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Tod der 16-jährigen Nigina H: Staatsanwalt: „Es war Mord“

Von Für die Anklage steht fest: Der Vater von Nigina hat seine 16 Jahre alte Tochter ermordet. Dafür machte er mehrere Gründe geltend.
Die Anklage ist sich sicher: Der Vater der 16-jährigen Nigina hat seine Tochter ermordet. Copyright: Hab Die Anklage ist sich sicher: Der Vater der 16-jährigen Nigina hat seine Tochter ermordet. Copyright: Hab
Bad Homburg. 

Der Tod der 16-jährigen Nigina H. soll, so der Antrag von Staatsanwalt Dennis Bodenbenner, mit einer lebenslangen Haft gesühnt werden. Diese Forderung stellte der Ankläger in seinem 75-minütigen Plädoyer am gestrigen Nachmittag vor der 21. Großen Strafkammer des Landgerichts Frankfurt. Er sieht es als erwiesen an, dass der Vater seine Tochter ermordet hat.

Begonnen hatte der fünfte Verhandlungstag mit der Anhörung des Arztes, der nach Festnahme des Vaters die Blutentnahme durchgeführt hatte. Der Mediziner sagte aus, dass der Angeklagte trotz erkennbarer Alkoholisierung und bestehender Sprachprobleme orientiert und in der Lage gewesen sei, eine nachvollziehbare Tatschilderung abzugeben.

Am Ende der vorläufigen Beweisaufnahme wurden die Bekleidungsstücke auf dem Richtertisch von Klaus Drescher ausgebreitet, die Nigina H. zum Tatzeitpunkt trug. Deutlich erkennbar waren die Blutspuren und die Messereinstiche am T-Shirt und an den beiden Strickjacken. Während dieser Inaugenscheinnahme blickte der Angeklagte regungslos entweder zu Boden oder zur Seite.

Nach einer mehrstündigen Pause versuchte am Nachmittag der Verteidiger das Gericht zu überzeugen, dass die wenig vorteilhaften Aussagen, die sein Mandant nach der Festnahme gemacht hatte, keine Verwertung vor Gericht finden dürfen. Sein Mandant sei betrunken gewesen, zudem habe sich der Vater aufgrund von Sprachschwierigkeiten zum Teil falsch ausgedrückt beziehungsweise seien seine Aussagen falsch ausgelegt worden.

 

Hochbelastendes Elternhaus

 

Für Staatsanwalt Bodenbenner änderte sich dadurch aber nichts an seiner rechtlichen Einschätzung. „Es war eine schreckliche und erschütternde Tat des Angeklagten“, sagte er zu Beginn seines Plädoyers. Danach ging er auf das „hochbelastende Elternhaus“, in dem Gewalt geherrscht habe, ein. Dabei erwähnte er auch das Alkohol- und Drogenproblem von Vater und Tochter. Zur Sprache kamen zudem die Vorstrafen des Angeklagten, da er zwischen 2011 und 2013 drei Mal wegen Körperverletzung zu Geldstrafen verurteilt worden war. Auch Nigina habe oft Alkohol getrunken und Marihuana konsumiert.

Der Staatsanwalt machte deutlich, dass für ihn zweifelsfrei feststehe, dass es sich bei der Tötung von Nigina um einen Mord handelte. Als Mordmerkmal nannte Bodenbenner den Tatbestand der Heimtücke, den er ausführlich begründete. Danach hatte der Angeklagte die Drogen konsumierende Tochter mit der Lüge in den Keller gelockt, dass er dort Marihuana aufbewahre. Nigina habe sich dann gebückt, um in dem angeblichen Versteck nachzusehen. Diesen Moment habe der Vater genutzt und von oben herab die ersten Stiche ausgeführt. Die 16-Jährige sei dabei arglos, gutgläubig und wehrlos gewesen.

Für den Ankläger war auch klar, dass es sich nicht um eine spontane Tat gehandelt habe. Der Täter habe das Verbrechen lange geplant und vorbereitet, sagte er. Denn der Vater habe zuvor einige Vertraute wissen lassen, dass er sich aus Deutschland absetzen wolle. Deswegen habe er sogar schon Kontakt zu einem Reisebüro aufgenommen und sich Geld besorgt. Bei seiner Festnahme führte der damals 40 Jahre alte Mann rund 1000 Euro mit sich. Auch das Mordmerkmal „niedere Beweggründe“ wollte der Ankläger nicht ausschließen, ließ diesen Tatbestand nach dem Prinzip „in dubio pro reo“ allerdings offen.

Keine „Tat im Nebel“

Wie Bodenbenner ausführte, habe der Vater nach der Tat durchdacht gehandelt. Er habe die Leiche im Keller unter einem Karton versteckt sowie den Verschlag abgeschlossen und den Schlüssel mitgenommen. Von einer Tat „im Nebel“, wie es der Angeklagte in seiner Aussage bei der Polizei genannt hatte, könne daher keine Rede sein, sagte er abschließend.

Die Frage, wie die Kammer den Fall bewertet, wird am Donnerstag, 13. November, beantwortet. Für diesen Tag ist die Urteilsverkündung geplant.

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