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Observatorium: „Skywalker“ im Taunus entdeckt

Von Hoch droben auf dem Kleinen Feldberg im Taunus steht in 825 Meter Höhe eine Sternwarte. Astronomen haben von dort aus schon etliche Kleinstplaneten und andere Objekte im weiten Weltraum entdeckt. Wer einmal durchs Fernrohr blicken will, braucht allerdings doppeltes Glück: Er muss einen Termin bekommen, und der Himmel muss klar sein.
Volker Heinrich blickt durch das große Teleskop auf dem Kleinen Feldberg. Seine Kollegen und er haben bereits etliche Kleinplaneten entdeckt, einer von ihnen wurde sogar „Skywalker“ genannt, nach einer Figur aus dem Science-Fiction-Mythos „Star Wars“. Foto: Heike Lyding Volker Heinrich blickt durch das große Teleskop auf dem Kleinen Feldberg. Seine Kollegen und er haben bereits etliche Kleinplaneten entdeckt, einer von ihnen wurde sogar „Skywalker“ genannt, nach einer Figur aus dem Science-Fiction-Mythos „Star Wars“.
Glashütten. 

Dunkel, eiskalt, dicke Nebelsuppe. Die Straße entlang des Großen Feldbergs ist kaum noch auszumachen. Jetzt muss es irgendwo links abgehen zum Taunusobservatorium. Ja, da taucht der Parkplatz am Kleinen Feldberg aus dem Dunst auf. Von hier aus führt ein Feldweg durch den Wald zum abgeriegelten Grundstück der Frankfurter Goethe-Universität. Ohne Begleitung eines Repräsentanten darf niemand durch das zweiflügelige Stahltor.

Denn dahinter verbirgt sich auf einer Fläche von etwa elf großen Fußballfeldern eine Außenstelle des Instituts für Meteorologie und Geophysik. Sie beherbergt unter anderem eine Erdbebenwarte, eine Station des Deutschen Wetterdienstes, eine Luftmessstelle, verschiedene Antennenanlagen – sowie die Hans-Ludwig-Neumann-Sternwarte, die vom Physikalischen Verein Frankfurt betrieben wird. Etliche Kleinplaneten und Asteroiden wurden da oben schon entdeckt, auch mitunter gefährlich erdnahe Objekte, genannt NEO (Near Earth Object).

Blick auf die beiden Sternenkuppeln des Physikalischen Vereins auf dem Kleinen Feldberg im Taunus, die Haube links ist geöffnet. Bild-Zoom Foto: Heike Lyding
Blick auf die beiden Sternenkuppeln des Physikalischen Vereins auf dem Kleinen Feldberg im Taunus, die Haube links ist geöffnet.

Volker Heinrich (56), Präsidiumsmitglied des Vereins, öffnet das Tor des Geländes – und hinein geht es in eine Welt, in der die Zeit ein wenig stehengeblieben sein muss. Kein Wunder: Der Physikalische Verein gründete das Taunusobservatorium im Jahr 1913. Aus dieser Zeit stammen das zweistöckige Wohngebäude mit Krüppelwalmdach am Eingang, in dem bis 2009 täglich ein Beobachter des Deutschen Wetterdienstes seiner Arbeit nachgegangen ist.

Das erste Schwedenhaus

Nur wenige Meter weiter auf der anderen Seite steht ein weiteres Steinhaus, sehr gepflegt mit großer Gaube, das einst der Universitäts-Verwalter mit seiner Familie bewohnte.

Blickfang ist, obwohl ein wenig hinter Bäumen versteckt, „das erste Schwedenhaus Deutschlands“, wie Hobby-Astronom Volker Heinrich weiß. 1913 weihte es der Physikalische Verein als Gästehaus für das neu eröffnete Taunusobservatorium ein.

Das Holzhaus soll 1910 zur Weltausstellung in Brüssel gebaut und später in den Taunus gebracht worden sein. Am 20. August 1913 trug sich Kaiser Wilhelm II. als Erster in das Gästebuch des Schwedenhauses ein. Ihm folgte Antonie von Reinach, die als größte Mäzenin damals die neue Wetterbeobachtungsstation mitfinanzierte.

Mitten auf dem Kegel

Die alte Erdbebenwarte, die nur wenige Meter vor dem Eingangshäuschen zur neuen Warte steht, ist heute ein Museum. Auch wenn heute niemand mehr dauerhaft dort oben wohnt, so hält dort immer ein Universitäts-Mitarbeiter die neuen Anlagen im Blick.

Um die Luftmessstation, den Antennen- und Funkturm, aber vor allem die Sternwarte zu sehen, muss der Besucher weiter dem Weg folgen, der mitten in das kreisrunde Areal führt, das exakt auf dem Kegel des Kleinen Feldbergs (825 Meter) liegt. Ein idealer Platz, um den Sternenhimmel über dem Taunus zu beobachten.

„Wir haben hier in den letzten Jahren ungefähr 300 neue Kleinplaneten entdeckt. Einen von ihnen haben seine Entdecker ,Frankfurt‘ getauft“ – die Amateurastronomen Erwin Schwab und Rainer Kling fanden den Asteroiden mit etwa zwei bis drei Kilometern Durchmesser in der Nacht vom 15. auf den 16. September 2007. Zum Zeitpunkt der Entdeckung war der Asteroid etwa 280 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Kleinplanet Frankfurt bewegt sich auf einer Bahn zwischen Mars und Jupiter. Für einen Umlauf um die Sonne braucht er 4,5 Jahre.

„Den größten medialen Erfolg hatten wir freilich mit dem Namen „Skywalker“, den ein anderer Kleinplanet erhielt“, erinnert sich Volker Heinrich. Seine Augen leuchten, als er von Kugelsternhaufen und pulsierenden Quasaren in 9,7 Milliarden Lichtjahren Entfernung spricht, die er durchs große Teleskop mit seinem 60-Zentimeter-Spiegel in klaren Nächten beobachten kann. Unvergessen bleibt ihm diese eine klare Nacht, als die Luft um den Berg quasi stand und er den Saturn in 1200facher Vergrößerung bestaunen konnte.

Die beiden grauen etwa sieben Meter hohen Beobachtungskuppeln – von den Vereinsmitgliedern selbst gebaut – stehen mitten auf dem Scheitelpunkt des zweithöchsten Taunusberges. Ihre Sockel sind jeweils aus massivem Beton gefertigt, die Hüllen aus Glasfaser sowie der Holzboden sind erschütterungsfrei um die Stative herumgebaut, so dass sich keine Vibrationen auf das Teleskop übertragen können. Im Laptop hat Heinrich die Koordinaten zahlreicher Objekte gespeichert. Damit steuert sein Rechner das Teleskop.

Das schwere, etwa 2,50 Meter lange Teil, das quer auf seinem Fundament liegt, wird per Elektromotor leise und schnell in jede Richtung bewegt. Die Kuppel darüber schwenkt auf wie das Dach eines Cabrios und kann sich in alle Richtungen drehen.

Astrokamera

20 Jahre alt wird das große Spiegelteleskop im kommenden Jahr. Ein Augsburger Ingenieur hatte es Ende der 90er Jahre als Prototyp für ein eigenes gebaut, Spiegel und optisches System in Russland bestellt. Was macht diese Sternwarte besonders? „Wir haben hier ein Fernrohr für zwei unterschiedliche Modi: einen zur Beobachtung und einen, um eine Astrokamera zu betreiben“, erläutert Volker Heinrich.

Ein Fernrohr definiert sich vor allem über den Lichtbündelungsfaktor. Freilich ist dieses System mit seinem 60 Zentimeter großen Spiegel nicht mit den 8,4-Meter-Riesen auf dem Mount Graham in Arizona zu vergleichen. „Fernrohre wie dieses sind aber wichtig für Standardmessungen“, weiß Heinrich. Etwa zehn von ihnen gibt es in ganz Deutschland, ein etwas größeres gar im nahen Trebur. „Mehr Beobachtungsplätze lohnen sich nicht, weil der Himmel in Deutschland zu oft bewölkt ist.“

Beobachtungen, die auf dem Kleinen Feldberg gemacht werden, melden die Sterngucker an das „Minor Planet Center“. Dort werden alle Beobachtungen von Kometen und Kleinplaneten registriert und ausgewertet. Normalerweise blicken die Mitglieder des Physikalischen Vereins durch das Teleskop, das in der Sternwarte des Frankfurter Senckenbergmuseums steht. Dort wird zurzeit jedoch umgebaut. Deshalb nutzen die Astronomen verstärkt ihr Domizil auf dem Kleinen Feldberg (siehe weiteren Text).

In dieser Nacht ist es kalt in den Kuppeln. Eine Heizung gibt es nicht. Zudem macht den Mitgliedern des Vereins immer wieder die Feuchtigkeit zu schaffen, Nebel ist vor allem im Herbst ein häufiger Gast. Auch deshalb bleibt diesmal der Blick ins Universum verwehrt. Dennoch gibt es genug zu sehen da oben auf dem Kleinen Feldberg – für jene, die hineindürfen.

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