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Gewässer verschmutzt: So führte die Dieselspur zur Cannabis-Plantage

Von Was zunächst allein wie eine Umweltverschmutzung durch Dieselkraftstoff aussah, entpuppte sich schnell als heiße Spur zu einer Cannabis-Plantage. Im Glashüttener Ortsteil Schloßborn staunten Einsätzkräfte jedenfalls nicht schlecht, als sie eine unscheinbare Gartenhütte betraten. Zwei andere Personen hatten den Ort indes fluchtartig verlassen.
Feuerwehr leuchtete den Einsatzort aus. Bilder > Foto: Sven-Sebastian Sajak Feuerwehr leuchtete den Einsatzort aus.
Glashütten. 

Es war 22.30 Uhr, als bei Linda Godry am Mittwochabend das Telefon klingelte. Von der Feuerwehr erhielt die Erste Beigeordnete von Glashütten einen alarmierenden Anruf. In der südöstlich gelegenen Feldgemarkung von Schloßborn bahne sich eine Umweltkatastrophe an, lautete die Information. Und so zog Godry sich Gummistiefel und Regenjacke an und machte sich auf den Weg in die Nacht – es sollte für die SPD-Frau eine lange und ereignisreiche werden.

Die Feuerwehr hatte ihrerseits einen besorgniserregenden Anruf von einem Anwohner erhalten. In dessen Teich war Öl gelaufen, außerdem roch es stark nach Diesel. Als die Einsatzkräfte mit Lampen der Spur des Kraftstoffes folgten, kamen sie zu einem Grundstück, der vermutlichen Quelle des Übels. Was sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen konnten: Die Umweltverschmutzung war nicht der einzige Grund, warum es dringenden Handlungsbedarf gab. In ihrer Pressemitteilung sollte es die Polizei in Bad Homburg am folgenden Tag kurz und bündig auf den Punkt bringen: „Cannabis-Plantage entdeckt.“

Doch der Reihe nach. Am Eingang des Grundstück entdeckten die Feuerwehrleute zwei große Öl-Lachen und verschafften sich Zutritt, um der Sache auf den Grund zu gehen. „Weiter hinten konnte man schummriges Licht sehen“, berichtet Godry, die zwischen den Jahren Glashüttens Bürgermeisterin Brigitte Bannenberg vertritt. Außerdem habe man das Geräusch eines laufenden Stromaggregats hören können. Das konnte jetzt alles Mögliche bedeuten, also informierten die Feuerwehrleute sicherheitshalber die Polizei. Doch noch bevor die Unterstützung eintraf, zeigten sich zwei dunkel gekleidete männliche Personen. „Sie gaben sich zunächst unwissend und flüchteten nur kurze Zeit später vom Ort des Geschehens“, schildert die Polizei den weiteren Verlauf der ungewöhnlichen Begegnung.

Über 200 Pflanzen

Die überstürzte Flucht erklärte sich wenig später, als Beamte der Polizei Königstein die Hütte in Augenschein nahmen. Dort standen in Reih’ und Glied über 200 Cannabis-Pflanzen. Die sogenannte Indoor-Plantage war nach Angaben Polizei die größte Menge an Cannabis-Pflanzen, die von der Polizei im Hochtaunuskreis in diesem Jahr sichergestellt werden konnte. Allerdings waren die rund 1,50 Meter hohen Pflanzen in einem „noch nicht erntefähigen Zustand“. Und zur Ernte wird es auch nicht mehr kommen – die grünen Gewächse wurden abtransportiert und dürften demnächst vernichtet werden.

In der Hütte befanden zudem mehrere große Behälter mit Kraftstoff, der offenbar für den Betrieb des Stromaggregats gebraucht wurde und die massive Umweltverschmutzung auslöste. Mit Ölabscheidern und Dämmen versuchte die Feuerwehr die Verunreinigung von Erdreich und Gewässern in den Griff zu bekommen. Unterstützt wurde sie dabei von Mitarbeitern des Fachbereichs Wasser- und Bodenschutz des Hochtaunuskreises.

Die betroffene Gemarkung ist laut Godry ein Wasserschutzgebiet, in dem sich unter anderem auch zwei große Teiche befinden, an denen das traditionelle Anglerfest stattfindet. Nach Angaben aus dem Landratsamt besteht „keine unmittelbare Gefahr für Natur und Umwelt“. Die Kreis-Mitarbeiter hätten daher auf dem Grundstück zunächst der Spurensicherung das Feld überlassen.

Zu den beiden Männern, die das Gelände fluchtartig verlassen hatten, machte die Polizei gestern keine näheren Angaben. Das Rauschgiftkommissariat der Kriminalpolizei Bad Homburg hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet um Hinweise zu den Plantagenbetreibern unter der Telefonnummer (0 61 72) 12 00. Auch über die Eigentümer des Grundstücks wurden bislang keine weiteren Angaben gemacht. Wie aus Glashütten zu erfahren war, soll es sich um eine Erbengemeinschaft handeln.

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