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Burg Königstein: Pläne für das Burgpflegewerk vorgestellt

Die beiden Burgen-Experten Nina und Gerd Strickhausen aus Lahntal sind mit der Erstellung eines Burgpflegewerks für die Burg Königstein beauftragt und stellten am Wochenende ihre Pläne vor.
Auf der Burg Königstein gibt es viel zu tun. Daher sollen ehrenamtliche Helfer auch in das Burgpflegewerk eingebunden werden. Auf der Burg Königstein gibt es viel zu tun. Daher sollen ehrenamtliche Helfer auch in das Burgpflegewerk eingebunden werden.
Königstein. 

Eine Burg zählt zu den komplexesten Aufgaben des Denkmalschutzes. Denn viele bauliche Schäden nutzen Pflanzen und Tiere aus, um sich ein Stück Natur zurückzuerobern. Das birgt Konfliktpotenzial. Denn in diesen Nischen siedeln seltene Tiere und Pflanzen. Andererseits: Werden die Schäden an der historischen Bausubstanz der Burg nicht beseitigt, dann droht weiterer Verfall. So auch bei der Burg Königstein. Teilweise mit harten Bandagen wurde daher in der Vergangenheit darum gekämpft, ob dem Natur- oder dem Denkmalschutz Vorrang eingeräumt werden solle.

An den beiden ausgewiesenen Burgen-Experten Nina und Gerd Strickhausen vom Burgenbüro Strickhausen ist es nun, diesen gordischen Knoten zu durchschlagen. Sie sollen ein Burgpflegewerk erstellen, was beide Belange berücksichtigt. Jetzt stellten sie die Methodik vor, wie dieses Kunststück gelingen soll. Den vielzitierten Gegensatz zwischen Natur- und Denkmalschutz gebe es eigentlich gar nicht, erklärte Gerd Strickhausen und versuchte damit, die Brisanz aus der Diskussion zu nehmen. Beides sei miteinander vereinbar.

Gemeinsam mit Vereinen und der Stadt Königstein wird das Ehepaar Strickhausen über eine Dauer von drei Jahren sowie anschließendem Monitoring verschiedene Musterflächen anlegen, um die Wirkung verschiedener Pflanzen- und Mörtelarten auf das Mauerwerk zu testen. Auf der Basis der dabei gewonnenen Ergebnisse wird dann ein Burgpflegewerk erstellt, das – nach einer Erfassung des Bestandes – Leitlinien zur Nutzung sowie einen Maßnahmenkatalog der anstehenden Sanierungsarbeiten nach Priorität umfassen soll.

Immerhin: Schon jetzt kann auf Erfahrungen aus anderen Projekten zurückgegriffen werden. Dabei, so Gerd Strickhausen, habe sich gezeigt, dass der Mauerbewuchs mit Gräsern und Moos nicht nur unschädlich, sondern für das Mauerwerk sogar nützlich sein kann. Demnach schützen Moosflächen den anfälligen Bereich der Mauerkrone und sorgen dafür, dass nicht zu viel Spannung im Mauerwerk entsteht. Es hat außerdem den Vorteil, dass es kein Substrat benötigt, sondern direkt auf der Mauerkrone aufgebracht werden kann. Unterstützt von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt wird das Burgenbüro daher auf den Musterflächen versuchen, herauszufinden, welcher regionaltypische Bewuchs am besten für das Mauerwerk der Burg ist.

Fehler der Vergangenheit

„Grün ist nicht gleich grün“, sagte Gerd Strickhausen. Efeu, zum Beispiel, werde nur für das Mauerwerk gefährlich, wenn man ihn am Boden abschneidet und er sich dann seinen Weg durch Mauerritzen sucht. Letztlich habe Efeu aber auch ökologische Qualitäten, die es zu berücksichtigen gelte: Er blüht spät und bietet damit den Insekten Nahrung, die wiederum Nahrungsgrundlage für Fledermäuse darstellen. Auch bei Löchern im Mauerwerk, oft Brutstätte für Vögel, sei es wichtig, erst einmal genau hinzusehen und sie nicht aus Prinzip zu verschließen, warb Strickhausen. Gerade hier seien in der Vergangenheit viele Fehler gemacht worden. „Man hat die Burgen ihrer historischen Bedeutung beraubt und gleichzeitig wichtige Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen vermindert“, sagte er. Dass solche Fehler auch auf der Burg passiert sind, räumt Königsteins Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) unumwunden ein; den Verputz im vorderen Burgbereich würde man so heute sicher nicht mehr anbringen.

Gerd Strickhausen warb dafür, kleinere Reparaturen stets sofort durchzuführen. Gerade dabei soll den ehrenamtlichen Helfern eine zentrale Rolle zukommen. Denn unter fachlicher Anleitung könnten sie weiterhin bei der Instandhaltung helfen. Besonders wichtig sei es, das Mauerwerk von Holz zu befreien.

Beweidung mit Ziegen

Auf geteiltes Echo stieß der Vorschlag Gerd Strickhausens, eine Beweidung mit Ziegen zu ermöglichen, die den Bewuchs auf natürliche Weise kurz halten. Die Tiere würden aber auch viel zerstören, hielt ein Besucher dagegen. Es bräuchte einen Ziegenhirten.

„Aus Sicht der Natur sind Burgruinen von Menschen gemachte Felsen, aus Sicht des Menschen sind es Kulturdenkmäler“, fasste Strickhausen zusammen. Berücksichtige man bauhistorische Details bei der Instandhaltung, bliebe die Burg aber weiterhin wichtiger Lebensraum für Flora und Fauna – so gehen Denkmalschutz und Naturschutz zusammen.

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