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Veranstaltungen: Pfarreien sauer auf die Gema

Von Ob Gospelkonzert oder Chorauftritt beim Pfarrfest – die Pfarreien müssen seit diesem Jahr für jede Aufführung urheberrechtlich geschützter Musik außerhalb von Gottesdiensten an die Gema zahlen. Das kostet sie nicht nur Geld, sondern verursacht auch einiges an organisatorischem Aufwand – und es löst Verstimmungen aus.
Die Gema macht es Pfarreien nicht leicht: Jede Musik muss nun einzeln abgerechnet werden. Bild: FNP-Grafik Die Gema macht es Pfarreien nicht leicht: Jede Musik muss nun einzeln abgerechnet werden. Bild: FNP-Grafik
Hochtaunus. 

Benno Hofmann ist verärgert. Der Schloßborner, der Mitglied im Verwaltungsrat der katholischen Pfarrei Maria Himmelfahrt im Taunus ist, hätte erwartet, dass sich Kirche und Gema auf die Fortsetzung des bisherigen Pauschalvertrags einigen und damit den Organisatoren von Festen, Konzerten oder anderer Veranstaltungen mit urheberrechtlich geschützter Musik Kosten und Bürokratie ersparen. Doch die Einigung kam nicht zustande. Die Folge: Jeder in katholischen Pfarreien, der mit Musik-Aufführungen zu tun hat, muss sich nun mit Gema-Gebühren beschäftigen. Zumindest dann, wenn die Musik außerhalb von Gottesdiensten oder liturgischen Feiern erklingt. Hintergrund ist, dass sich die Verwertungsgesellschaft Gema und der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) nicht auf die Neufassung eines in der Vergangenheit bestehenden Vertrags verständigt haben.

Wann und wie für Musik gezahlt werden muss

Bei der Gema handelt es sich um einen Zusammenschluss von Urhebern von Musikwerken (Komponisten und Textdichter) sowie Musikverlegern.

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Dieser sah vor, dass die öffentliche Nutzung von Musik mit einer Jahrespauschale pro Pfarrei vergütet wurde. Damit waren zwar nicht alle Veranstaltungen abgedeckt, aber zumindest jährlich ein Pfarr- und ein Kindergartenfest, eine Adventsfeier und ein Seniorennachmittag monatlich, sofern dafür kein Eintrittsgeld oder eine Spende erhoben wurden (siehe auch weiterer Text). Bezahlt werden musste hingegen schon immer etwa für Konzerte mit Unterhaltungsmusik.

Da der Pauschalvertrag weggefallen ist, muss nun jede einzelne noch so kleine Veranstaltung, bei der urheberrechtlich geschützte Musik erklingt, einzeln gemeldet und abgerechnet werden. Ein großer Verwaltungsaufwand, der auch auf viele Ehrenamtliche zukommt. In Schloßborn etwa betreffe dies auf jeden Fall das Pfarrfest und den Weihnachtsmarkt, sagt Hofmann. „Natürlich kann ich mich um die Meldung bei der Gema kümmern, doch das ist ein Riesenaufwand und kostet richtig Geld.“ Der Erlös, der beim Weihnachtsmarkt auch zu einem Drittel für einen guten Zwecke gespendet wird, werde sich dadurch erheblich verringern. Er ist sich sicher, dass eine Einigung mit der Gema hätte erzielt werden können. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“

Musik könnte ausfallen

Dass es dazu nicht kam, kritisiert er: „Die Leute in den Pfarreien müssen das nun ausbaden.“ Welche Kosten anfallen, hängt von vielen Faktoren ab: Je nach Art der Veranstaltung gibt es unterschiedliche Tarife. Weitere Faktoren sind die Größe des Veranstaltungsraums, die Höhe des Eintrittsgelds oder auch die Besucherzahl – etwa bei Konzerten. Gegebenenfalls müssen die aufgeführten Musiktitel aufgelistet werden. Bei einem Pfarrfest mit Live-Musik etwa richtet sich die Gebühr nach der Größe des Veranstaltungsraums und dem Eintritt. Im günstigsten Fall (Raum bis 100 Quadratmeter, bis zu 2 Euro Eintritt) sind nur knapp 24 Euro zu zahlen, bei einem doppelt so großem Raum schon die doppelte Summe.

Kritisch sieht das Auslaufen des Pauschalvertrags auch der Verwaltungsleiter der Pfarrei St. Franziskus und Klara Usinger Land, Michael Herden. „Viele Veranstaltungen, die früher einfach so gelaufen sind, sind nun Gema-pflichtig“, sagt Herden. „Das macht den Ehrenamtlichen das Leben richtig schwer.“ Er schließt nicht aus, dass dies auch Auswirkungen auf die Gestaltung von Veranstaltungen hat. „Vielleicht fällt dann auch mal die Musik bei einem Fest aus.“ Noch habe er keine Rückmeldungen aus den einzelnen Kirchorten. Auch fehle ihm noch der Überblick, was die Kosten anbelange. Die Berechnung ist schließlich nicht ganz einfach. „Was ist beispielsweise, wenn ein kleines Pfarrfest in dem 1000 Quadratmeter großen Pfarrgarten stattfindet?“, stellt er ein mögliches Szenario dar. „Das Ganze ist auf jeden Fall sehr ärgerlich.“

Erst einmal abwarten und alles wie bisher laufenlassen – das ist die Devise von Pfarrer Werner Meuer. Seine Pfarrei St. Marien in Bad Homburg-Friedrichsdorf stehe in Verhandlungen mit dem Ordinariat des Bistums Limburg. Man habe nun erst einmal alle Veranstaltungen, die betroffen sind, aufgelistet.

Gibt es noch eine Einigung?

Es sei weiterhin das Ziel, dass die Organisatoren von Pfarrfesten sich auch weiterhin nicht um Gema-Gebühren kümmern müssen. „Ich bin ganz gelassen“, meint Meuer. Im Bistum Limburg hat man mit der neuen Regelung noch nicht viele Erfahrungen gesammelt, sagt Pressesprecher Clemens Mann. „Wenn Fragen in den Pfarreien aufkommen, bietet das Bischöfliche Ordinariat gerne Beratung an“, versichert Mann.

Und manch einer hat die Hoffnung, dass es doch noch zu einer zentralen Einigung zwischen katholischer Kirche und Gema kommt, noch nicht aufgegeben. Karl Eder vom Landeskomitee der Katholiken in Bayern brachte dies jüngst zum Ausdruck, wie die dpa meldet: „Es wäre aller Mühe wert, sich noch mal an den Verhandlungstisch zu setzen und zu versuchen, für alle Pfarreien in Deutschland eine konstruktive Lösung zu finden.“

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