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Prozesse 2017: Schuld sind immer die anderen: die besten Ausreden der Angeklagten

Von Selbst intelligente Menschen sind um die dümmsten Ausreden nicht verlegen – Hauptsache man kommt ohne Strafe davon. Dabei sind die Ausreden bisweilen unfreiwillig komisch. Die bemerkenswertesten Ausreden des Jahres 2017 hat unser Gerichtsreporter Heinz Habermehl zusammengestellt.
Um sich die Wartezeit auf den Notarzt zu verkürzen, hat ein Radler eine Wodkaflasche geleert – behauptete der Gestürzte zumindest. Pech nur, dass ihm nachgewiesen werden konnte, dass er schon angetrunken auf dem Fahrrad saß. Karikatur: Schwarze-Blanke Um sich die Wartezeit auf den Notarzt zu verkürzen, hat ein Radler eine Wodkaflasche geleert – behauptete der Gestürzte zumindest. Pech nur, dass ihm nachgewiesen werden konnte, dass er schon angetrunken auf dem Fahrrad saß. Karikatur: Schwarze-Blanke
Hochtaunus. 

Schuld sind immer die anderen, und wenn dann doch etwas passiert ist, dann waren es unglückliche Umstände. Auch in diesem Jahr waren einige Angeklagte um keine Ausrede verlegen, um einer Verurteilung durch das Gericht zu entgehen. Beweise gefällig ? Hier sind sie:

Hilfe – aber für wen?

Der Anwalt hatte mit knapp drei Promille einen Unfall gebaut, bei dem ein Schaden von 7000 Euro entstand, und sich dann zu Fuß abgesetzt. Als ihn die Polizei zu Hause ausfindig machte, sagte er, sein Vater sei der Fahrer und Unfallverursacher gewesen. Bei Gericht disponierte er um. Er sei weggegangen, um Hilfe zu holen, erzählt er der Richterin. Eine Antwort auf die Frage, für wen oder was er denn Hilfe holen wollte, blieb er schuldig. Die Folge: Geldstrafe und ein Jahr Führerscheinentzug.

Kein Bett im Kornfeld

Mit Hilfe eines Schraubenziehers hatte der mit vielen Vorstrafen belastete Mann nachts einen Einbruch in einen Bad Homburger Kiosk verübt. Doch der aus Frankfurt angereiste Ganove konnte von der Polizei festgenommen werden. In der Verhandlung gab er an, dass er gar nicht habe einbrechen, sondern eigentlich nur schlafen wollen. Jetzt darf er sieben Monate lang in der Haftanstalt schlafen, denn eine Bewährung gab es wegen der 18 Vorstrafen nicht mehr.

Wer betet, beleidigt nicht

Wegen einer Schlägerei in Bad Homburg kam die Polizei zum Einsatz. Am Tatort war auch ein junger Mann, der sich offenbar darüber ärgerte, dass ihn die Polizei nicht beachtete. Das war eigentlich nicht verwunderlich, denn der Mann war an der Auseinandersetzung gar nicht beteiligt gewesen. Trotzdem beschimpfte er die Beamten als „Hurensöhne“. Das brachte ihn wegen Beleidigung vor Gericht. Dort leugnete er diese Beschimpfung. Das könne er gar nicht getan haben, „schließlich bete ich jeden Tag mehrmals“. Die Richterin glaubte derweil den Beamten und verhängte eine Geldstrafe.

Einbruch aus Verärgerung

Bei seinem „Weihnachtsbesuch“ in Form eines Einbruchs in ein Friedrichsdorfer Lokal in der Nacht zum 26. Dezember war er von der Polizei geschnappt worden. In der Verhandlung nannte der Täter sein Motiv. Er habe sich darüber geärgert, dass er wenige Tage später ins Gefängnis einrücken müsse, um eine Haftstrafe abzusitzen. Dieser Zusammenhang erschloss sich dem Gericht nicht, deswegen gab’s auch leine mildernden Umstände: Der Gefängnisaufenthalt wurde um sechs Monate verlängert.

Zu lange gewartet

Mit 2,64 Promille war der Oberurseler im August mit seinem Drahtesel unterwegs. Bei einer Vollbremsung stürzte der Mann. Es folgte eine Anklage wegen „Trunkenheit im Straßenverkehr“. Bei Gericht bestritt der Mann die Promille-Fahrt. Er habe nach seinem Sturz so lange auf den Notarztwagen warten müssen, dass er in dieser Zeit die im Rucksack mitgeführte Wodkaflasche geleert habe, sagte er. Pech für ihn: Der Gutachter widerlegte diese Behauptung. Eine Geldstrafe folgte. Danach gab sich der Radler kleinlaut: Er habe gar nicht gewusst, dass er alkoholisiert nicht Radfahren dürfe, behauptete er. Immerhin: Jetzt weiß er es.

Die Freundin ist schuld

Dass er mit kinderpornographischen Bildern auf dem PC erwischt wurde, ist die Schuld der Ex-Freundin, behauptet der Angeklagte zumindest. Diese Behauptung führte der Friedrichsdorfer vor Gericht auch genauer aus. Denn er habe der schimpfenden Freundin versprochen, diese in ihrem Beisein zu löschen. Doch das Versprechen habe er nicht einhalten können, denn die Freundin habe sich von ihm getrennt. Diese individuelle Sicht der Dinge brachte ihm eine hohe Geldstrafe ein.

Nicht normal

Der 47-Jährige hatte auf der Straße seine Frau verprügelt. Das hielt er für normal. Es sei ja seine Frau, hatte er Passanten gesagt, die ihn daran hindern wollten. Bei Gericht bezeichnete er sich für „nicht normal“. Das würden auch alle sagen, die ihn kennen. Dennoch gab’s für ihn eine ganz normale deutliche Geldstrafe.

Tierische Rücksicht

Die Autofahrerin (42) war mit ihrem Kleinlaster in Bad Homburg gegen die Straßenlaterne gerauscht, die daraufhin in Schräglage geriet und ihren Dienst einstellte. Den Grund für ihre Fahrerflucht: Ihr im Auto sitzender Hund habe dringend nach Hause gemusst. Warum, wurde im Gericht nicht mehr geklärt. Stattdessen setzte es auch hier eine Geldstrafe von 2700 Euro.

Schlecht gelogen

Der Bad Homburger (44) war schon mehrfach wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt worden. Nun stand er deswegen erneut vor Gericht. Nach einem Verkehrsunfall im Sommer 2016 hatte er der Polizei einen gefälschten Führerschein vorgelegt. In der Verhandlung behauptete er, dass er ihn 2015 in Slowenien erworben habe. Seltsam nur, dass das „Dokument“ auf das Jahr 2013 ausgestellt war. Für die schlechte Lüge hätte er eigentlich mehr als die verhängte Geldstrafe von 1600 Euro verdient.

Männerduft für den Knast

Am Dezember-Vormittag hatte der 49 Jahre alte Usinger noch schnell einen Ladendiebstahl in Neu-Anspach begangen. Am Geld konnte es nicht gelegen haben, denn der Mann hatte ausreichend Bargeld dabei. So bleibt es Spekulation, ob der Mann, der am Nachmittag eine längere Haftstrafe antreten musste, nur auf besondere Art und Weise verduften wollte.

Fischklau aus Notwehr

Aus einem Lebensmittelgeschäft hatte der Bad Homburger (52) für 11 Euro Fisch und Schokolade gestohlen. Unrechtsbewusstsein Fehlanzeige: Der Diebstahl sei Notwehr gewesen, denn die Bank habe sein Konto gesperrt. Das sah das Gericht anders: 100 Euro Strafe.

Falsche Richtung

Wie schon oftmals zuvor, war der Mann ohne Führerschein unterwegs gewesen. Diesmal sei es ein Notfall gewesen, begründete er die Fahrt „ohne“ und die folgende Flucht vor der Polizei. Sein Vater habe einen Herzinfarkt erlitten. Den hätte er schnell ins Krankenhaus bringen müssen. Dumm nur, dass das Krankenhaus in entgegengesetzter Fahrtrichtung lag.

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