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"Königstein tanzt": Seestern trifft Ginger Rogers

<span></span> Bilder > Foto: Jochen Reichwein
Königstein. 

Auf den Boden des Adelheidstifts scheint die Sonne. Ich liege auf dem Rücken, Arme und Beine sind weit ausgestreckt, und spüre die warmen Sonnenstrahlen auf meiner Haut. So also fühlt es sich an, ein „Seestern“ zu sein. Zumindest ist das der Name der Position, aus der heraus ich mich erst zu einem „Ball“ zusammenrolle, mich im nächsten Moment in einen „Igel“ verwandele und dann ganz langsam aufrichte. Allerdings nur für eine halbe Drehung und ein kurzes Stehen. Dann gleite ich auch schon wieder in Richtung Parkett.

„Das Besondere am Modern Dance ist, dass man sich sehr viel auf dem Boden bewegt“, liefert Ulrike Hemerka die Erklärung und zugleich den Beweis dafür, dass Tanzen nicht zwingend bedeutet, dass man mit beiden Beinen auf dem Boden stehen muss. Tanz ist vielfältig, kennt so viele Spielarten und jede hat ihren eigenen Reiz.

Zumindest einige davon einem größeren Publikum bekanntzumachen – dazu hat Helen Dawson die Aktion „Königstein tanzt“ auf die Beine gestellt und unter anderem Ulrike Hemerka als Mitstreiterin gewonnen.

Wirbeln und quirrlen

Unter der Anleitung der Tanz-Pädagogin „fließe“ ich vom Sitzen zum Liegen, taste und tanze mich durch eine imaginäre „Seifenblase“, rotiere wie ein „Schneebesen“, um im nächsten Moment wie ein Blatt zu schweben. Wie vom Wind getrieben, wehen wir durch den Saal, mal mache ich mich groß, mal ganz klein. Vom Boden gibt es Auftrieb und ich wirble durch die Luft, wandle mir bekannte Ballettschritte ab, versuche aus meinen Schulterblättern heraus weiche Bewegungen mit meinen Armen zu machen. Ein Blatt im Wind zu sein, kann ganz schön anstrengend werden. Daher lässt mein Sturm immer wieder etwas nach und ich rolle ruhig auf dem Boden. Nach einer kurzen Verschnaufpause bringt mich der Shuttle in die Tanzschule Kratz und zu meiner nächsten Schnupperstunde bei „Königstein tanzt“. Steppen steht an.

Und das nicht bei irgendwem. Isabell Hunkel und Helen Dawson lassen es schon seit Kindertagen klackern, sind Stammgäste bei nationalen und internationalen Meisterschaften. Bevor ich allerdings meine allerersten Steps setzen kann, muss erst einmal ein ganz grundlegendes Problem angegangen werden. Gar nicht so einfach passende Schuhe zu finden bei meinen kleinen Füßen.

Aber Isabell wird dann doch noch fündig – ein paar schwarze Lederschuhe in Größe 36 mit dem A und O an den Sohlen. Ich „ klackere“ bei jedem Schritt über den Boden. Mit den beiden Metallplatten unter meinen Füßen ist es viel rutschiger, als ich gedacht hatte. Kein Vergleich zu normalen Schuhen mit Profil.

Vorsichtig rutsche ich zu der bunt gemischten Gruppe aus Mädchen und Frauen. Meine Stepp-Premiere beginnt – mit Theorie. „Die Knie sollen immer gebeugt sein, das schont die Gelenke und man hat mehr Kraft. Dadurch werden die Schritte lauter“, erklärt Isabelle. Um überhaupt hörbare Töne erzeugen zu können, müsse immer Spannung auf dem Fuß liegen. Im Gegensatz zum Ballett wird der Fuß nicht gestreckt, sondern geflext. Dabei wird die Fußspitze nach oben gezogen, so dass ein rechter Winkel zum Schienbein entsteht.

Lasst Füße sprechen!

„Jede von euch kann steppen“, ist Helen überzeugt und lässt die Metallplatten ihrer Schuhe gleichzeitig aufschlagen. Der Klassiker – einmal mit dem ganzen Fuß kräftig aufstampfen. Dazu kommen die verschiedenen Grundschritte: Bei den „Steps“ wird mit dem Fußballen aufgetreten, bei den „Toes“ berührt nur die Fußspitze den Boden und „Heels“ heißt es, wenn mit der Ferse der Ton erzeugt wird.

„Im Steppen gibt es nicht viele Schritte, es geht um deren Kombination, die Technik des Tänzers und seine Schnelligkeit, die diese Tanzart so besonders macht. Steppen ist wie eine Sprache mit nur wenigen Buchstaben, aus der man trotzdem fast unendlich viele Sätze bilden kann“, beschreibt Helen.

Klingt doch gut, dann lassen wir mal die Füße sprechen. Leichter gesagt als getan, zumal noch „Dig Steps“ und „Dig Drops“ zum Wortschatz dazukommen. Dabei erzeugt man den Ton durch den Wechsel von der Ferse auf den Fußballen und umgekehrt. Gar nicht so einfach, das Gleichgewicht und den Takt zu halten. Aber wenn ich den Bauch anspanne, geht es. So bewegen wir uns durch den Raum und konzentrieren uns auf unsere Füße. Nicht vergessen: In die Knie gehen und Fuß flexen.

Aber richtig laute Töne wollen meine Schuhe irgendwie nicht erzeugen, bei meinen Lehrerinnen sieht das alles so viel leichter aus und hört sich vor allem so viel lauter an.

Verräter aus Leder

Zwar bringe ich einiges an Erfahrung aus dem klassischen Ballett mit, Steppen ist aber noch mal eine ganz andere Welt. „Die Arme sind beim Steppen komplett frei und nicht, wie bei anderen Tanzarten, an bestimmte Fußbewegungen gebunden“, erklärt Isabelle.

Aber da ist noch etwas, was neu für mich ist. Etwas Verräterisches. Während die Ballettschläppchen einen Fehltritt noch dezent verheimlichen, sind die Steppschuhe lederne Alarmanlagen. Durch das Klackern der Schuhe fällt es sofort auf, ob wir im Takt sind oder ob jemand einen Fehler macht.

Und das geht ziemlich schnell. Immerhin steigern wir mit jedem Durchlauf unser Tempo. Am Ende sind wir ziemlich schnell! Just in dem Moment, in dem mir das bewusst wird, habe ich auch schon den Takt verloren.

Da ist er dann, der hörbare Unterschied zu den Könnern. Wie es klackert, wenn man im Stile von Fred Astaire und Ginger Rogers die Schuhe im Gleichklang aufsetzt, zeigen Isabelle und Helen. Ihre Füße fliegen über den Boden, synchron und im Takt der Musik erzeugen sie klare und kräftige Töne. Mir bleibt da nur ein Staunen.

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