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Stopp dem Stellenabbau

Sie haben um Gespräche mit dem Kultusminister gebeten, Briefe und Petitionen verfasst – die Schulelternbeiräte von Schulen mit gymnasialer Oberstufe. Grund dafür: die schrittweise Senkung der Lehrerzuweisung in der Oberstufe bis 2018. Weil das Ministerium bislang abgewinkt hat, fahren die Beiräte jetzt die Krallen aus.
Hochtaunus. 

Es klingt nachvollziehbar, wenn Kultusminister Professor Alexander Lorz (CDU) in einem Brief an das Kaiserin-Friedrich-Gymnasium (KFG) in Bad Homburg über „Bildungsgerechtigkeit“ sinniert und darüber, wie wichtig „die Ausweitung des Ganztagsangebotes, der Deutschförderprogramme und des inklusiven Unterrichts“ sind. Und dass dafür die gymnasialen Oberstufen etwas von ihren Lehrerstellen abgeben müssen. Aber: „Nur etwas? Von wegen!“, sagt Ingrid Häussler vom Landeselternbeirat Hessen. An Frankfurter Schulen habe die Kürzung zur Folge, dass die Kurse zum Teil rappelvoll seien.

Die Auswirkungen der Kürzungswelle sind auch für die Schulen mit gymnasialer Oberstufe im Taunus eklatant: Am KFG gibt es bereits Überlegungen, die dritte Fremdsprache – Spanisch – zu streichen. „Das AG-Angebot wurde schon gekürzt, eine Schwimm-AG gibt es nicht mehr“, sagt Jochen Barop, Vorsitzender des KFG-Schulelternbeirats. Der Hammer sei allerdings der „Huckepackkurs“ in der E-Phase: Hier werden Grund- und Leistungskursschüler in Latein gemeinsam unterrichtet.

„Die Kürzungen gehen zulasten der Qualität, der Angebotsvielfalt und der Verlässlichkeit der Schulen“, ärgert sich Gereon Stegmann, Vorsitzender des Kreiselternbeirats des Hochtaunuskreises. Und das, wo CDU und Grüne doch in ihrem Koalitionspapier für Hessen „differenzierte Bildungsangebote“ betonten und „Bewährtes erhalten und Notwendiges verlässlich absichern“ wollten, erinnern Barop und sein Stellvertreter Christian Dölle.

Von Differenziertheit und Verlässlichkeit könne derzeit keine Rede mehr sein, sagt Klaus Winkler, Vorsitzender des Schulelternbeirates des Gymnasiums Oberursel (GO). „Selbstständige Schulen wie etwa das GO wurden seinerzeit mit einer Lehrerversorgung von 105 Prozent ausgestattet, damit sie schulspezifische Profile etablieren konnten, etwa einen Schwerpunkt Musik oder bilingualen Unterricht.“ Aber eine Kürzung um „nur“ fünf Prozent habe faktisch eine Reduzierung um 50 Prozent der 100 für Schulspezifika angesetzten Lehrerstunden zur Folge. Winkler sieht die Schwerpunkte daher in Gefahr. Die Entwicklung eines MINT-Programms – die Spezialisierung auf naturwissenschaftliche Fächer – sei am GO beispielsweise gestoppt.

Die Folgen des Sparzwangs zeigten sich auch an der Philip-Reis-Schule in Friedrichsdorf. Dort gebe es mittlerweile jahrgangsübergreifenden Unterricht in Französisch, Spanisch, Latein und Informatik. Winkler: „Das ist eher wie Unterricht an einer Dorfschule.“

Die Liste der Beispiele, die die Schulelternbeiräte nennen, ließe sich beliebig fortsetzen. Aber die Botschaft ist auch so klar: Der Kultusminister wird aufgefordert, die Kürzungen zurückzunehmen. Und zwar schnell. Denn bereits in vier Wochen stehen die Pläne für die Kurse der kommenden Oberstufe.

(sbm)
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