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Rotes Kreuz: So erleben Rettungskräfte die Laurentiuskerb

Die Laurentiuskerb in Usingen ist das größte Fest im Usinger Land. Während im Zelt und auf dem Rummelplatz gefeiert wird, stellen die Ehrenamtlichen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ein Mammutprogramm auf die Beine. Unsere Reporterin Monika Schwarz-Cromm hat eine Nacht im DRK-Einsatzzelt verbracht.
Ein Lächeln und gute Laune beim Job gehören für die DRK-Mitarbeiter Jonas Wegmann (links) und Saskia Spangenberg dazu. Selbst wenn das Equipment überprüft wird. Bilder > Ein Lächeln und gute Laune beim Job gehören für die DRK-Mitarbeiter Jonas Wegmann (links) und Saskia Spangenberg dazu. Selbst wenn das Equipment überprüft wird.
Usingen. 

Die einen feiern, die anderen arbeiten. Ich gehöre ebenfalls zu denen, die am Samstagabend arbeiten, interessiere mich auf der Kerb aber weniger für den Rummel und die Band im Festzelt als für die Leute im DRK-Zelt.

Ich stelle mir vor, dass es dort sicherlich so richtig rund geht an einem solchen Tag. Befürchte, mit schlimmen Verletzungen und viel Blut konfrontiert zu werden und bin ziemlich erstaunt, ein völlig entspanntes DRK-Team vorzufinden. „Ist Ihnen nicht mulmig zumute vor solch einer Mammutveranstaltung?“, frage ich verwundert. Denn im Einsatzzelt, das sich das DRK mit der Polizei teilt, herrscht gute Stimmung. Große Pizzen werden gerade vertilgt. „So ist das nun mal“, sagt Bereitschaftsleiter Rolf Schmitt lächelnd, „ohne Mampf kein Kampf.“

Bereits am Vortag mit Discoparty im Zelt sei es entspannt zugegangen. Schmitt spricht von rund acht Einsätzen während des Freitagabends, der für das DRK so gegen 2.30 Uhr endete. „Wir mussten Schnittwunden und auch einen umgeknickten Fuß behandeln“, berichtet er. Und er macht keinen Hehl daraus, wie froh er ist, wenn es so verhältnismäßig ruhig zugeht und nichts Schlimmes passiert. Kann ich gut verstehen.

Im Festzelt ist längst das obligatorische Bierfass angestochen und die Band spielt sich warm. Laut dringt die Musik bis hierher ins Einsatzzelt. Dazu das Gedudel vom Rummelplatz, die Unterhaltungen der Einsatzkräfte – keine einfache Atmosphäre für ein Interview. So richtig eng wird es dann jedesmal, wenn der Himmel wieder die Schleusen öffnet, was er am Samstagabend intensiv macht. Dann kommen Rotkreuzler und Polizisten hereingestürmt, um nicht nass zu werden.

Monique als „Meldekopf“

Mit einem technischen Einsatzwagen gekoppelt, ist dieses Zelt auch gleich die Nachrichten-Verteilerbox. Beim DRK ist das der „Meldekopf“. Ein Job, den Monique Ermentreud an diesem Abend ausübt und alle eingehenden Anfragen und Meldungen annimmt und sofort weiterleitet. Ihr Ehemann Nils fungiert in dieser Nacht als Einsatzleiter. Bereitschaftsleiter Rolf Schmitt hat natürlich ebenfalls Dienst. 15 Einsatzkräfte sind sie an diesem Abend. Und an den anderen Kerbetagen sieht das nicht anders aus.

Die Polizei ist mit 14 Kollegen erschienen. Sie tragen kugelsichere Westen. Warum nur die Polizei und nicht auch die Sanitäter? „Weil wir erst zum Einsatz kommen, wenn die Polizei die Streithähne auseinandergebracht hat“, erklärt Rolf Schmitt ganz sachlich. Um immer auf dem Laufenden zu sein, fahren zwei DRK-Kameraden jede Stunde mit einem voll ausgestatteten ATV-Quad „Streife“ bis hoch zur Bahnhofstraße. Und es sind den ganzen Abend zwei Sanitäter zu Fuß mit Rucksack auf dem Rücken im Festtrubel unterwegs. Sie sind stets per Funk erreichbar und zeigen mit ihrer Anwesenheit bei der Bevölkerung Präsenz. Das sei sehr wichtig, betont Schmitt.

Ein Krankentransportwagen sowie etliche Mannschaftstransporter stehen bereit. „Das alles hier hat etwa einen Wert von rund 30 000 Euro“, beziffert Kreisbereichsleiter Mark Hennig den Wert des nötigen Equipments. Allerdings ohne den Rettungswagen, der bis zu 120 000 Euro koste. Bedenkt man, dass dieser Sanitätsdienst nicht wie beispielsweise die Freiwillige Feuerwehr finanzielle Vorteile durch die Kommunen genießt, sondern dass der komplette Einsatz auf dem ehrenamtlichen Engagement der Einsatzkräfte beruht und alles, was gebraucht wird, durch Spenden finanziert werden muss, dann kann man erst den Wert der Arbeit ermessen, die vom DRK geleistet wird. Einnahmen gibt es beim Usinger DRK nur aus dem Kleidershop, der Lebensmittelausgabe „Aufgetischt“, den Mitgliedsbeiträgen und aus sonstigen Spenden.

Stunden zählen

Neu ist in diesem Jahr der Einsatz des internen Kommunikationsverzeichnisses. Damit werden die Stunden genau addiert, die bei der Kerb geleistet werden. Denn bei so viel Einsatz der Mitarbeiter will DRK-Vorsitzende Ute Hellen hinterher einen genauen Überblick haben. Übrigens nehmen etliche der Helfer extra Urlaub, um ihren Dienst während der Kerb zu leisten. Eine Freistellung vom Arbeitgeber wie bei den Feuerwehrleuten gibt es nicht.

Um jedes Einsatzfahrzeug und jeden Mitarbeiter koordinieren zu können, steht eine Tafel im Einsatzzelt, auf der alles genau notiert ist. So können im Ernstfall Sanitäter und Rettungsfahrzeuge auf schnellstem Wege geordert werden. In einem zweiten Zelt stehen sechs Liegen für Verletzte bereit. Alles, was zur schnellen Erstversorgung nötig ist, findet ebenfalls Platz. Erst vor drei Wochen schaffte der DRK-Ortsverband Usingen einen Defibrillator und ein Beatmungsgerät an. „Da waren mal kurz 5000 Euro weg“, bestätigte Ute Hellen. Doch gerade wegen der Kerb sei dieses Geld sinnvoll angelegt.

Die Intimsphäre der Verletzten ist Rolf Schmitt sehr wichtig, betont er. Während ich vor Ort bin, gibt es keinen Einsatz.

Insgesamt gab es jedoch acht Einsätze, wie ich einen Tag später erfahre. In vier Fällen mussten die Verletzten in eine Klinik. Es war damit ein verhältnismäßig ruhiger Abend. Beendet ist der aber erst, wenn der letzte Besucher das Gelände verlassen hat, denn, wie DRK-Helfer Mark Hennig sagt, „DRK ist eine Lebenseinstellung“.

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