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Kampf gegen Karies: Tipps, wie man schon Kleinkindern Zahnpflege näher bringt

Bei Kinderzähnen kommt es auf das richtige und tägliche Putzen an. Das gilt für die Milchzähne wie auch für die bleibenden Beißerchen. Weil gerade jetzt mit den Weihnachtsleckereien viel Zucker in Kindermündern unterwegs ist, haben wir uns beim Arbeitskreis Kinder- und Jugendzahnpflege Hochtaunus und bei einer hiesigen Zahnärztin schlaugemacht, worauf zu achten ist, um Plätzchen ohne Reue und Karies genießen zu können.
Zahnärztin Nadine Abel (links) überprüft die Zähne von Jakob (8), Vanessa Pauls assistiert. Zahnärztin Nadine Abel (links) überprüft die Zähne von Jakob (8), Vanessa Pauls assistiert.
Hochtaunus. 

„Bei den Milchzähnen ist Zahnpflege nicht so wichtig, die fallen ja sowieso wieder aus“ – bei dieser Aussage kann Nicole Segschneider vom Arbeitskreis Jugendzahnpflege Hochtaunuskreis (AKJ) nur mit dem Kopf schütteln. Denn sind die Kariesbakterien erst einmal in der Mundhöhle, dann sind nach den Milchzähnen auch die bleibenden Beißerchen in großer Gefahr, Löcher zu bekommen.

Die Ansteckung mit Karies läuft unter anderem übers Küssen oder auch über den Schnuller, wenn der mal wieder auf den Boden gefallen ist und die Eltern, Oma oder Opa ihn ablecken. Keine saubere Sache. Segschneider hält dagegen: „Wer es schafft, die Milchzähne kariesfrei zu halten, der hat eine 90-prozentige Chance auf lebenslang gesunde Zähne.“

Spielerisch heranführen

Zusammen mit ihrer Kollegin Jutta van den Bruck-Radny ist sie in über 150 Krippen und Kindertagesstätten im Kreis im Auftrag des AKJ unterwegs. Der arbeitet eigenständig unter dem Dach der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege Hessen und wird von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert. „Wir beliefern die Kitas mit Materialien zur Zahnpflege, verteilen Zahnbürsten und Becher und Informationen für die Eltern in vielen Sprachen.“ Außerdem schult das Duo das Personal und die Patenschaftszahnärzte, die regelmäßig die Gruppen besuchen.

Jutta van den Bruck-Radny (links) und Nicole Segschneider vom Arbeitskreis Jugendzahnpflege Hochtaunus geben Tipps zur Zahnpflege. Bild-Zoom
Jutta van den Bruck-Radny (links) und Nicole Segschneider vom Arbeitskreis Jugendzahnpflege Hochtaunus geben Tipps zur Zahnpflege.

Die beiden zeigen den Kindern in den Kitas auch, wie das Zähneputzen funktioniert. „Wir sehen, dass einige direkt wissen, was eine Zahnbürste ist, und sie auch gleich in den Mund stecken.“ Andere seien komplett ahnungslos und legten die mitgebrachten bunten Bürsten erst mal weg. Das zeigt deutlich, dass, auch wenn nach neuesten Studien Karies im Kindermund rückläufig ist, der Rat der Zahnpflegeexpertinnen immer noch gebraucht wird.

Bei der Zahnpflege vom ersten Zahn an halten Eltern die neuen Zähnchen mit einer weichen, kleinen Bürste und nur mit Wasser sauber. Dabei kann man ruhig auf das stetig wachsende Können der Allerkleinsten zählen, weiß man beim AKJ: „Ab etwa drei Monaten können Kinder greifen und damit auch mit kleinen Zahnbürsten oder Beißringen, die wie eine Zahnbürste geformt sind, hantieren und darauf herumkauen.“ So lernen die Kinder, dass Zähneputzen zweimal am Tag zum Tagesablauf gehört.

KAI-Methode

Mit dem Einüben der sogenannten KAI-Methode (K=Kauflächen, A=Außenflächen, I=Innenflächen) können etwas größere Kinder einen Teil der Zahnpflege in der richtigen Reihenfolge übernehmen. Ein erbsengroßer Klecks Zahnpasta auf die Bürste – viele Zahnbürsten haben deshalb die mittleren Borsten in der passenden Größe farblich eingefärbt –, und los geht es in möglichst kreisenden Bewegungen. „Aber ein KAI ohne E“, betont Nicole Segschneider vom AKJ. Mit dem E sind die Eltern gemeint, die bis etwa zur dritten Schulklasse die Zähne nachputzen. „Denn die Innenseiten können die Kinder erst richtig putzen, wenn sie gelernt haben, flüssig zu schreiben“, erklärt Segschneider.

Was den Zahnarztbesuch angeht, hat Nadine Abel eine „ganz große Bitte“ an die Eltern. „Drohen Sie nicht mit mir“, bittet die Zahnärztin mit Schwerpunkt Kinder und Jugendliche. Die Angst vor dem Bohrer habe bei der Zahnpflege noch nie geholfen. Besser sei es, dass Kind früh mit zum Zahnarzt zu nehmen. Das kann beim eigenen halbjährigen Kontrolltermin geschehen, bei dem das Kind die Untersuchung bei Mama oder Papa mitbekommt.

„Steht dann der Kontrolltermin fürs Kind an, kennt es schon die Praxis, den Stuhl und weiß, dass es den Mund aufmachen muss, damit ich reingucken kann“, erklärt Abel. Dass manche Kinder trotzdem einige Besuche brauchen, bis sie bereit sind, ihre Zähne zu zeigen, sei eben so, da helfe nur Geduld.

In ihrer Praxis sieht die Medizinerin alles vom perfekt geputzten Gebiss bis hin zur großen Kariesbaustelle. Sie kann aber auch bestätigen, dass der Kariesbefall in Kindermündern rückläufig ist. Allerdings, so fügt sie hinzu, hat Zahnhygenie leider viel mit dem Bildungsgrad respektive Wissensstand der Eltern zu tun. Das zeigten auch aktuelle Studien.

Jungs „vergessen“ eher

Klappt es bei Kindern bis etwa zur siebten Klasse mit den Kontrollterminen noch ganz gut, müsse man bei Teenagern wieder mehr hinterher sein, hat Abel die Erfahrung gemacht. Da kann es schon mal passieren, dass der von den Eltern ausgemachte Termin von den jungen Leuten „vergessen“ wird. „Vor allem die Jungs sind da manchmal etwas nachlässig. Die versuchen wir dann auf dem Handy zu erreichen und an den Termin zu erinnern“, so die Ärztin.

Spätestens mit der ersten Freundin ändere sich das aber schlagartig. Dann entdecken die Jungs die Zahnhygenie wieder. Damit sie dabei pfleglich mit Zahn und Zahnfleisch umgehen, sie sanft mit kreisenden Bewegungen bearbeiten und nicht hektisch-pubertär drauf rumschrubben, gibt es diesen Tipp: „Den Jungs sage ich immer, das Zahnfleisch ist wie eine Frau. Wenn Du es zu sehr piesackst, dann zieht es sich zurück und kommt auch nicht mehr hoch“, erzählt Abel mit einem Augenzwinkern und ist gleich beim Thema Zahnseide.

„Die kann genauso wie die dünnen Interdentalbürsten schon ganz vorsichtig bei den Kleinsten benutzt werden, um die Räume zwischen den Milchbackenzähnen von Speiseresten zu befreien.“ Das sei wichtig, wenn der erste bleibende Backenzahn, der sogenannte 6er-Molar, durchbricht und etwa im Alter von sechs Jahren die Milchbackenzähne enger zusammenschiebt. „Das ist genau die Stelle, wo sich Karies gerne festsetzt.“

Bis zum 18. Lebensjahr bezahlt die Krankenkasse die Zahnkontrolle zwei Mal pro Jahr. Ebenso werden die IP-Leistungen übernommen, zu der unter anderem Beratung und das Einfärben des Zahnbelags gehören. Beides hilft Kindern und Jugendlichen sichtbar bei der eigenen Mundhygenie.

Auch das Versiegeln mit einer dünnen, durchsichtigen Kunststoffschicht ab den ersten bleibenden Backzähnen übernehmen die gesetzlichen Kassen alle zwei Jahre bis zum 18. Geburtstag.

Gebiss braucht Pausen

Bei Karies lässt die Zahnärztin Ausreden wie „mein Kind hat meine schlechte Zähne geerbt“ nicht gelten. Zwar sei die Anfälligkeit für Karies individuell unterschiedlich und hänge mit vielen Faktoren bis hin zur Zusammensetzung des Speichels zusammen. Grundsätzlich aber könne jeder viel dafür tun, um die Zähne gesund zu halten. „Vor allem abends ist Putzen wichtig, weil wir uns dann den gesamten Ess-Tag von den Zähnen holen.“ So wird im Schlaf, wenn weniger Speichel die Zähne umspült, den Kariesbakterien die Grundlage zum Vermehren entzogen.

Nicht nur in der aktuellen Vorweihnachtszeit mit ihren vielen süßen Plätzchen plädieren Nicole Segschneider und Jutta van den Bruck-Radny vom AKJ für den zuckerfreien Vormittag. „Das heißt, nach dem morgendlichen Zähneputzen gibt es nichts Süßes, sondern naturbelassene Lebensmittel, die man gut kauen muss, und Getränke ohne Zucker. Das können rohes Gemüse, frisches Obst, mit Käse oder magerer Wurst belegtes Brot, Nüsse und Samen sein.“ Dadurch können unsere Zähne in den restlichen acht Stunden Zucker gut vertragen. Süßes muss also nicht verboten werden. Wichtig ist, es in Maßen und zur richtigen Uhrzeit zu genießen. Das ist kurz gefasst die „16 plus 8“-Stundenregel. „Man kann die Zähne heute so gut pflegen, dass sie einem ein Leben lang erhalten bleiben“, ist die Friedrichsdorfer Zahnärztin Nadine Abel überzeugt. Und das fängt im Kindermund an.

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