen und die schlechten ins Kröpfchen.

Und wie erlebt er persönlich die spannenden Berliner Tage? „Na ja, ich habe noch nicht oft mit Angela Merkel an einem Tisch gesessen und verhandelt, das ist schon eine neue Erfahrung.“ Aber letztlich sei das alles ein ganz normaler Vorgang, immerhin sitze man mit „klugen Leuten“ zusammen.

Ein wenig ungewöhnlich sei sein momentaner „Berliner Lebenswandel“. Nicht nur, dass er von morgens 7 bis abends 23 Uhr auf den Beinen sei. „Ich fühle mich auch wie so ein Start-up-Mensch – jeden Tag sitzt man mit seinem Laptop in einem anderen Büro.“ Mal sitzt der 46-Jährige in der FDP-Parteizentrale, mal im Paul-Löbe-Haus (ein Funktionsgebäude des Deutschen Bundestags), mal im Café. „Büros gibt es schlicht und ergreifend noch nicht in ausreichender Zahl“, erklärt Ruppert. Die alten Abgeordneten hätten ihre Büros erst vor zwei Wochen verlassen, jetzt würden die Räumlichkeiten renoviert, neue Telefonanschlüsse verlegt. Der Oberurseler rechnet damit, dass den 80 Bundesabgeordneten der Liberalen und ihren Mitarbeitern später mal 500 Büros zur Verfügung stünden. Momentan seien gerade mal 60 davon frei.

Im Taunus und damit bei seiner Familie sei er zuletzt nur wenige Tage gewesen, in Berlin lebt er noch im Hotel. Seine alte Wohnung in Berlin-Mitte, in der er in der vorletzten Legislaturperiode gewohnt hat, ist längst vermietet. Doch die Wohnungssuche muss er hintan- stellen. Jetzt gilt es für Ruppert neben der Sondierung auch noch festzulegen, welche FDP-Abgeordnete in welchen Ausschüssen sitzen werden. Mal schauen, in welche Richtung der Weg führt – auf die Regierungsbank oder auf die harten Stühle der Opposition.

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