E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Bad Homburg 28°C Eine Angebot von Franfurter Neue Presse

Am Hohlebrunnen: Renaissance einer Villa

Von Für viele Homburger Juden war es ihr letzter Wohnort vor der Deportation. Seit Jahrzehnten steht das einst repräsentative Gründerzeit-Haus leer. Ein Bad Homburger Architekt will die einstige „Villa Renaissance“ nun vor dem Verfall retten.
Rückansicht: Wintergarten und Balkonbrüstung sind völlig verrostet. Foto: Jochen Reichwein Rückansicht: Wintergarten und Balkonbrüstung sind völlig verrostet.
Bad Homburg. 

Martin Corucho wohnt in der Nähe der Taunus-Therme. Auf dem Weg in sein Architekturbüro, das im Frankfurter Nordend liegt, fährt er jeden Tag an einem Objekt vorbei, das ihn immens stört – oder eher: in den Fingern juckt. Es ist die seit Jahrzehnten leerstehende Gründerzeit-Villa Am Hohlebrunnen 2 nahe dem Europakreisel. Mit etwas Mühe fand Corucho im vergangenen Jahr heraus, wem das Gebäude gehörte, und erwarb es. „Ich möchte, dass die Ecke schön wird“, erklärt er.

Dass dies bisher niemand vollbracht hat, liegt an Bürokratie und Historie: Das vermutlich 1915 errichtete Gebäude steht als Einzelkulturdenkmal unter Denkmalschutz. Möglicherweise haben die Behörden ein besonders strenges Auge auf diese Immobilie, da hier in der Nazizeit „die letzten in Bad Homburg verbliebenen jüdischen Familien bis zu ihrer Deportation zwangsweise untergebracht“ waren, wie es der Historiker Harro Kieser formulierte. Zuletzt hatte 2016 ein Projektentwickler aus Bad Vilbel Sanierungspläne, war sich aber mit Stadt und Landesdenkmalbehörde über die Details nicht einig geworden.

Warten auf Baugenehmigung

Der Bad Homburger Architekt wagt nun einen neuen Versuch. Im Namen der BauWerte GmbH, deren Geschäftsführer er ist, hat er viel in einen Entwurf investiert und im Oktober bei der Stadt einen Bauantrag eingereicht. Weil er bis jetzt nichts gehört hat, erinnerte er vorigen Freitag erneut an sein Ansinnen. „Das Bad Homburger Bauamt ist träge und für Sanierungen nicht förderlich“, moniert Corucho.

In den nächsten vier Wochen, hofft er, wird er die Baugenehmigung auf dem Tisch haben. Dann will er unverzüglich loslegen und die Villa binnen eines Jahres zu einem Schmuckstück machen. Dafür sei eine Kernsanierung notwendig, so der Fachmann. „Ins Mauerwerk ist Feuchtigkeit eingedrungen – wartet man weitere fünf Jahre, kann man das Gebäude abreißen.“

Wer um das Gebäude herumgeht, sieht, dass Rankpflanzen den Sockel umschlingen. Aus der Dachrinne wuchs kürzlich ein Bäumchen, der Wintergarten hinterm Haus ist verrostet. Der Zustand der Räume im Innern ist desolat, doch historische Elemente wie kunstvolle Bodenfliesen, Kassettentüren, Eingänge mit Jugendstil-Glaseinsätzen und ein schnörkeliges Treppengeländer sind erhalten geblieben. Diese Elemente stehen sämtlich unter Denkmalschutz und sollen aufgearbeitet und erhalten werden. Ebenso will Corucho die äußeren Balkongeländer und den Wintergarten dem historischen Vorbild annähern – laut Entwurf sollen sie künftig schwarz sein.

Das Gebäude hat 400 Quadratmeter Wohnfläche. Die Aufteilung der Zimmer will Corucho beibehalten. Von den 1920er Jahren bis 1942 (als auch die Betreiber, das Ehepaar Groß, deportiert wurden) fungierte die „Villa Renaissance“ als Kurpension, in der die „Homburger Diät“ verabreicht wurde. Die hohen Räume zur Straße hin sind – auch in den oberen Stockwerken – miteinander durch Türen verbunden.

Ausgezeichnete Fassade

Dass das Gebäude mit dieser wechselvollen Geschichte wieder bewohnt wird, ist dem Bad Homburger Corucho auch persönlich ein Anliegen. Die Bausubstanz sei schlecht; er glaube nicht, dass sich die Sanierung für ihn wirtschaftlich rechne. „Es ist ein Liebhaberstück“, erklärt er. Er kann sich vorstellen, dass sich im Erdgeschoss eine Praxis niederlässt; oben sollen Wohnungen entstehen. Die Garagen hinter dem Haus werden abgerissen; dort soll es eine großzügige Terrasse geben. Der Garten soll erhalten bleiben.

Die BauWerte GmbH saniert seit 30 Jahren Gebäude rund um Frankfurt. 2017 gewann Corucho den Fassadenwettbewerb des Bad Homburger Kur- und Verkehrsvereins für die Sanierung eines ebenfalls älteren Wohnhauses in der Elisabethenstraße 33.

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen