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Schnippschnapp, und der Zopf ist ab

Von Ihr geflochtener Bauernzopf war ihr ganzer Stolz – doch jetzt trägt Kristin Schieler ihre Haare plötzlich nur noch schulterlang. Den abgeschnittenen Zopf hat sie zur Herstellung von Echthaar-Perücken gespendet.
Kristin Schieler hat sich ihre langen Haare abgeschnitten, um sie für Perücken zu spenden: Für Menschen, die keine eigenen Haare mehr haben. Foto: Yvonne Späne Kristin Schieler hat sich ihre langen Haare abgeschnitten, um sie für Perücken zu spenden: Für Menschen, die keine eigenen Haare mehr haben.
Bad Homburg. 

Frauen und ihre Haare, das ist so eine Sache. Man erinnere sich nur an die Dramen, die sich regelmäßig in der TV-Show „Germany’s next Topmodel“ (GNTM) abspielen, wenn Heidi Klum ihre Mädels auffordert, sich die Haare abschneiden zu lassen. Einst trieb die Model-Mama unserer Bad Homburger GNTM-Gewinnerin Kim die Tränen in die Augen, als sie von ihr verlangte, ihre langen Haare abzuschneiden.

Auch Kristin Schieler liebt ihre Haarpracht. Dennoch ließ sie sich rund 30 Zentimeter davon abschneiden, beziehungsweise griff die 22-Jährige selbst zur Schere. Spätestens jetzt dürfte es allen Leserinnen eiskalt den Rücken runterlaufen. Was um alles in der Welt bringt eine junge Frau dazu, sich freiwillig die Haare abzuschneiden?

Ein Blick zurück: Ein gutes Dreivierteljahr ist es her, dass Schieler eine Reportage über Haarspenden im TV sah. Sofort forschte sie im Internet weiter und stieß auf die Seite haare-spenden.de. Dort wurde das Prozedere noch mal erklärt: Menschen sollen ermutigt werden, ihre Haare zur Herstellung von Echthaar-Perücken zu spenden. Die Perücken wiederum sollen Menschen zugute kommen, die aufgrund von Erkrankungen keine eigenen Haare mehr haben.

„Und da war die Idee geboren“, erzählt Kristin Schieler. Dazu muss man wissen, dass der 22-Jährigen das Helfen quasi in die Wiege gelegt wurde. Vater und Mutter sind beide Mitglieder in der Freiwilligen Feuerwehr, mit Bruder Marvin und Kristin stellt die Familie insgesamt vier Feuerwehrleute in der Einsatzabteilung. „Ich bin mit der Feuerwehr aufgewachsen, meine Eltern haben mir das vorgelebt. Das Helfen liegt mir also im Blut“, sagt die Erlenbacherin, die schon mit sechs Jahren in der Mini-Feuerwehr aktiv gewesen ist. Das sei einfach so gewesen, Widerspruch zwecklos.

Doch vor dem Abschneiden der Haare stand das Wachsenlassen. Damit die Spende auch verarbeitet werden kann, muss der abgeschnittene Zopf mindestens 25 Zentimeter lang sein. „Ich wollte aber 30 Zentimeter spenden“, erklärt die junge Frau. Da fehlten jedoch noch knapp zehn Zentimeter. Kürzlich war es aber so weit, und Kristin griff zur Schere. Vorher hatte sie ihre Haare zu einem Zopf gebunden und mit einem Lineal nachgemessen. Erst dann ging es zum Friseur.

Ein weinendes Auge

„Da wurde ich gelobt, weil ich den Zopf einigermaßen gerade abgeschnitten hatte“, sagt sie. Und wie war das so, plötzlich den eigenen Zopf in Händen zu halten? Schieler: „Ein weinendes Auge hatte ich schon. Ich habe mir immer gerne einen Bauernzopf geflochten. Darauf muss ich jetzt verzichten.“ Auch Freund Felix hat es mit Fassung getragen, als die Haare nicht mehr über den Rücken baumelten, sondern auf dem Esstisch lagen: „Es gab keine Krise, wir sind immer noch glücklich.“ Und man muss auch mal sagen, dass der jungen Feuerwehrfrau der Pagenschnitt hervorragend steht. Zurzeit erholt sich Schieler übrigens gemeinsam mit ihrer Mama Kerstin, die als einzige aus der Familie Schieler bei der Feuerwehr in Gonzenheim zum Schlauch greift, bei einer Schiffsreise zu den Kanaren von dem Haar-Schock. Und da ist doch eine Kurzhaarfrisur nur von Vorteil – oder? „Mein Bauernzopf hätte es auch getan“, sagt Kristin und wirft noch einen wehmütigen Blick auf ihre abgeschnittenen Haare. Fakt ist: Jetzt will sie die Haare erst mal wieder wachsen lassen. Aber doch nicht, um sie gleich wieder zu spenden? Kristin zögert und sagt lächelnd: „Na ja, mal sehen . . .“

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