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Römerkastell: Schüler besuchen seltener die Saalburg

Von Seit mehr als 100 Jahren lädt die Saalburg Groß und Klein dazu ein, auf den Spuren der Römer zu wandeln. Wie viele Schüler dort anschaulichen Latein- oder Geschichtsunterricht bekamen, lässt sich kaum beziffern. Aber: Es werden offenbar weniger. Wir haben bei den Schulen im Taunus nachgefragt, wie wichtig das Römerkastell als Ausflugziel noch ist.
Blick in die Vergangenheit: Kleine Römer besuchen im Jahr 2014 begeistert die Saalburg – der Trend ist mittlerweile ein anderer. Foto: (Heiko Rhode) Blick in die Vergangenheit: Kleine Römer besuchen im Jahr 2014 begeistert die Saalburg – der Trend ist mittlerweile ein anderer.
Bad Homburg. 

„Salve.“ – So könnten vor 2000 Jahren die römischen Soldaten die Wachmänner begrüßt haben, als sie nach langem Marsch mit schwerem Gepäck im Kastell auf der Saalburg ankamen. Heute öffnet sich das Haupttor, die Porta Praetoria, für alle Gäste, die auf den Spuren der Römer eine Zeitreise unternehmen wollen. Die vor über 100 Jahren wieder aufgebaute Befestigungsanlage bewachte einst die Grenze des Römischen Weltreichs, den Limes. Seit 2005 zählt das Römerkastell als Teil des Limes zum Unesco Weltkulturerbe. Ein Besuch erscheint also als ein Muss für jeden Schüler, sobald das Thema im Geschichtsunterricht durchgenommen wird. Und auch jeder, der Latein am Gymnasium als Fremdsprache nimmt, müsste hier eigentlich mal vorbeischauen.

Das war in der Vergangenheit tatsächlich auch der Fall, wird jüngst allerdings immer seltener, wie Saalburg-Direktor Dr. Carsten Amrhein auf Anfrage dieser Zeitung erklärte. „Ich kann zwar nicht dezidiert sagen, aus welchem Gebiet weniger Schulklassen kommen, immerhin reicht unser Wirkungskreis von Aschaffenburg bis Bingen und Worms, von Marburg bis Darmstadt, aber uns fällt schon auf, dass wir weniger Schüler vor allem aus der Sekundarstufe II und der Oberstufe zu Besuch haben als früher.“

Weniger Zeit für Römer

Warum das so ist, darüber hat Amrhein natürlich auch Vermutungen angestellt. „Zum einen ist es möglicherweise so, dass Latein als Fremdsprache in den Schulen auf dem Rückzug ist.“ Zum anderen mache sich auch G 8 bemerkbar. „Früher wurden Fächer wie Politik und Geschichte ganzjährig unterrichtet, heute gehören sie zu den Epochalfächern. Womit dann natürlich für die einzelnen Themen weniger Zeit bleibt. Für römische Geschichte etwa.“ Weswegen dann vermutlich auch weniger Exkursionen von Schulklassen zur Saalburg unternommen würden.

„Viel hängt natürlich vom Engagement der Lehrer ab“, weiß der Saalburg-Direktor. Er kenne solche, die seit Jahren alljährlich mit ihren Klassen zu Besuch kämen, weil das fester Bestandteil ihres Lehrplans sei. Auch der Kontakt zur Bad Homburger Humboldtschule sei eng, sagt Amrhein: „Als Unesco-Projekt-Schule ist sie uns natürlich besonders verbunden.“

Kein Rückgang bei Latein

Tatsächlich sind das auch viele andere Gymnasien des Hochtaunuskreises. Auf Anfrage erklärte zum Beispiel Jochen Henkel, seit April 2017 Schulleiter des Taunusgymnasiums in Königstein, dass an seiner Schule kein Trend erkennbar sei, wonach „die Schüler in den vergangenen Jahren Latein als zweite Fremdsprache weniger anwählen“. Hier habe man konstant zwischen 35 und 40 Schüler pro Jahrgang. Und die Sechstklässler, die mit Latein als zweite Fremdsprache beginnen würden, führen in der Regel auch zur Saalburg.

Wer lernt noch Latein und Griechisch?

Stimmt die Vermutung des Saalburg-Chefs Carsten Amrhein, dass immer weniger Schüler Latein lernen? Die Zahlen des statistischen Bundesamtes zeigen: Ja.

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Dass es prinzipiell weniger Zeit in den Epochalfächern für Exkursionen gebe, kann Henkel nicht bestätigen: „Das kann man so nicht sagen, das hängt auch von Länge des Halbjahres, den bereits geplanten Aktivitäten in den jeweiligen Jahrgangsstufen beziehungsweise dem generellen Umfang der geplanten außerunterrichtlichen Aktivitäten der Schule ab – jetzt haben wir zum Beispiel gerade ein sehr kurzes Halbjahr hinter uns, da ist es nicht immer einfach, die diversen Exkursionen umzusetzen.“

Heike Zinke, Schulleiterin des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums in Bad Homburg, betont, dass es nicht stimmt, dass es aufgrund von G 8 keine Zeit für Exkursionen gebe. Allein: „Viele Kolleginnen und Kollegen rufen die Wandertage, die jeder Klasse zustehen, gar nicht ab.“ Zinke vermutet, dass vielleicht auch zu viele Schüler die Saalburg bereits durch die Familie oder aus der Grundschule kennen. „Unsere Lateinschüler machen jedenfalls immer eine Exkursion zur Saalburg und auch nach Trier.“

Gleichwohl habe Amrhein mit einer Vermutung recht: Dem Rückgang der Lateinlerner. „Wir haben sehr unterschiedliche Erfahrungen mit den unterschiedlichen Jahrgängen gemacht. Mal haben wir eine komplette Klasse mit Latein als erste Fremdsprache, mal müssen wir mischen“, sagt Zinke. Die zweite Fremdsprache Latein werde allerdings „sehr gut angewählt“.

Die „Anwahlen für Latein sind bei uns stabil“, sagen auch die Schulleiterin der Philipp-Reis-Schule, Ellen Kaps, und ihr Kollege Volker Räuber vom Gymnasium Oberursel (GO).

Zeitmangel aufgrund von G 8 gebe es an der PRS auch nicht, sie macht nämlich G 9. Allerdings hat sich Kaps im Kollegium mal umgehört, wie es um Exkursionen auf die Saalburg steht, und ist zu einem ähnlichen Ergebnis wie Kollegin Zinke gekommen: „Viele unserer Schüler waren schon in der Grundschule dort. Mit dem Wechsel auf die weiterführende Schule ist es für uns Pädagogen daher auch wichtig, neue Ziele für sie auszusuchen. Die Saalburg steht daher nicht so ganz im Zentrum der Ausflugsziele.“

Andere Bedürfnisse

Ähnlich sieht das auch GO-Leiter Volker Räuber. „Es ist tatsächlich so, dass viele unserer Schüler bereits während der Grundschulzeit beim Römerkastell waren.“ Abgesehen davon seien die Vorstellungen und Bedürfnisse älterer, vor allem pubertierender Schüler, mit Blick auf Exkursionen möglicherweise andere als früher, sagen Kaps und Räuber unisono. „Vielleicht müsste man über das pädagogische Konzept speziell für Jugendliche nachdenken“, sagt Kaps.

Hat Amrhein natürlich längst getan. In dieser Saison geht er zum Beispiel auf die Generation Smartphone ein und deren Lust am Selfie-Machen. In er Sonderausstellung „Rom lebt!. . . und wir mittendrin“ werden zwischen April und Oktober großformatige Ölbilder mit 3D-Effekten zu sehen sein, die römisches Leben nachstellen.

Ein anderes Problem wird der Saalburg-Chef allerdings nicht so leicht lösen können, und zwar die Kosten. Damit meint Amrhein gleichwohl nicht den Saalburg-Eintrittspreis für Schüler – drei Euro – „der ist seit Jahren bei uns gleich geblieben“ – sondern für den Transport von Schülergruppen. „Ich höre immer wieder von Lehrern, wie schwierig und teuer es geworden ist, einen Bus für eine Klassenfahrt zu organisieren.“

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