Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

Sorgen der Eltern: Schließung der MTIS stellt Eltern vor Probleme

Ratlosigkeit, Wut und Aufbruchsstimmung waren beim Treffen von Schulamts-Vertretern und Eltern der amtlich geschlossenen Main/Taunus International School (MTIS) zu spüren. Die Behörde machte den Müttern und Vätern keine Hoffnung, dass es bald einen neuen Schulträger in den alten Gebäuden gibt.
Mehmet Gündüz (links) und Peter Schramm sind voller Sorge. Mehmet Gündüz (links) und Peter Schramm sind voller Sorge.
Friedrichsdorf. 

Seit mehr als zwei Wochen sitze sein Sohn nun schon zu Hause, klagte Peter Schramm. Denn faktisch habe der Unterricht in der Main-Taunus International School (MTIS) schon Mitte November aufgehört. Der Vater des Schülers (11) ist sauer auf Schul-Betreiber Hans-Peter Dahlmann: „Ein einziger Mensch macht etwas kaputt – und alle Kinder müssen darunter leiden! Wir sind extra von Steinbach nach Friedrichsdorf gezogen, damit wir kurze Schulwege haben.“ Und weil es an der MTIS viel Sportunterricht gab. Jetzt muss er versuchen, irgendwo eine weiterführende Schule für sein Kind zu finden.

Auch Mehmet Gündüz aus Neu-Isenburg kam am Montagabend mit 80 weiteren Eltern zum Treffen mit dem Staatlichen Schulamt in der Aula des Friedberger Augustiner-Gymnasiums – denn die eigene Schule an der Friedrichsdorfer Hugenottenstraße ist ja ohne Strom und Heizung. Familie Gündüz zahlte bisher für zwei Söhne Schulgeld an die MTIS. Denn sie will, dass die 12 und 14 Jahre alten Jungs an der zweisprachigen Schule gut Englisch lernen. Jeden Tag chauffierte der Vater den Nachwuchs zum Unterricht nach Friedrichsdorf. Und nun? Seit Freitagabend hat die Privatschule keine Betriebserlaubnis mehr.

Die Schulbehörde habe sie Dahlmann entziehen müssen, sagte der für alle hessischen Privatschulen zuständige Vize-Amtsleiter André Linhart. Wenn der Schulbetreiber keinen Unterricht organisieren könne, dann sei die Schule tot. Außerdem habe die MTIS ohnehin nicht entsprechend der amtlichen Genehmigung unterrichtet. Sie hätte sich mehr am englischen Schulwesen orientiert, erklärte Linhart den Eltern. Dieses System könne gut sein – es entspreche aber nicht der deutschen Genehmigung.

Binnen eines Monats kann der Schulbetreiber per Eilantrag die Schließung der MTIS anfechten, sagte Schulamts-Jurist Achim Keil. Ob er das tut, ist noch unklar. Auf eine Anfrage der Taunus Zeitung reagierte Dahlmann nicht.

Hilfe des Schulamtes

Die Eltern haben bis zum 15. Dezember Zeit, eine neue Schule für ihre Kinder zu finden. Falls das nicht gelingt, hilft laut Linhart das Schulamt bei der Suche. Das tröstete die Mütter und Väter überhaupt nicht. Mit vielen Fragen und Problemen bestürmten sie die vier Schulamts-Vertreter in der Aula. Was passiere, wenn die Kinder keine Abschlusszeugnisse von der MTIS bekommen? Das sei nicht so schlimm, lautete die Antwort. An den neuen Schulen werde sowieso ihr Leistungsstand geprüft.

Sie habe schon mehrere Absagen von anderen Schulen bekommen, klagte eine weitere Mutter. Was solle sie tun? Weitersuchen, antwortete der Mann vom Schulamt. Bei der Humboldt-Schule in Bad Homburg und der Taunusschule in Königstein brauche man aber gar nicht erst anzuklopfen, so Linhart. Die seien voll. Ohne Trost blieb auch ein Elftklässler, der nun plötzlich ohne Schule da steht. Er sei nicht mehr schulpflichtig und habe wegen des Privatschulstatus auch keinen Schulabschluss, beschied Jurist Keil. Wer es an einer staatlichen Schule bis zur Elf schafft, hat immerhin den Realschulabschluss.

Manche Eltern hoffen noch, dass ein anderer Schulträger die Gebäude an der Hugenottenstraße 119 übernimmt. Doch die Leute vom Schulamt schüttelten die Köpfe. Bisher habe sich niemand gemeldet, sagte Linhart. Und die Prüfung eines Schulkonzeptes würde so lange dauern, dass die betroffenen Schüler nicht auf eine Genehmigung warten könnten.

„Unsere Kinder stehen auf der Straße – und Ihnen ist es egal!“, schimpfte daraufhin eine Mutter. So dachten nicht alle. Micha Luster etwa aus Friedrichsdorf nahm das Schulamt in Schutz: „Es ist weit über seine Verpflichtungen hinaus gegangen.“ Alle Eltern hätten die Verträge mit der MTIS gesehen und gewusst, dass sie als genehmigte Ersatzschule keine amtlich gültigen Zeugnisse ausstellen durfte. Und nachdem sich Dahlmann in Friedrichsdorf rar mache, müsse man eben per Rechtsanwalt sein Geld von ihm zurückfordern.

Zur Startseite Mehr aus Vordertaunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse