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Scouts setzen Lesezeichen für Mitschüler

Ihre Lust am Lesen weitergeben, das wollen die Lesescouts der IGS in Stierstadt. Stefanie Salomon von der Stiftung Lesen zeigte den Bücherwürmern, wie das spielerisch leicht funktioniert.
Stefanie Salomon von der Stiftung Lesen (stehend) bildet die Schüler der IGS kreativ wie spielerisch zu Lesescouts aus. Foto: (Jens Priedemuth) Stefanie Salomon von der Stiftung Lesen (stehend) bildet die Schüler der IGS kreativ wie spielerisch zu Lesescouts aus.
Stierstadt. 

Hektisch blättern die Schüler der Klasse 7b der Integrierten Gesamtschule Stierstadt (IGS) durch die Seiten der vor ihnen liegenden Bücher. Gemeinsam mit ihren Klassenkameraden müssen sie ein halbes Dutzend Bücher nach der Anzahl der Seitenzahlen ordnen. Eile ist geboten, schließlich hat eine andere Gruppe dieselbe Aufgabe und das schnellere Team gewinnt.

Stefanie Salomon blickt auf das emsige Treiben mit einem zufriedenen Lächeln. Wenn die Kinder Spaß haben, hat sie ihre Aufgabe erfüllt. Salomon ist bei der Stiftung Lesen tätig und leitet ein Seminar für Lesescouts an der IGS.

Die Aktion ist ein gemeinsames Projekt des Hessischen Kultusministeriums und der Stiftung Lesen, das an weiterführenden Schulen im ganzen Land angeboten wird. Die IGS macht seit November dieses Jahres mit. Mitte des Monats wurden in einem ersten Workshop Stimme und Sprache trainiert. Dabei lernten die Schüler die richtige Betonung beim Vorlesen oder auch, wie man mit unterschiedlicher Stimmlage spricht.

Spielerisch lernen

Im zweiten Teil des Projekts steht das spielerische Element im Vordergrund. „Es geht darum den Kindern Ideen zu vermitteln, wie man spielerisch zum Lesen anregen kann“, erklärt Salomon. Das Erlernte soll den Lesescouts helfen eigene Aktionen rund um das Lesen an der Schule anzubieten, getragen von der Absicht, ihren weniger lesebegeisterten Mitschülern einen unverkrampften Zugang zum Lesen zu ermöglichen. Die angehenden Scouts werden hierzu in Gruppen eingeteilt und müssen Bücher nach bestimmten Kriterien ordnen oder in einer Art Schnitzeljagd an mehreren Stationen verschiedene Aufgaben erfüllen – etwa Fehler in Buchtiteln finden oder einfache Fragen zum Inhalt beantworten.

Bei einem Spiel stellen sich die Kinder in einen Kreis und Seminarleiterin Salomon liest nacheinander verschiedene Aussagen hinsichtlich des Leseverhaltens und der Vorlieben der Schüler vor. Wer einer Aussage zustimmt, tritt einen Schritt nach vorne. Bei der Aussage „Bücher, die wir im Unterricht lesen, gefallen mir manchmal nicht so gut“, treten fast alle in den Kreis. „Sorry, Frau Eckhardt“, ruft ein Schüler wie aus der Pistole geschossen. Die neben ihm stehende Wilma Eckhardt nimmt’s gelassen und lacht. Sie ist Deutsch- und Englischlehrerin an der IGS. Eckhardt engagiert sich schon seit Jahren in der Leseförderung, organisiert etwa die regelmäßig stattfindenden Autorenlesungen und Schreib-Workshops der Schule. Sie hat auch den Kontakt zur Stiftung Lesen hergestellt.

„Ich will einfach, dass die Kinder Spaß am Lesen entwickeln“, sagt die Pädagogin. Die heute teilnehmenden acht Mädchen und vier Jungs gehören allesamt der von ihr geleiteten Klasse an.

Aus eigener Feder

Unter ihren Schülern sind nicht nur echte Leseratten, manch einer greift selbst zur Feder wie der dreizehnjährige Daniel. In seiner Freizeit schreibt der Schüler Kurzgeschichten, die er in Eckhardts Deutschstunde in Auszügen vorlesen darf. „Meistens schreibe ich Krimis oder Fantasy-Storys. Die aktuellste Geschichte handelt von einem Salamander und einer Eule und ist bereits 35 Seiten lang“, berichtet der Hobbyautor. Yanaphon (14) zeichnet Comics, in denen er seine Klassenkameraden als Superhelden mit außergewöhnlichen Fähigkeiten portraitiert. Für die Adventszeit hat er einen Comic-Adventskalender angefertigt, den seine Kumpels nun Tür für Tür öffnen dürfen.

Alle teilnehmenden Schüler eint die Lust am Lesen. Sarah (12) etwa liest am liebsten Krimis. Sie war auch beim Sprachtraining mit dabei. „In der letzten Deutschstunde haben wir nacheinander aus dem Buch „Damals war es Friedrich“ vorgelesen. Da hatte ich schon das Gefühl, dass der Workshop etwas gebracht hat“, erzählt die Schülerin. Wer am ersten Workshop teilgenommen habe, hätte das Erlernte weitergeben und seinen Mitschülern erklären können, auf welche Worte im Satz man die Betonung setzen müsse. „Das sind genau die Multiplikatoreffekte, die wir uns von dem Projekt erhoffen“, zeigt sich Deutschlehrerin Eckhardt zufrieden. Als nächsten Schritt plant sie mit ihren Schülern eine Leseaktion am Tag der offenen Tür.

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